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Lokales Dresden: Deshalb bleibt ein Großkunstwerk in Pieschen unvollendet
Dresden Lokales Dresden: Deshalb bleibt ein Großkunstwerk in Pieschen unvollendet
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11:11 14.02.2020
Das Projekt „G? Flaggschiffe“ am Pieschener Kulturzentrum „Geh8“ ist nur teilweise umgesetzt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Es ist ein Tiefschlag für das Pieschener Kulturzentrum „Geh8“: Der Stadtbezirksbeirat Pieschen hat dem Verein „Geh8 Kunstraum und Ateliers“ Fördermittel für ein Kunstprojekt verweigert – so kann man das nüchtern formulieren. Damit verbunden sind jedoch Probleme, die einmal mehr das schwierige Terrain zeigen, auf dem sich zeitgenössische Künstler in Dresden bewegen müssen.

Der Mangel: Dresden hat kaum Geld für zeitgenössische Kunst

„G? Flaggschiffe“ heißt das Werk, das der Künstler Saeed Foroghi für das Gebäude der „Geh8“, ein ehemaliges Waggonausbesserungswerk an der Gehestraße in Pieschen, entwickelt hat. Die Kunstkommission Dresden fand den Entwurf des an der Hochschule für Bildende Künste ausgebildeten Künstlers gelungen und beschloss eine Förderung. Problem: Sie kann lediglich 50 000 Euro ausgeben – im Jahr. „Mehr steht für zeitgenössische Kunst einfach nicht zur Verfügung“, bedauert die Grünen-Stadträtin Kati Bischoffberger. 30 000 Euro hat Saeed Foroghi für die Verwirklichung seiner Pläne bekommen – nicht genug.

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Deshalb habe es von der Kunstkommission noch die Empfehlung gegeben, sich an den Stadtbezirksbeirat zu wenden, wie Paul Elsner sagt. Er leitet die Geschicke des Vereins, der seit 13 Jahren mit viel Eigenleistung versucht, die kulturelle Szene Pieschens zu beleben. Der Stadtbezirksbeirat verfügt seit vergangenem Jahr über ein Budget von reichlich 530 000 Euro, das er für Projekte im Bezirk ausgeben kann, auch für Kunst. Mehr als ein halbes Jahr hat es gedauert, bis sich das Gremium mit dem Förderantrag beschäftigt hat. Schuld waren einige Pannen der Verwaltung, wie Stadtbezirksamtsleiter Christian Wintrich einräumen musste. 19 800 Euro wollte der „Geh8“-Verein aus dem Stadtbezirksbudget haben und hat sie nicht bekommen. Beiräte der AfD, CDU, Freien Wähler und FDP stimmten dagegen, die der Linken enthielten sich.

Die Folge: Die Kunst bleibt unvollendet

Der nach einer verunglückten Diskussion gefasste Beschluss lässt Paul Elsner einigermaßen fassungslos zurück. Denn das Kunstwerk ist teilweise schon errichtet, bleibt nun erst einmal unvollendet. So ist ein Mäuerchen hinter dem übrigens städtischen Gebäude schon errichtet, auch die acht Flaggenmasten stehen, von denen die Fahnen der G8-Staaten – allerdings in negativer Farbumkehr – wehen.

Es fehlt die Fassadenverkleidung, die der Rückseite des sanierungsbedürftigen Kulturzentrums ein herrschaftliches Gepräge geben sollte – wie es etwa das Weiße Haus in Washington hat. Und auch die Motoren für die Masten, die in bestimmten Intervallen dafür sorgen sollten, dass einige der Flaggen oben und die übrigen auf Halbmast wehen. Dazu war eine Digitalanzeige geplant, die dazu passend G5 oder G3 anzeigt – je nachdem, wie viele Fahnen gerade oben wehen. Ein spielerisches Element, das zum Nachdenken anregen soll: Wer entscheidet eigentlich, wer zur Gruppe der führenden Nationen gehört und warum?

Geh8“-Vereinschef Paul Elsner kritisiert die Ablehnung der Förderung. Quelle: Anja Schneider

Immerhin die Fassadenverkleidung könnte vielleicht noch finanziert werden, meint Paul Elsner. Mehr aber auch nicht. Er bedauert vor allem, dass die übrigen Bestandteile des Förderantrags nicht umgesetzt werden. Damit sind eine kleine Platzgestaltung mit Bänken und vor allem ein Weg gemeint, der Flaggen und „Geh8“-Gebäude von hinten erschließt. Denn dort ist in den vergangenen Jahren der Schulcampus Pieschen entstanden.

Außerdem wird dort demnächst ein neuer Geh- und Radweg gebaut, der das gesamte Areal erschließt. Man habe sich zur Grünachse und den Schulen öffnen wollen, sagt Paul Elsner. „Das geht nun nicht mehr.“ Dabei plant das Kulturzentrum gemeinsame Projekte mit Schülern, auch ein Ganztagesangebot ist vorgesehen. „Wir brauchen diese Verbindung. Es ist seltsam, dass die Stadtbezirksbeiräte das nicht auch so sehen.“ Im Verein sei man unschlüssig, ob man nach einem halben Jahr nur für die Platzgestaltung und Erschließung noch einmal einen Förderantrag stellt. Dann wäre das frühestens wieder möglich.

Fazit eins: So kann man mit Kunst nicht umgehen

Die Stadtbezirksbeiräte hatten bei der Debatte die örtliche Gestaltung außen vor gelassen und sich ganz auf die Bewertung der Kunst gestürzt. Eine Motorisierung der Flaggenmasten bräuchte es nicht, also sollte die Position schon mal gestrichen werden. Einige sprachen dem Projekt jegliche künstlerische Bedeutung ab – offenbar aus dem Bauch heraus. „Für mich ist das Grundstückseinfriedung, keine Kunst“, sagte etwa Tino Jasef (Freie Wähler) ohne jede weitere Begründung. Paul Elsner verweist auf die Einschätzung der Kunstkommission und des Kulturamts der Stadt, die den Räten eindeutig die Förderung empfohlen hatten.

„Wir fragen uns nach dem Wert solcher Stellungnahmen, wenn sie offensichtlich ignoriert werden beziehungsweise ob es in der Kompetenz des Stadtbezirksbeirats liegt, sich über die fachliche Beurteilung von dafür ausgewiesenen Experten hinweg zu setzen“, sagt er.

Dazu passt, dass die Dresdner AfD im sozialen Netzwerk Facebook nachgetreten hat, der mit den Worten „Müll ist keine Kunst“ überschrieben ist. Die dort versammelten Äußerungen der AfD-Fraktion, die eigenartiger Weise kein Wort über das geplante Kunstprojekt verliert, zeige „umso mehr deren fehlende Urteilskraft und fehlendes Niveau“, antwortet Paul Elsner darauf. Das Kernproblem bleibt: Wie soll Kunst möglich sein, wenn sie sich die Mittel bei mehreren städtischen Gremien, Akteuren und Behörden zusammensuchen muss, die sich über deren Wert uneinig sind?

Fazit zwei: Das Pieschen-Budget ist zum Ausgeben da

In der Debatte ging es vor allem ums Geld. Das ist zum Gestalten gedacht – Stadtbezirksbeiräte sollen mit kleinen und größeren Fördersummen etwas bewegen in ihren Gebieten. In manchen gelingt das ganz gut – der Stadtbezirksbeirat Neustadt hatte etwa zum Jahresende 2019 sein gesamtes Budget aufgebraucht – für Feste, Bauprojekte oder Strukturförderungen. In Pieschen blieben 217 000 Euro übrig. Dieses Geld darf nicht angespart werden, es floss zurück an den städtischen Gesamthaushalt.

Hätten sich die Räte nach langer Debatte nicht doch noch durchgerungen, dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft 120 000 Euro für Baumpflanzungen an der Klingerstraße und Kopernikusstraße zu geben, wäre es noch deutlich mehr gewesen. Es geht um Steuergeld – da ist Sparsamkeit sicher angemessen. Aber jeder Euro, den der Stadtbezirksbeirat zurückgeben muss, ist für Pieschen verloren. Und im Fall der „Geh8“ auch für die Kunst.

Von Uwe Hofmann

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