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Dresden Lokales Das Blaue Wunder muss auf frische Farbe warten
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11:54 13.11.2018
Erst ab 2020 soll das Blaue Wunder einen neuen Anstrich erhalten. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Das Blaue Wunder erhält ab 2019 doch keinen neuen Anstrich. Das teilte Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz auf DNN-Anfrage mit. Für Autofahrer bedeutet das: Die eigentlich beabsichtigte Wegnahme einer Fahrspur auf der Loschwitzer Brücke entfällt fürs Erste. Gebaut wird 2019 dennoch. Und auch auf dem Körnerweg, auf dem Radler seit Mitte Oktober auf 150 Metern über neues Sandsteinpflaster rollen können, tut sich im nächsten Jahr Überraschendes.

Was hat die Stadt mit dem Blauen Wunder vor?

Die über Jahre angelegte Sanierung soll weitergehen. 45 Millionen kostet das Gesamtvorhaben, das in diesem Jahr aus unrühmlichem Grund pausieren musste: Die Stadt hatte Ende 2017 Stahlbauarbeiten ausgeschrieben, aber nur derart teure Angebote erhalten, dass sie von einer Vergabe absah. War im Frühjahr noch die Rede davon, dass Reparaturen am Stahlgeflecht sowie die Erneuerung des Rostschutzes – bei dem das Blauen Wunder einen neuen blauen Anstrich erhalten soll – für 2019 gemeinsam ausgeschrieben werden sollen, hat man sich nun offenbar von diesem Plan verabschiedet. Seit Mitte Oktober läuft die Ausschreibung für die Instandsetzung der Gehbahn auf der in Richtung Stadtzentrum gelegenen Brückenseite. Hat die Stadt dabei Erfolg, wird die Gehbahn im Jahresverlauf saniert, so wie das auf der gegenüberliegenden Seite 2017 geschehen ist.

2019 will die Stadt die in Richtung Stadtzentrum gelegene Gehbahn sanieren. Quelle: Dietrich Flechtner

Was bedeutet das?

Autofahrer können aufatmen. Die Arbeiten am Brückenstahl und dem Rostschutz machen ein aufwendiges Gerüst nötig, das laut Koettnitz „Verkehrseinschränkung auf zwei Fahrspuren im Arbeitsbereich“ nötig macht. Gemeint ist damit wohl, das die beiden Fahrspuren am Rand eingeengt und der Verkehrsraum neu aufgeteilt wird, so dass je eine Fahrspur pro Fahrtrichtung übrig bleibt – das war zumindest bisher so beabsichtigt. Die dritte Spur entfällt.

Wann kommt der Korrosionsschutz?

Das ist nun ab 2020 geplant. Da diese Arbeiten sehr aufwendig sind, weil zunächst alte Farbschichten abgetragen, das Stahlfachwerk repariert und dann die neue Schutzschicht aufgetragen werden muss, wird die dritte Fahrspur über Jahre fehlen. Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) spricht in diesem Zusammenhang von einem unfreiwilligen Verkehrsversuch. Sein Geschäftsbereich trägt sich mit dem Gedanken, die dritte Fahrspur dauerhaft Radwegen auf der Fahrbahn zu opfern. Radler haben bisher auf der Brücke ein schlechtes Auskommen, weil sie auf der engen Fahrbahn gefährlich leben, auf den Gehbahnen jedoch nicht fahren dürfen. Grüne und Fahrradclub ADFC arbeiten sich deshalb seit einiger Zeit mit diversen Vorschlägen am Blauen Wunder ab So ist zum Beispiel von Pförtnerampeln und Tempolimits die Rede.

Auf 150 Metern hat die Stadt in diesem Jahr den Körnerweg instand gesetzt. Der Rest soll 2019 eine Asphaltdecke erhalten – provisorisch. Quelle: Dietrich Flechtner

Was hat das mit dem Körnerweg zu tun?

Der denkmalgeschützte Abschnitt des Elberadwegs ist ein Kapitel für sich. Seit Jahren versucht die Stadt, die unter Radlern gefürchtete Holperstrecke in einen akzeptablen Zustand zu versetzen. Versuche mit zu glatten und dann zu rauem Sandstein führten zu Kritik, in diesem Jahr wurden nach mehreren Verschiebungen wegen Lieferschwierigkeiten 150 Meter mit gekröneltem Sandstein, also aufgerautem Naturmaterial, instand gesetzt. Kosten: 430 000 Euro, davon allein 270 000 Euro für das Material. Das wollte Amtsleiter Koettnitz eigentlich noch in der am Fortgang sehr interessierten Öffentlichkeit zur Debatte stellen, in seinem Amt hat man nun aber offenbar entschieden, mit der Sonderanfertigung auf den verbleibenden 600 Metern Körnerweg weiter zu machen. Das allerdings frühestens ab dem Frühjahr 2020, weil zuvor noch „aufwändige Vorarbeiten“ zu erledigen seien. Worum es sich dabei handelt? Das verrät Koettnitz auf Nachfrage nicht wirklich und ringt sich nur diesen Satz ab: „Es geht zum Beispiel um Versorgungsleitungen.“ Ob damit Planung, Verlegung oder Neubau gemeint ist, bleibt vorerst Amtsgeheimnis. Den Zusammenhang zwischen Körnerweg und Blauem Wunder stellt nun vor allem die Radlerfraktion um den ADFC her, dessen Zusammenarbeit mit den Dresdner Grünen sich inzwischen zu einer Art Allianz ausgewachsen hat. Sie fordert: Der Körnerweg muss fertig sein, wenn die Fahrbahn des Blauen Wunders saniert wird. Dem hat Verkehrsbürgermeister Schmidt-Lamontain bei einem Diskussionsabend über das Radverkehrskonzept in einer Straßenbahn zugestimmt.

Wie löst man das Brücken-Weg-Dilemma?

2020 sollen also sowohl Körnerweg als auch Brücke gebaut werden – aus Sicht der Radler ein Unding. Amtsleiter Koettnitz zeigt sich hart: „Die Arbeiten am Blauen Wunder haben absolute Priorität, da von ihnen der Erhalt der historischen Bausubstanz abhängt. Eine Verschiebung ist nicht möglich“, teilt er mit. In gewisser Weise hält Schmidt-Lamontain dennoch sein Wort, weil auf dem Körnerweg etwas geschieht, was jahrelang unmöglich schien: Das verbliebene Stück Holperstrecke soll ab 2019 durch eine provisorische Asphaltbahn in einen nutzbaren Zustand gebracht werden. Die Asphaltdecke wird dann mit den Fortschreitenden Arbeiten Stück für Stück wieder abgetragen, was eine kleine Umleitung nötig macht, die jedoch laut Amtsleiter Koettnitz jederzeit gewährleistet wird. Radler sollen so einigermaßen bequem zur nächsten Elbquerung Waldschlößchenbrücke gelangen, während es auf dem Blauen Wunder eng zugeht.

Was kostet das Provisorium?

Dazu gibt es keine Angabe. Wie auch für die übrigen Baukosten auf dem Körnerweg eine aktuelle Kostenschätzung fehlt. Legt man die Kosten für den bisherigen Abschnitt zugrunde, dürften etwa 1,9 Millionen Euro für den verbliebenen Abschnitt zusammenkommen, rechnet Koettnitz vor. Es dürften mehr werden, zumal auch eine Stützmauer auf 80 Metern saniert werden muss. Da – wie in dem schon instandgesetzten Abschnitt auf dem Körnerweg – auch ins schwierige Terrain eingegriffen wird, dauern die Arbeiten wenigstens bis zum Frühjahr 2022.

Von Uwe Hofmann

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