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Lokales Kostenexplosion bei Vonovia? Großvermieter bestreitet Vorwürfe
Dresden Lokales Kostenexplosion bei Vonovia? Großvermieter bestreitet Vorwürfe
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12:11 28.12.2018
Ein Plattenbau an der Hochschulstraße. Vonovia modernisiert hier 200 Wohnungen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Mieter-Initiativen aus der Pirnaischen Vorstadt und aus Löbtau haben sich in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gewandt und kritisieren aus ihrer Sicht dramatische Verschlechterungen für die Mieter des börsennotierten Konzerns Vonovia. „Einen Hauptgrund für den anhaltenden Kostenanstieg für alle Beteiligten sehen wir in der insgesamt fragwürdigen Wohnungspolitik der Vonovia. Seit der Fusion der Gagfah und der Deutschen Annington stiegen und steigen ständig die Mietkosten“, heißt es in dem von Vonovia-Mieterin Gabriele Kroll im Auftrag der Initiativen unterzeichneten Schreiben.

Winterdienstkosten steigen trotz wenig Schneefall

Die Vonovia fahre eine zweigleisige Strategie und fordere meist pauschal über die Wertigkeit der Wohnlage eine höhere Mieter. Bei fast allen Mietern geschehe dies aber im Gegensatz zur Wohnlagenkarte des Dresdner Mietspiegels, heißt es in dem Schreiben. Aktuell würden die Grundmieten bei den Mietern in der Pirnaischen Vorstadt durch die Vonovia erhöht.

Das gleiche Problem verfolge die Vonovia-Mieter bei den Hauswartkosten, den Wartungskosten und den Kosten für die Pflege von Grünanlagen. Den Mietern würden Kosten für die Wartung von Rückstauklappen in Rechnung gestellt, die gar nicht vorhanden seien, führt Kroll ein Beispiel an. „In Gesprächen mit Kollegen, Bekannten, Verwandten haben wir erfahren, dass flächendeckend überzogene Betriebskosten von den Vonovia-Mietern eingezogen worden sind.“ So seien die Kosten für den Winterdienst teilweise um das Zehn- bis 20-Fache gestiegen, obwohl es kaum Frost- noch Schneetage gegeben habe.

Die Landeshauptstadt Dresden müsse durch das ausschließlich renditeorientierte Handeln der Vonovia eine Reihe von gravierenden finanziellen Einbußen hinnehmen. Der Verkauf der städtischen Wohnungsgesellschaft Woba sei ein dramatischer Fehler gewesen. „Wo sind die Arbeitsplätze der Woba geblieben“, fragen die Initiativen und weisen darauf hin, dass der Firmensitz von Vonovia in Bochum liegt und die Steuern nach Nordrhein-Westfalen fließen.

Vonovia: „Bei der Frage der Wohnlage kursiert sehr viel Halbwissen“

Eine wachsende Zahl von Mietern habe sich wegen der überhöhten Nebenkostenabrechnungen an den Mieterverein gewandt, die Klagebereitschaft der Mieter nehme zu. In solchen Fällen versuche Vonovia, den Mietern wegen „Störung des Betriebsfriedens“ die Wohnung zu kündigen. Unterlagen zu fehlerhaften Betriebskostenabrechnungen gebe das Unternehmen nicht heraus, stattdessen würden Anfragen mit vorformulierten Textbausteinen beantwortet.

Die Mieterinitiativen sehen die Stadtverwaltung und Hilbert in der Pflicht, die „monetäre Gier der Vonovia-Aktionäre im Zaum zu halten“. Es sei von entscheidender politischer Bedeutung, dass sich der Oberbürgermeister für die Belange der Bürgerinnen und Bürger einsetze, um alsbald eine Entlastung der Betroffenen zu erwirken und den sozialen Frieden in Dresden langfristig mit zu sichern.

Martina Pansa Quelle: Carola Fritzsche/Archiv

Martina Pansa, die bei der Vonovia für die 38.000 Dresdner Wohnungen zuständig ist, will die Vorwürfe nicht stehen lassen. „Bei der Frage der Wohnlage kursiert sehr viel Halbwissen“, erklärte sie gegenüber DNN. Vonovia fordere seit längerer Zeit, dass die Landeshauptstadt die Wohnlagen-Karte elektronisch hinterlegt, damit sich die Mieter unkompliziert informieren können. Das sei ab 2019 möglich. In der Pirnaischen Vorstadt erhöhe Vonovia die Mieten im Schnitt um 23 Euro pro Monat. Die Mieter würden dann eine Durchschnittsmiete von 5,95 Euro pro Quadratmeter zahlen. „Wir reden von einer innenstadtnahen Wohnlage mit sehr guten Versorgungsangeboten“, so Pansa.

Wenn es bei den Betriebskostenabrechnungen zu Fehler gekommen sei, würden diese korrigiert, verspricht die Vonovia-Managerin. Allerdings gehe dies nicht sofort. „Bei uns beginnt der Abrechnungszeitraum am 30. September. Unsere Kapazitäten sind im Moment mit der aktuellen Abrechnung ausgelastet“, bittet sie die Mieter um Verständnis. Jeder Einspruch werde mit den Einzelkostennachweisen für das betreffende Grundstück geprüft. „Das lässt sich aber bei 38.000 Wohnungen nicht immer so schnell machen, wie es sich die Mieter wünschen“, erklärte Pansa.

944 Beschäftigte und 72 Auszubildende in Dresden

Beim Winterdienst habe Vonovia von pauschalen auf leistungsbezogene Verträge umgestellt. Die Protokolle der Unternehmen würden vorliegen. Es handele sich um externe Dienstleister, die anhand der Wetterprognosen in Aktion treten würden. „Da können wir alles offenlegen“, so Pansa, die auch bekräftigt: „Nach dem Hochwasser 2002 wurden für betroffene Wohnhäuser Rückstauklappen installiert, damit kein Abwasser aus den Kanälen in die Keller laufen kann.“

Die Managerin sagte, Vonovia würde Hausmeisterkosten von 13 bis 14 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche umlegen. Der Betriebskostenspiegel für Dresden weise durchschnittliche Kosten von 24 Cent auf. Absurd sei die Behauptung, Vonovia wolle „widerspenstigen Mietern“ mit der Begründung „Störung des Betriebsfriedens“ die Wohnung kündigen. „Diesen Kündigungsgrund gibt es gar nicht“, so Pansa.

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Es sei richtig, dass Steuern nach Nordrhein-Westfalen fließen, erklärte die Managerin. „Richtig ist aber auch, dass Vonovia in Dresden 944 Beschäftigte und 72 Auszubildende hat.“ Aktuell suche das Unternehmen weitere Mitarbeiter. Vonovia habe 2017 in den Dresdner Wohnungsbestand 50 Millionen Euro für Sanierungen und 50 Millionen Euro für Instandhaltungen investiert.

Vonovia stelle sich als Großvermieter, dem 14 Prozent des Wohnungsbestandes in Dresden gehören, seiner sozialen Verantwortung. „Das geht auch gar nicht anders. Die beim Woba-Verkauf ausgehandelte Sozialcharta gilt bis 2021. Und wir halten uns selbstverständlich an die Vereinbarung“, so Pansa.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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