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Lokales Lieblingsstücke aus dem Dresdner Stadtarchiv – die rollende Zahnklinik von 1929
Dresden Lokales Lieblingsstücke aus dem Dresdner Stadtarchiv – die rollende Zahnklinik von 1929
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17:12 18.10.2019
Das Auto im Dienste der Schulzahnklinik, Modellversuch aus Schwelm 1929. Quelle: Stadtarchiv Dresden, 2.3.20 Schulamt, Nr. 0368
Dresden

Wir haben die Mitarbeiter des Dresdner Stadtarchivs gebeten, aus den 40 Regalkilometern an Beständen ihre Lieblingsstücke auszugraben. Diese stellen wir nun in loser Folge vor.

Mit dem freudigen Aufmacher „Juchhei, juchhei, das ist gewiß, ich brauche später kein Gebiß!“ berichtete der Sonderabdruck des „Schwelmer Tageblattes“ vom 27. April 1929 über die Einrichtung einer neuen Schulzahnklinik in Schwelm. Das Besondere daran war die Unterbringung der Zahnarztpraxis in einem Wagenaufbau, der auf einen Mercedes-Benz mit Niederrahmen-Fahrgestell und Sechszylindermotor montiert wurde.

Dresden hatte ein kostenfreie Schulzahnklinik

Wie die Fotografien in einer Akte des Dresdner Schulamtes zeigen, befand sich in dem Wagen eine modern eingerichtete Zahnklinik mit elektrischer Beleuchtung, Warmwasserbereiter, Abwassertank und Heizung. Außerdem waren ein Schreibtisch, ein Kinderuntersuchungsstuhl, ein Waschbecken sowie ein Wartebereich mit zwei ausklappbaren Sitzen eingebaut. Die Stromversorgung erfolgte über einen Anschluss an die Starkstromleitung der Schule.

Diese Erfindung von Prof. Kantorowicz aus Bonn weckte auch das Interesse des Dresdner Finanzamtes, welches darin eine mögliche finanzielle Entlastung sah und das Schulamt bat, sich mit der Beschaffung eines solchen Wagens zu befassen. In Dresden existierte bereits seit 1921 eine Städtische Schulzahnklinik mit zwei Zweigstellen in Cotta und Pieschen, in denen alle Schüler der Klassenstufen 2 bis 5 eine kostenfreie Untersuchung erhielten. Dresden besaß damit als eine der wenigen Großstädte eine die gesamte Volksschuljugend umfassende Schulzahnpflege. Aufgrund der sehr guten Auslastung war eine dritte Zweigstelle in Planung, welche gegebenenfalls durch den zahnärztlichen Wagen ersetzt werden sollte.

Debatte versandet in der Weltwirtschaftskrise

Für eine solche mobile Zahnklinik sprach aus Sicht des Dresdner Schulamtes lediglich, dass der Schulzahnarzt auch vor die kleinste Dorfschule fahren konnte und die Kinder nicht in eine weit entfernte Landstation gebracht werden mussten. Allerdings würden die Kosten von ca. 12.200 Reichsmark (RM) für eine stationäre Einrichtung weit unter denen eines zahnärztlichen Automobils in Höhe von 23.000 RM liegen. Auch seien höhere Personalkosten zu erwarten, da man neben dem Zahnarzt und einer Schwester zusätzlich einen Kraftwagenführer einstellen müsse.

Darüber hinaus wurde bezweifelt, dass der Zahnarzt an kalten Wintertagen ohne gesundheitliche Schäden arbeiten könne. Ebenfalls unklar war der Stellplatz des Wagens. Die öffentlichen Verkehrswege neben der Schule durften keinesfalls durch das über den Gehweg liegende Stromkabel, wartende oder schreiende Kinder behindert werden. In die Schulhöfe konnte der schwere Wagen aber auch nicht fahren, da die Reifen den ungepflasterten Boden zerstören würden.

Aus der Akte geht hervor, dass das Dresdner Schulamt alles in allem zu dem Schluss kommt, die Frage der Automobil-Schulzahnklinik vorerst auf sich beruhen zu lassen und abzuwarten, ob die Idee aus Schwelm zwei Winter übersteht. Die zunehmend schwierige finanzielle Lage der Stadt ab 1929 führte in den folgenden Jahren dazu, dass die fahrende Schulzahnklinik nie wieder zur Debatte stand und auch keine dritte stationäre Zweigstelle eingerichtet wurde.

Von Sophie Richter

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