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15:59 10.03.2020
Innerstädtische Oase: der Leutewitzer Park. Hinter dem Spielplatz liegt der Bereich, um den der Park erweitert werden soll. Quelle: Thomas Baumann-Hartwig
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Dresden

Egal, wie die Entscheidung ausfällt: Ein hohes Gut bleibt auf der Strecke. Am Leutewitzer Park ist auf ehemaligen Gärtnereigelände ein kleiner Wald gewachsen. Wildwuchs mit positivem Einfluss auf das Stadtklima. Investor Uwe Köhn will auf einem Teilstück Wohnhäuser errichten. Anwohner wollen den Wald komplett erhalten. Der Stadtbezirksbeirat Cotta debattiert am Donnerstag über die Pläne, der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau am 1. April.

Wohnungsbau macht Parkerweiterung möglich: Investor Uwe Köhn. Quelle: privat

Der Investor: Wohnungsbau ist Grundlage für Parkerweiterung

Als er 2007 das Grundstück ehemaliger Gärtnereien gekauft habe, sei der Plan für ein Eigenheimgebiet an einem Grundstück in anderem Besitz gescheitert, sagt Uwe Köhn. „Damals waren die Bäume klein. Wenn ich sie abgeholzt hätte, wäre alles in Ordnung gewesen. Aber ich habe sie bewusst stehen lassen.“ Er habe nicht die Säge in einem Gebiet ansetzen wollen, in dem auf absehbare Zeit nicht gebaut werden konnte.

Jetzt, so sagt der Investor, könne Wohnungsbau den Weg für eine Parkerweiterung frei machen. Er wolle lediglich ein Teilstück von 4190 Quadratmetern bebauen. 11 000 Quadratmeter seines Grund und Bodens werde er der Stadt übertragen. Der 67 400 Quadratmeter große Leutewitzer Park könne um 14 Prozent wachsen.

Köhn will nicht nur die Fläche zur Verfügung stellen, sondern auch Geld: eine halbe Million Euro will er für die Gestaltung der 11 000 Quadratmeter – im Moment noch unstrukturiert und verwildert – zu Parkgelände zahlen. Viel Geld angesichts des chronisch unterfinanzierten Etats für Parkerweiterungen von Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne). „Wir können die Bedingungen vor Verabschiedung des Bebauungsplanes vertraglich fixieren“, bietet der Investor an.

Rund 50 Wohnungen will Köhn auf dem Gelände errichten. 30 Prozent davon Sozialwohnungen. „Ich will einen Beitrag für bezahlbares Wohnen leisten. Die Mieten werden bei etwas über zehn Euro liegen“, kündigt er an. Dafür würden die Mieter barrierefreie Wohnräume beziehen können.

Wald erhalten und pflegen: Die Anwohner Sina Burkert, Lars Bräunling und Bernd Möller (r.) sind gegen neue Wohngebäude in dem Waldareal. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Anwohner: 50 Wohnungen sind nur der Anfang

Anwohner engagieren sich gegen das Vorhaben. Sie befürchten, dass die ersten 50 Wohnungen nur der Anfang sind und das ganze Waldgebiet zugebaut werden soll.

Der Freundeskreis Cotta setzt sich für den Erhalt des Waldes ein. „Ein Wald, das heißt Bäume, Kleintiere und Klima für die Menschen in dem Wohngebiet“, sagt Bernd Möller, Vorsitzender des Freundeskreises Cotta. Er kennt die Geschichte des Gebietes wie kein Zweiter und hat auch jeden Beschluss, der zu dem Gebiet gefasst wurde, in Aktenordnern abgeheftet.

Bis in die 1970er Jahre nutzten Gärtnereien das Areal. „Dann wurde es aufgelassen und ist zugewachsen.“ Vom Grundstücksbesitzer erwarten Möller und seine Mitstreiter, dass er sich um den Wald kümmert und diesen pflegt. „Wir stehen ihm gerne mit Rat und Tat zur Seite, würden beispielsweise bei der Konzipierung eines Lehrpfades helfen“, sagt Möller.

Vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau erwartet der Freundeskreis Cotta, dass der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan nicht gefasst wird. „Wir haben viele Politikerinnen und Politiker angesprochen und auf unser Anliegen hingewiesen.“ Der Stadtbezirksbeirat Cotta hatte im vergangenen Jahr gegen die Pläne des Investors gestimmt.

Wohnungsbau verhindern? Nicht mit uns! Peter Bartels, Vorsitzender des Mietervereins. Quelle: Anja Schneider

Der Mieterverein: Wohnungsbau darf nicht verhindert werden

Peter Bartels, Vorsitzender des Mietervereins Dresden und Umgebung e.V., wird deutlich: „Wohnungsbau verhindern ist mit uns nicht drin!“, erklärt er. Dresden sei sowohl auf bezahlbare Wohnungen als auch auf Sozialwohnungen angewiesen.

Bartels verweist auf den Mehrwert, der aus seiner Sicht durch das Vorhaben entsteht: „Mit einer halben Million Euro kann der Leutewitzer Park gestaltet werden. So viel Geld würde in den nächsten Jahren kaum fließen.“ Mit dem Bauvorhaben würden auch zwei neue Wege zum Leutewitzer Park entstehen, auch das sei ein Plus für die Anwohner. „Wenn der Investor nicht bauen kann, muss er sein Grundstück einzäunen. Dann hat niemand etwas gekonnt.“

„Das ist so nicht richtig“, sagt Möller, „ein Waldbesitzer muss sich um sein Eigentum kümmern und den Wald allen öffentlich zugänglich machen.“ Auch Köhn hat noch eine Korrektur anzufügen: „Es ist nicht richtig, dass ich weitere Wohngebäude in dem Waldstück errichten will. Die geplanten 50 Wohnungen sind und bleiben das letzte Vorhaben.“

Im Bauausschuss hatten im vergangenen Jahr in alter Besetzung zehn Mitglieder für die Wohngebäude gestimmt. Nur die drei Grünen-Vertreter stimmten dagegen. Jetzt ist der Ausschuss neu besetzt und die Karten werden neu gemischt.

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Von Thomas Baumann-Hartwig

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