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Lokales Landeskirchenmusiktage in Dresden: Interesse am Singen bleibt eine feste Größe
Dresden Lokales Landeskirchenmusiktage in Dresden: Interesse am Singen bleibt eine feste Größe
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13:57 18.10.2019
Der Studentenchor der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik probt unter der Leitung von Rektor Stephan Lennig für die Landeskirchenmusiktage. Ganz rechts sitzt Luise Wenk. Quelle: Tomas Gärtner
Dresden

Die Landeskirchenmusiktage sind für Luise Wenk eine gute Gelegenheit, Kantoren kennenzulernen. „Dort kann ich mich mit ihnen austauschen, auch Kontakte zu späteren Kollegen knüpfen“, sagt die 22-Jährige, die im siebenten Semester an der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik studiert.

Gespannt ist sie vor allem auf die Messe Solennelle von Hector Berlioz zur Vesper am 26. Oktober in der Kreuzkirche. Da singt sie im Chor ihrer Hochschule mit. Es ist eine gemeinschaftliche Aufführung mit Kommilitonen der staatlichen Musikhochschule Carl Maria von Weber, die als Orchestermusiker und Gesangssolisten auftreten. „Das wird sicher ein großes Erlebnis.“

Orgel, Klavier, Gesang, Chorleitung

Außerdem steckt sie mitten in den Chorproben für „Der 23. Psalm“, ein Werk für acht Stimmen und Glasglocken von Günter Schwarze. Das erklingt am 24. Oktober in der Dreikönigskirche – ein Konzert-Höhepunkt der Landeskirchenmusiktage vom 23. bis 27. Oktober. Der Komponist, jahrelang Professor an der staatlichen Hochschule für Musik, ist dieses Jahr 70 geworden – so alt wie die Kirchenmusikschule.

Die Hochschule für Kirchenmusik am Käthe-Kollwitz-Ufer in Dresden wird 70 Jahre alt. Quelle: Tomas Gärtner

An Themen bei den Landeskirchenmusiktagen sei in etwa das vertreten, was sie und ihre Kommilitonen an der Hochschule lernen, sagt Luise Wenk. Orgel, Klavier, Gesang, Chorleitung sind Hauptfächer. Dazu kommen Musiktheorie, Gehörbildung, Hymnologie, Theologie, Liturgik. Nicht zu unterschätzen Kinderchorleitung, Orgelbau, Gregorianik, Popmusik.

Aus dem Programm der Landeskirchenmusiktage

Orgel:23. Oktober, 18 Uhr, Frauenkirche, „Wort & Klang“ mit Prof. Martin Strohhäcker; 23. Oktober, 20 Uhr, öffentliches Konzert an der Orgel im Kulturpalast mit Kreuzorganist Holger Gehring

Konzert: 24. Oktober, 19.30 Uhr, Dreikönigskirche, der 23. Psalm in Vertonungen von Gottfried August Homilius, Bernhard Klein, Volker Bräutigam, Christian Ridil; Uraufführung der Version von Günter Schwarze; Fest- und Gedenksprüche Op. 109 von Johannes Brahms; mit Chören der Hochschulen für Kirchenmusik in Dresden und in Halle unter Leitung von Prof. Peter Kopp und Prof. Stephan Lennig

Vesper: 26. Oktober, 17 Uhr, Kreuzkirche, Messe Solennelle von Hector Berlioz, mit Chor der Teilnehmer der Landeskirchenmusiktage, Solisten und Orchester der Hochschule für Musik Dresden unter Leitung von Stephan Lennig und LKMD Markus Leidenberger

Gottesdienst: 27. Oktober, 9.30 Uhr, Kreuzkirche, mit Pfarrer Holger Milkau, Kreuzorganist Holger Gehring, André Engelbrecht und Band, Bläsern und Chorsängern der Dresdner Kirchenbezirke

Im kommenden Jahr will Luise Wenk ihr Studium mit dem Examen abschließen. In welche evangelische Gemeinde sie dann als Kirchenmusikerin gehen wird, weiß sie noch nicht. „Aber ich freue mich schon auf die Arbeit mit Menschen aller Generationen, in Kurrende, Kantorei und Posaunenchor.“

“Am Ende des Abends war jeder irgendwie beseelt.“

In Sachsen möchte sie bleiben, obwohl sie aus dem brandenburgischen Zehdenick stammt. Dort begann sie als Elfjährige in einer Kantorei zu singen – mit Abstand die jüngste. „Die Leute kamen von ihrer Arbeit, waren geschafft vom Tag. Dann sangen sie gemeinsam. Und am Ende des Abends war jeder irgendwie beseelt.“ Geleitet hat den Chor ein sehr engagierter Kantor. „Er war mein Vorbild und hat bewirkt, dass ich selber Kirchenmusik studiert habe.“

Hobbys habe sie inzwischen keine mehr. „Sämtliche Hobbys mache ich zu meinem Beruf.“ Ihre Hochschätzung für den Chorgesang ist geblieben. „Da entsteht eine besonders schöne Gemeinschaft, zu der man auch als Chorleiter gehört.“

Intensiv widmet sich Luise Wenk auch der Theologie, um sich der Botschaft bewusst zu werden, welche die in Töne gefassten Texte transportieren. Generell könne Musik auch Menschen ansprechen, die nicht regelmäßig zu Gottesdiensten gehen oder gar keine Kirchenmitglieder seien, sagt sie. „Das erlebe ich besonders bei Kindern und Jugendlichen. Da bringen sie zum Beispiel einfach eine Klassenkameradin mit, weil Singen Spaß macht.“

Obwohl die Zahl der Kirchenglieder in Sachsen kontinuierlich sinke, bleibe die der Chöre konstant, sagt Martina Hergt, Leiterin der Arbeitsstelle Kirchenmusik. Mehr als 16.600 Sängerinnen und Sänger kommen sachsenweit in 719 Kirchenchören und Kantoreien zusammen. Über 6600 Kinder singen 519 Kurrenden. Mehr als 3200 Musiker spielen in über 400 Instrumentalkreisen.

Die Arbeitsbedingungen für Kantoren sind im Umbruch

Die Ausbildung der Kantoren an einer der kleinsten Hochschulen in Sachsen ist jedenfalls sehr intensiv. Für die 35 Studentinnen und Studenten und noch einmal so viele, die Weiterbildungskurse oder andere Ausbildungen absolvieren, gibt es elf Professoren und Dozenten und fast 50 freiberufliche Lehrbeauftragte. Das sind so viele, weil ein Großteil der Kurse als Einzelunterricht gehalten wird.

Die Hochschule für Kirchenmusik

Kirchenmusikschule: seit dem 19. Jahrhundert wurde Kantorennachwuchs in Sachsen an nichtkonfessionellen Hochschulen ausgebildet; nach 1945 verbannte die SED-Regierung das Fach Orgel.

Martin Flämig (1913-1998), damals Kantor der Versöhnungskirche in Dresden-Striesen, nahm die Studenten in seine Villa am Vogesenweg 2 auf; 1949 wurde die Landeskirchliche Musikschule gegründet; seit 1992 ist sie Hochschule für Kirchenmu­sik.

Die Arbeitsbedingungen für Kantoren sind im Umbruch. Gemeinden werden zusammengelegt. Die Kirchenmusiker agieren in größeren Territorien, vor allem auf dem Land. Dennoch muss sich Stephan Lennig, seit 2013 Rektor der Hochschule für Kirchenmusik, um Nachwuchs keine Sorgen machen. Seit einem Tief vor sieben Jahren steigt die Zahl der Kirchenmusikstudenten deutschlandweit. Dieses Jahr beginnen in Dresden 20 mit Studium oder Ausbildung. „Früher hat der Kantor vor allem selbst Musik gemacht“, sagt Lennig. „Heute in den größeren Gemeindegebieten muss er häufiger andere ausbilden.“ Dafür würden sie hier auch pädagogisch geschult.

Nachdem die Fusion von Evangelischer Hochschule Dresden (EHS) und der Evangelischen Hochschule Moritzburg beschlossen ist, rechnet Lennig mit Veränderungen auch für seine Einrichtung, die bislang fast ausschließlich von der sächsischen Landeskirche finanziert wird.

Inzwischen verhandle ergänzend dazu eine Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wie die Kosten für die Ausbildung der Kirchenmusiker solidarischer zwischen allen Landeskirchen verteilt werden können. Außerdem hatte es Gespräche mit der staatlichen Hochschule für Musik gegeben. Nachdem die mit Axel Köhler nun einen neuen Rektor hat, sollen sie mit ihm weitergeführt werden. „Die schon bestehende Zusammenarbeit wollen wir weiter ausbauen.“ Zur Vesper am 26. Oktober während der Landeskirchenmusiktage wird ein Stück davon zu hören sein – auch mit der Stimme von Luise Wenk.

Von Tomas Gärtner

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