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Lokales „Kommunikation ist das Allerwichtigste“ – der neue Rektor der Musikhochschule im Interview
Dresden Lokales „Kommunikation ist das Allerwichtigste“ – der neue Rektor der Musikhochschule im Interview
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09:49 30.08.2019
Der neue Rektor der Musikhochschule Dresden: Axel Köhler. Quelle: Lutz Edelhoff
Dresden

Am 2. September tritt Axel Köhler sein Amt als Rektor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden an. Nach reichlich einjähriger Interimsleitung folgt er damit der im März 2018 vom Rektorenamt zurückgetretenen Judith Schinker. Die feierliche Investitur findet öffentlich am 10. Oktober, 15 Uhr, im Konzertsaal der Musikhochschule statt.

Bislang kennt man Axel Köhler als gefeierten Counter-Tenor, als impulsiven Sänger-Darsteller sowie als Intendant und Regisseur. Michael Ernst sprach mit dem Künstler über den neuerlichen Rollenwechsel.

Was hat Sie bewogen, von der Bühne zur Hochschule wechseln?

Axel Köhler: Ich habe 1984 in Halle mit „Ein Glas Wasser“ als Arthur Masham begonnen, habe jetzt also mein 35. Bühnenjubiläum. Außerdem habe ich etwa 50 Inszenierungen verantwortet, daher denke ich, nun ist ein guter Zeitpunkt erreicht, noch einmal etwas ganz Neues zu machen. All meine Erfahrungen – auch die als Intendant – sollte ich ganz gut bündeln können, um sie jetzt als Rektor eines solchen Institutes dem Nachwuchs und der Förderung desselben anheimzustellen.

Führung für Individualisten, Künstler, Pädagogen, Wissenschaftler und Forscher

Haben Sie keine Sorge, von der lebendigen Kunst in die administrative Verwaltung zu geraten?

Nein, weil mir administrative Beschäftigung auch großen Spaß macht, da gibt es sehr viel zu gestalten. Gerade an der Hochschule ist es wichtig, dass man richtunggebend arbeitet und sie so prägt, dass sie eine optimale Wirkung entfalten kann.

Führungsqualitäten mussten Sie schon als Intendant in Halle zeigen. Eine Voraussetzung für das künftige Amt?

Ich glaube, das ist sehr wichtig, weil die Sehnsucht danach, geführt zu werden, natürlich vorhanden ist. Gerade bei einem so heterogenen Personenpool von Individualisten, Künstlern, Pädagogen, Wissenschaftlern und Forschern muss jemand da sein, von dem man eine relativ klare Struktur erwarten und an den man sich wenden, nach dem man sich richten kann. Wenn es das nicht gibt, entsteht ganz schnell Wildwuchs, und jeder denkt, er muss sich einbringen – das führt aber meist zu einem Durcheinander.

Wie wichtig sind Ihre vielseitigen Erfahrungen als Sänger und Regisseur?

Diese Erfahrungen sind Gold wert, denn ich kann mich dadurch hineinversetzen in die Lage all derjenigen, denen ich etwas anweisen muss. Ich glaube, dass ich emphatisch genug bin, um zu wissen, wie es denen geht, die eine Entscheidung zu befolgen haben, die sie vielleicht so nicht getroffen hätten, im Sinne des Ganzen aber mitzutragen ist.

An der Schule ist das etwas anders, dort haben Entscheidungen einen längeren Weg, es gibt für den Rektor auch nicht die Entscheidungsgewalt über alles. Hier sind Gremien wie Senat, Erweiterter Senat, Fakultätsrat, verschiedene Berufungskommissionen und, und, und dafür zuständig.

„Man muss sprechen, man muss zuhören.“

Die Verantwortungen ruhen auf mehreren Schultern und werden neben den gesetzlichen Vorgaben vor allem durch gute Kommunikation definiert. Ich möchte als Rektor wissen, was macht der Dekan, was macht der Fachdekan, der Fakultätsratsvorsitzende, der Prorektor und so weiter. Deshalb halte ich Kommunikation für das Allerwichtigste. Man muss sprechen, man muss zuhören. Das habe ich vor.

Wie können die Studenten von Ihren künstlerischen Berufswegen profitieren?

Der Rektor hat trotz aller Richtlinienkompetenz keinen direkten Zugriff auf die Lehre. Dennoch möchte ich meine diesbezüglichen Erfahrungen einbringen. Das geht natürlich nur gemeinsam mit den Leitern der entsprechenden Fachrichtungen. Ganz sicher hilft mir meine Berufserfahrung, die Probleme an der Hochschule zu verstehen und hoffentlich auch zu lösen. Als Sänger und Intendant habe ich ja mit all dem zu tun gehabt, was auf die Studierenden einmal zukommen wird.

Was sind Ihre persönlichen Prioritäten für die künftige Tätigkeit?

Ich habe die Aufgabe, mit allen an der Hochschule Tätigen so zusammenzuarbeiten, dass die von mir als Rektor entwickelten Ziele für die Hochschule auch erreicht werden. Es gibt ganz konkret eine große Herausforderung für die Schule: der in den nächsten drei Jahren bevorstehende Demografiewandel.

Etwa ein Drittel der hauptamtlich Lehrenden wird in den Ruhestand treten. Da dies nahezu sämtliche Fachgebiete betrifft, es also eine Menge Neuberufungen geben wird, steht uns ein spannender Prozess bevor, der auch eine große Chance birgt. Denn genau in dieser Zeit kann versucht werden, zielgerichtet nicht nur das rein Fachliche in der Berufung zu finden, sondern auch das Profilgebende, das Internationale.

Die künftige Wirkungsstätte Axel Köhlers

Die Dresdner Musikhochschule, links das Gebäude, in dem der neue Konzertsaal, Probebühne und die Bibliothek zu finden sind. Quelle: Marius Leicht

Wie sehen Sie die Dresdner Musikhochschule derzeit aufgestellt?

Unsere Hochschule orientiert sich auf allen Gebieten der Lehre und Forschung an den Exzellenzkriterien. Aber einige Bereiche sind noch in etwa so aufgestellt, wie es nach der Wende begonnen hat. Neben der weiteren Profilierung der Künstlerischen Lehre, der Wissenschaft und der Forschung ist die Lehramtsausbildung ganz wichtig. Man hatte in jüngster Zeit versäumt, genügend Lehrkräfte für Grundschulen und Gymnasien auszubilden, dies ist bedeutsam für unsere Hochschule, ebenso die Gesangs- und Instrumentalpädagogik. Die Musikschulen müssen Nachwuchs bekommen, damit regionale Talente besser gedeihen können – gleichzeitig muss die Hochschule auch im internationalen Kanon der Ausbildungsinstitute wieder mehr zu sagen haben.

Sehen Sie Ihren künftigen Posten durch Ihre Vorgängerin Judith Schinker beschädigt, die 2018 nach einer erfolglosen Bewerbung als Dezernentin in Trier zurückgetreten ist?

Ich möchte mir nicht anmaßen, von einer Beschädigung des Amtes zu sprechen. Solche Interna haben natürlich Auswirkungen auf die Atmosphäre, nicht aber auf die Qualität der Lehre und des Studiums. Meine Aufgabe ist es, dem Rektorenamt das Ansehen zu verleihen, das es verdient. Das kann man nur durch Arbeit machen.

Die von Ihnen erwähnte Bewerbung ist ein Vorgang, den ich absolut nicht verstehe. Wenn ich mich auf solch eine Rektorenstelle bewerbe, habe ich da zu sein und kann nicht nach eineinhalb Jahren wieder verschwinden wollen. Das hat allerdings mit meiner eigenen Haltung zu tun: Ich habe nie ein einmal angenommenes Projekt wegen eines besseren Angebots wieder abgegeben. Das macht man nicht.

„Mir fällt das Aufhören definitiv nicht schwer“

Was meinen Sie, wie sieht das Haus in zwei, drei Jahren aus?

Die Hochschule wird international an Profil gewonnen haben, sie wird sich intern verändert haben, einen Prozess der Digitalisierung erleben, weiter und tiefer in der regionalen Nachwuchsförderung vernetzt sein, noch enger mit dem Landesgymnasium, dem Heinrich-Schütz-Konservatorium und allen anderen Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Ich möchte den Kooperationswillen der umliegenden Institute weiter vertiefen, neben Staatskapelle und Philharmonie auch mit der Staatsoperette und anderen. Ich hoffe, dass die Hochschule innerlich geeint ist und nach außen glanzvoll dasteht, um wieder mehr regionalen Nachwuchs zu generieren und trotzdem internationales Flair zu verbreiten.

Zuletzt ganz persönlich: Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen was fehlen wird?

Das bin ich schon mehrfach gefragt worden. Als ich 2012 als Countertenor aufgehört habe, hat es mir nicht eine Sekunde gefehlt, weil ich so viele andere Dinge zu tun hatte, die zukunftsträchtig waren – inszenieren, die Intendanz in Halle; als ich damit aufgehört habe, fehlte mir auch nichts, denn es ging an die Staatsoperette Dresden mit vielen neuen Aufgaben. Jetzt freue ich mich so sehr auf dieses neue Amt, um mit den Menschen zu arbeiten, zu kommunizieren und zu gestalten, dass ich mir sicher bin, dass mir nichts fehlen wird.

Regie will ich in Zukunft nicht mehr führen, sonst wäre ich sechs Wochen weg vom Haus, und das ist genau das, was die Hochschule überhaupt nicht gebrauchen kann. Meine letzte Inszenierung war die Uraufführung „Der Name der Rose“ zum Domstufen-Festival Erfurt, übrigens mein erstes Musical. Mir fällt das Aufhören definitiv nicht schwer, ich freue mich wahnsinnig auf den Anfang.

Von Michael Ernst

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