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Lokales Kampf um ein km/h: Puhdy Dieter Birr kann Dresdner Richter nicht umstimmen
Dresden Lokales Kampf um ein km/h: Puhdy Dieter Birr kann Dresdner Richter nicht umstimmen
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17:53 10.02.2018
Rocker Dieter „Maschine" Birr  von den Puhdys
Rocker Dieter „Maschine" Birr von den Puhdys   Quelle: Foto: Andreas Doering
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Dresden

 Da hatte Dieter „Maschine“ Birr wohl etwas zu viel Dampf auf der Maschine: Am 5. Februar 2017 war der Leadsänger der Puhdys mit 81 Kilometern pro Stunde in den stationären Blitzer auf der Radeburger Straße gerast – erlaubt waren 60. Ihm flatterte ein Bußgeldbescheid über 130 Euro ins Haus. Normal sind da 70 Euro, da der 73-Jährige aber – wenn auch nicht in Dresden – Wiederholungstäter war, verhängte die Stadt ein höheres Bußgeld. Dazu gab es noch einen Punkt in Flensburg. Das Geld war der ostdeutschen Rocklegende wohl egal – der Punkt und die Konsequenzen aber nicht. Also legte Dieter Birr Widerspruch ein.

Der Teufel steckt hier wirklich im Detail, sprich in einem einzigen km/h. Bis 20 km/h zuviel gibt es eine Verwarnung ohne Punkt – ab 21 kostet es Geld und bringt einen Punkt. Weil er bereits zweimal erwischt worden war, droht zeitnah ein „Punkteabbauseminar“, beim nächsten Verstoß ein Fahrverbot. Das will der viel beschäftigte Musiker umgehen.

Sein Anwalt Frank Hannig machte am Freitag vor dem Dresdner Amtsgericht ohne Umschweife klar, worum es ihm ging – Verwarngeld statt Ordnungsgeld. „Mein Mandant ist Vielfahrer, da tut jeder Punkt weh.“ Vielleicht war die Messstation nicht in Ordnung, argumentierte er, oder möglicherweise ist auch jemand anderes gefahren, der Sohn von „Maschine“ wäre seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Keine Chance: die Anlage funktionierte perfekt, das ergab ein Gutachten, und Richter Ulrich Stein erkannte trotz „Wischiwaschi-Foto“ den Rocker ganz genau.

Für einen Mann, der jährlich weit mehr als 100 000 Kilometer fährt, ist Dieter Birr mit drei Geschwindigkeitsverstößen in vier Jahren nun wirklich kein notorischer Raser, aber Ausnahmen sind nun mal nicht möglich. „Geschwindigkeitsüberschreitungen sind ein Massendelikt. Wenn ich einmal nachgebe, dann kommt der nächste und sagt, bei dem ging’s doch auch“, erklärte der Richter.

Da die anderen beiden rasanten Fahrten schon einige Jahre zurückliegen, zeigte sich Stein entgegenkommend und reduzierte das Bußgeld auf 100 Euro – der Punkt bleibt.

Das hatte sich Dieter Birr sicher anders vorgestellt. Gut, er hat 50 Euro gutgemacht, zahlt aber Prozesskosten und den Gutachter, und sein Problem ist nicht gelöst. Mit dem „Gewinn“ gab „Maschine“ seinem Anwalt in der Gerichtskantine einen aus.

Von Monika Löffler