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Lokales Lernen mit Wau-Faktor in Dresden
Dresden Lokales Lernen mit Wau-Faktor in Dresden
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10:04 20.02.2019
Rita, Paul und Reinmund (v. l.) haben Schulhund Fred längst in ihr Herz geschlossen.
Rita, Paul und Reinmund (v. l.) haben Schulhund Fred längst in ihr Herz geschlossen. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Lehrerin Christina Häusler baut aus Hütchen und Stangen einen Parcours für Labrador Fred. Allerdings geht es hierbei nicht vorrangig um Training für den Hund, sondern die Schüler lernen, mit ihrem Schulhund zu kommunizieren und ihre Worte mit der Körpersprache in Balance zu bringen.

Einzeln nacheinander versteckt jedes Kind ein Leckerli im Klassenraum der 37. Grundschule in Löbtau. Dann müssen sie dem vierjährigem Hund bedeuten zu warten und gemeinsam mit Handzeichen und verbalen Befehlen den Parcours überwinden. Doch heute ist Fred ein bisschen faul und will abkürzen. Jetzt muss die neunjährige Florentine bestimmt reagieren und Fred zurück auf Kurs bringen. „Was ich mit Fred lerne, bringe ich auch dem Hund meiner Oma bei“, sagt sie.

Fred ist nicht nur zum Streicheln da: Gemeinsam mit den Kindern muss er beispielsweise einen Parcours absolvieren. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Kinder der „Hundeklasse“, sprich die Klasse 3a von Lehrerin Häusler, und die Teilnehmer der Schulhunde-AG sollen zusammen mit Fred Hindernisse überwinden, wortwörtlich und im übertragenen Sinn: „Zum Beispiel lernen die Kinder deutlich zu sprechen“, sagt die 28-jährige Lehrerin und Besitzerin von Fred. Besonders für Kinder mit niedrigem Selbstbewusstsein sei Fred ein Motivator. „Die Kinder fühlen sich ihm zugewandt, weil Fred beispielsweise nicht über Sprachfehler oder Übergewicht urteilt“, erklärt Häusler.

Auch auf das Klassenklima im Unterricht hat der Labradorrüde ei­ne positive Wirkung. „Aus Rücksicht auf Fred regulieren die Kinder ihre Lautstärke“, berichtet die Klassenlehrerin. Gleichzeitig müssen sie Verantwortung für den Vierbeiner übernehmen und beispielsweise auf einen vollen Wassernapf achten.

Schon im Welpenalter brachte Häusler ihren Hund mit in ihre Klasse, damals waren die Kinder noch im ersten Schuljahr. Die Idee kam der damaligen Referendarin bei einem Praktikum an einer freien Schule, die ebenfalls einen Schulhund hatte. Seitdem ist er einmal die Woche im Unterricht dabei und besucht die Schulhunde-AG. „Jeder Tag wäre zu viel für ihn“, sagt Häusler. Sie führt ein Protokoll, in dem sie eventuelle Stresssymptome von Fred, un­ter anderem Hecheln, notiert.

In Sachsen gibt es keine Vorgaben für einen Schulhund. Häusler und Fred haben eine einjährige Begleithundeausbildung absolviert. Da­bei geht es unter anderem darum, Stresssignale beim Hund zu erkennen und Erstehilfemaßnahmen zu erlernen. Wichtig ist auch der Charakter des Hundes: „Er soll offen sein, wenig schreckhaft und ei­ne hohe Reizschwelle besitzen“, erklärt Häusler. „Fred ist ein ruhiger Typ“, hat auch Schüler Reimund festgestellt.

An der 37. Grundschule wollen sie noch so einen Hund wie Fred. „Ein zweiter Schulhund ist in Planung“, sagt Häusler.

Von Tomke Giedigkeit

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