Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Kraftprobe Albertstraße: FDP zeigt sich genervt von städtischer Radlerstatistik
Dresden Lokales Kraftprobe Albertstraße: FDP zeigt sich genervt von städtischer Radlerstatistik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:46 22.01.2019
An der Albertstraße sollen Radwege auf der Fahrbahn entstehen. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Die Dresdner Verkehrsbetriebe fahren jedes Jahr neue Fahrgastrekorde ein, die Zahl der Autofahrten stagniert seit Jahren und der Radverkehr? Der hat in den letzten zehn Jahren so stark zugelegt wie keine andere Verkehrsart in Dresden. Knapp 60 Prozent mehr Radfahrten haben Zählungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2009 auf den Elbbrücken ergeben, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Hitliste führen die Albertbrücke (9478), die Marienbrücke (5558) und die Waldschlößchenbrücke (5409) an.

Auch der Fußverkehr sei auf den Brücken leicht gewachsen, während der Autoverkehr auf den Brücken stagnierte, wie Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) mitteilte. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Sie zeigt den hohen Bedarf an sicheren, komfortablen und ausreichend breiten Radverkehrsanlagen.“

Anzeige

Das ist vor der Stadtratsentscheidung zur Albertstraße, die am Donnerstag erwartet wird, eine beachtliche Aussage. Denn dort dreht sich der zu einer Kraftprobe zwischen alter und neuer Stadtratsmehrheit ausgewachsene Streit um die Frage, ob eine Autospur in Richtung Albertplatz zugunsten von Radlerspuren eingezogen wird oder nicht. Die Argumente dazu sind längst ausgetauscht, es geht um eine Sekunde Wartezeit mehr für Autos und eine Wegezeiteinsparung von etwa zweieinhalb Minuten für Radler.

Mit der Radlerstatistik liefert der Verkehrsbürgermeister nun das nächste Argument für den Ausbau: Denn neben der Flügelwegbrücke gab es in den letzten zehn Jahren den größten Zuwachs auf der Carolabrücke – die den Verkehrszug Albertstraße und St. Petersburger Straße verbindet. 4074 Radler binnen 14 Stunden wurden dort im September 2018 gezählt, reichlich 80 Prozent mehr als noch 2009. So ähnlich dürfte die Entwicklung auf der Albertstraße sein. Zum Vergleich: Dort ist der Autoverkehr seit 2005 um 40 Prozent auf derzeit rund 19 700 Autos täglich zurückgegangen.

Die von der FDP angeführten Ausbaugegner zeigen sich von dieser Statistik nicht beeindruckt. Wortführer Holger Zastrow spricht von einer „PR-Show des grünen Baubürgermeisters“. „Hier wird versucht mit geschönten Zahlen eine Stimmung gegen einen politischen Antrag zu erzeugen.“ Zastrow hält die 2018 vergleichsweise hohen Radlerzahlen – auf den Elbbrücken wurden rund 35 700 Radler gezählt – vor allem für eine Folge des langen Sommers im vergangnen Jahr. Vergleiche man die Zahlen 2014 bis 2017 ergebe sich ein anderes Bild. In diesem Zeitraum hat der Radverkehr auf der Carolabrücke um vier Prozent zugenommen. Für Zastrow ist deshalb klar: „Das Auto ist und bleibt also nachweislich das wichtigste Verkehrsmittel Dresdens.“

Schmidt-Lamontain blickt in die Zukunft und versteht Radverkehr als die am dynamischsten wachsende Verkehrsart in Dresden. Schrittweise wolle man deshalb die Radverkehrsinfrastruktur in der Stadt verbessern und Lücken im Radverkehrsnetz schließen. „Mein Ziel ist es, dass noch mehr Menschen für ihren Weg zur Arbeit oder in der Freizeit das Rad einsetzten.“

Von Uwe Hofmann