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Lokales Katastrophenschutz geht klimafreundlich, sagt ein Dresdner – und hat sich was einfallen lassen
Dresden Lokales Katastrophenschutz geht klimafreundlich, sagt ein Dresdner – und hat sich was einfallen lassen
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11:09 08.06.2019
Der Holzfachmann Sven Grasselt-Gille liegt in dem ökologischen Feldbett schon einmal zur Probe. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Berichte von humanitären Katastrophen auf der ganzen Welt erreichen auch die Menschen in Dresden nahezu jeden Tag. Das Nothilfebüro der Vereinten Nationen (OCHA) schätzte in einem Bericht vom vergangenen Dezember die Zahl der weltweiten Katastrophenopfer 2018 auf über 130 Millionen. Dabei fehlt oft nicht nur Geld, sondern auch Ausrüstung und Logistik.

Dieses Problem sieht auch Sven Grasselt-Gille (31), studierter Maschinenbau-Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Holztechnik der Technischen Universität Dresden. Für ihn sind besonders die Betten in den Notunterkünften von Bedeutung. „Feldbetten gehören zu den Grundbedürfnissen. Die Menschen müssen sich ausruhen und das können sie nicht auf dem Boden.“

Feldbetten aus Wellpappe

Derzeit würden aber vor allem Feldbetten aus chinesischer Produktion verwendet, die zwar günstig, jedoch auch mit verschiedenen Problemen behaftet seien. Die Betten aus Aluminium belasteten durch ihre Herstellung, zumeist sehr weite Transportwege und die mangelnde Verwertung nach ihrem Einsatz massiv die Umwelt, erklärt Grasselt-Gille. Nichtsdestotrotz sei man in Organisationen zur humanitären Hilfe, beispielsweise aus Gründen der Hygiene, auf diese Einwegbetten angewiesen.

Angeregt durch die Ebola-Epidemie 2015 entschied der Experte, an einer umweltverträglicheren Alternative zu forschen. So arbeitet er seit etwa vier Jahren an einem entsprechenden Projekt: Unter dem Na­men „AidBoards“ entwickelt er gemeinsam mit seinem Team nachhaltige Feldbetten aus Wellpappe.

Vorgaben sind nicht ohne

Dieser alltägliche Wertstoff biete viele Vorteile: Er sei günstig, unkompliziert zu recyceln und zu einhundert Prozent biologischen Ursprungs, erzählt Grasselt-Gille. Der Klebstoff für die Pappe würde eigens auf Stärkebasis hergestellt. Nach geleisteter Arbeit könne man das Feldbett ohne Bedenken verbrennen, denn dabei würde lediglich der Kohlenstoffdioxid frei, den die Pappe vorher selbst gebunden hat.

Die Vorgaben an das Feldbett sind nicht ohne. Es muss sowohl von oben als auch von unten vor Nässe geschützt sein, eine Tragkraft von 150 Kilogramm mitbringen und überdies möglichst wenig Platz beim Transport einnehmen. Grasselt-Gille und sein Team haben es geschafft, diese Herausforderungen zu meistern. Um der Nässe an den Füßen des Bettes zu trotzen, werden diese mit einer Schicht aus Naturkautschuk überzogen.

Extrem belastbar und nahezu unbegrenzt haltbar

Der Nässeschutz für das Pappgestell von oben wird mit einem Jutebezug realisiert. Dieser, erklärt Grasselt-Gille, löse nicht nur das Nässeproblem, sondern sei auch extrem belastbar und nahezu unbegrenzt haltbar. Der Transport ist ebenso unproblematisch: Das Pappbett passt im gefalteten Zustand nämlich genau auf eine Palette und kann daher optimal gestapelt werden.

Damit will sich Grasselt-Gille jedoch nicht zufriedengeben. Schon in diesem Oktober will der Diplomingenieur ein Start-up-Unternehmen gründen, um die Produktion seines Projektes voranzutreiben. Grund genug gibt es allemal. Man sei eifrig dabei, Kontakte mit verschiedenen Akteuren des Katastrophenschutzes, unter anderem dem Technischen Hilfswerk, zu knüpfen.

Andere Pappprodukte in der Pipeline

Die Masse der Gespräche werde jedoch mit dem Roten Kreuz geführt, erklärt Grasselt-Gille. Die ei­gentliche Produktion soll dann ein in Thüringen ansässiger Verpackungshersteller übernehmen. Der Vertrieb und die Weiterentwicklung des Projekts werden aber weiterhin in Dresden stattfinden.

Neben dem Feldbett schweben Grasselt-Gille noch andere Pappprodukte vor. So zum Beispiel Hocker und Toiletten für Festivals, diese hätten ähnliche Grundvoraussetzungen zu erfüllen. Die Öffentlichkeit kann das nachhaltige Feldbett übrigens erstmals am 14. Juni im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften bestaunen.

Von Carl Gruner

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