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Lokales Letzte Ehre für Kurt Biedenkopf: So war der Trauerstaatsakt in Dresden
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Kurt Biedenkopf: Trauerstaatsakt in Dresdner Frauenkirche

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14:24 03.09.2021
Drei Wochen nach dem Tod von Kurt Biedenkopf nimmt Sachsen offiziell Abschied von seinem ersten Ministerpräsidenten nach der Wiedergründung des Freistaates 1990.
Drei Wochen nach dem Tod von Kurt Biedenkopf nimmt Sachsen offiziell Abschied von seinem ersten Ministerpräsidenten nach der Wiedergründung des Freistaates 1990. Quelle: Sebastian Kahnert
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Dresden

Glockenläuten zur letzten Ehre für Kurt Biedenkopf: In der Dresdner Frauenkirche haben am Freitag rund 300 geladene Gäste Abschied von dem ersten sächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Politiker genommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Politiker als Ideengeber und intellektuellen Vordenker. „Mit Kurt Biedenkopf verabschieden wir heute einen der anregendsten, im besten Sinn einflussreichsten und originellsten Politiker, die unsere Republik gekannt hat.“

Er war Sachsens erster Ministerpräsident nach 1990. Kurt Biedenkopf, Rechtsprofessor aus dem Westen, schätzte das Potenzial des Landes und der Menschen - und wird trotz Kritik am Ende seiner Amtszeit noch immer verehrt.

Zu dem Trauerstaatsakt kamen auch Unionskanzlerkandidat Armin Laschet sowie die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU). Unter den Trauergästen waren neben führenden Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Wirtschaft und Kultur auch Familie, Weggefährten und Freunde. Auch Biedenkopfs Witwe Ingrid hatte in der ersten Reihe Platz genommen.

„Unser Land hat einen besonderen Menschen und großen Staatsmann verloren“, sagte Laschet in seiner Ansprache. Er würdigte Biedenkopfs Verdienste für die CDU, aber auch für Sachsen - etwa den Aufbau als Halbleiterstandort Mitte der 1990er Jahre. „Er war ein Visionär, aber kein Fantast“, so Laschet. Sachsens Regierungschef Kretschmer gedachte Biedenkopf als Menschen, dem „wir in Sachsen und Deutschland viel zu verdanken haben.“ Ihm sei es gelungen nach 1990 in Sachsen „für Demokratie zu lehren, ohne selbst belehrend zu sein.“

Der Rechtsprofessor Kurt Biedenkopf stammte aus Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz). 1973 wurde er Generalsekretär der CDU, avancierte dann aber zum Rivalen des damaligen Vorsitzenden Helmut Kohl. Nach dem Ende der DDR bewarb sich der Jurist um das Amt des Ministerpräsidenten in Sachsen. Die CDU regierte mit „König Kurt“ bis 2002 mit absoluter Mehrheit.

Kurt Biedenkopfs Grab auf dem Johannisfriedhof in Tolkewitz. Quelle: DNN-Leserfoto

In Sachsen sei Biedenkopf mit seinen Fähigkeiten „der richtige Mann zur richtigen Zeit“ gewesen, betonte Bundespräsident Steinmeier. Der Bundespräsident hatte seine am Donnerstag begonnene Reise in die Slowakei verkürzt, um bei der Trauerfeier dabei sein zu können.

Trotz nicht ganz freiwilligem Rückzug vom Amt blieb der einstige „West-Import“ Biedenkopf seiner Wahlheimat und der Politik verbunden, arbeitete wieder als Rechtsanwalt in Dresden und publizierte. Er war von 1990 bis 2002 Regierungschef in Sachsen. Am 12. August starb Biedenkopf mit 91 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in der Landeshauptstadt - und wurde bereits im engsten Familienkreis beigesetzt.

Von LVZ