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Lokales Künstliche Intelligenz aus dem Simmel-Hochhaus
Dresden Lokales Künstliche Intelligenz aus dem Simmel-Hochhaus
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11:07 15.03.2019
Coraixx-Chef Eyk Pfeiffer hat ein Entwicklungszentrum in Dresden am Albertplatz eröffnet. Quelle: Heiko Weckbrodt
Dresden

Mit „Coraixx“ siedelt sich in Dresden eine weitere Softwareschmiede an: Das junge Finanzservice-Unternehmen aus Frankfurt am Main hat im Simmel-Hochhaus am Albertplatz ein Entwicklungszentrum für „Künstliche Intelligenz“ (KI) in der Buchhaltung eröffnet und mit fünf Millionen Euro Anschubfinanzierung ausgestattet. Die siebenköpfige Startmannschaft soll bis Ende 2020 auf rund 25 Informatiker, Mathematiker, Projektmanager und andere Spezialisten wachsen. „Und die müssen dafür sorgen, dass unsere KI keine Fehler macht“, betont Finanzchef Sven Ulbrich. „Daher brauchen wir die höchste Qualität und die besten Leute.“

Eben deshalb setzt Coraixx-Chef Eyk Pfeiffer auf die sächsische Landeshauptstadt. „Dresden hat eine sehr gute Uni“, hebt er hervor. Zudem kooperiere das Unternehmen eng mit dem Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI), das auch den KI-Kern für Coraixx geschrieben hat. „Für uns läuft es in hier sehr gut.“

Das Unternehmen selbst ist noch jung, entstand 2018 als Tochter der Frankfurter Holding „Capsensixx“. Die Muttergesellschaft verfolgt damit ein neues Geschäftsfeld. Das Konzept: Die Kundenunternehmen senden all ihre eingescannten Papierrechnungen an „Coraixx“. Der Dienstleister jagt diese noch chaotischen Belege gegen eine Gebühr durch seine KI-Software „AIccounting“. Die macht daraus maschinenlesbare Datensätze, sendet diese elektronisch an die Klienten zurück und übergibt sie aufbereitet und automatisch an die Buchhaltungssysteme und Archive des Kunden.

Das klingt für Außenstehende banal. Solche Fleißarbeiten beschäftigen derzeit aber noch Heerscharen von Buchhaltern. „Wir wollen mit unserer KI diese Routine-Prozesse deutlich beschleunigen und auch billiger machen“, sagt Pfeiffer. Um damit Geld zu verdienen, setzt auch Coraixx selbst auf ein noch junges Geschäftsmodell, das in der Branche immer mehr um sich greift: „Software as a Service“ (SaaS). Dabei generieren die Software-Firmen ständige laufende Einnahmen, indem sie ihre Lösungen als Dienstleistungen vermieten statt ihre Computerprogramme für einen einmaligen hohen Preis zu verkaufen.

Der erste Kunde sei ein deutscher Tourismuskonzern gewesen, berichtet Eyk Pfeiffer. Schon bei der Premiere hätten sich durch „AIccounting“ die Aufbereitungskosten für Rechnungen halbiert. „Unser System erspart den Buchhaltern viel Routinearbeit. Sie können sich dann ganz auf die komplizierten Spezialfälle konzentrieren.“

Und für diese Lösung sieht er noch einen Riesenmarkt: Auf die rund 32 Millionen Papierrechnungen hochgerechnet, die jährlich in der Bundesrepublik gestellt werden, ergebe sich zumindest theoretisch für deutsche Unternehmen ein Einsparpotenzial von über 200 Millionen Euro. Als Zielgruppe habe man Kunden mit mindestens 100 000 Rechnungen pro Jahr ausgemacht. Anfangs werde sich Coraixx und dessen Entwicklungszentrum ganz auf den deutschsprachigen Raum fokussieren. Später will Eyk Pfeiffer seine Rechnungs-KI auch international anbieten.

Von Heiko Weckbrodt

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