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Lokales Jugendzahnpflege: „Zuckerfreie Ernährung wäre utopisch“
Dresden Lokales Jugendzahnpflege: „Zuckerfreie Ernährung wäre utopisch“
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09:48 09.03.2018
Ursula Schütte (l., Leiterin der Kinder- und Jugendzahnklinik) und Birte Bittner (r., Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen) mit Kroko und einer Riesenzahnbürste. Quelle: Foto: Junes Semmoudi
Dresden

Kroko fletscht seine strahlend weißen Zähne. Ursula Schütte fährt mit der Zahnbürste über die blitzende Kauleiste des Plüschkrokodils. „Für die Kleinen aus der Kita sind wir keine Bezugspersonen“, erzählt die Leiterin der Dresdner Kinder- und Jugendzahnklinik. „So ist Kroko bei den Prophylaxe-Terminen immer mit dabei, um das Vertrauen der Kinder aufzubauen – denn Stofftiere sind ihre ständigen Begleiter.“

Kein Kuschelkurs

Die Gruppenprophylaxen werden von der Sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (LAGZ) koordiniert. Insgesamt 340.000 Kinder aus 3500 sächsischen Einrichtungen sind in das reichweitenstärkste Präventionsprogramm des Freistaates integriert. In Dresden beteiligen sich 24 niedergelassene Zahnärzte sowie 17 Mitarbeiter der Kinder- und Jugendzahnklinik an der Aufklärungsarbeit. Sie gastieren in Schulklassen und Kitagruppen, um die Kinder für Themen wie Mundhygiene und ausgewogene Ernährung zu sensibilisieren. In der Regel statten die Experten den Dresdner Einrichtungen zweimal im Schuljahr einen Besuch ab.

Trotz Kuscheltieren im Gepäck fahren die Mitarbeiter keineswegs einen Kuschelkurs: „Frühkindliche Karies ist ein ernsthaftes Problem. Sie resultiert aus einer Kombination von mangelnder Mundhygiene und ungesunder Ernährungsweise. Immerhin zehn Prozent der null- bis dreijährigen Kinder haben Karies. Weil sie sich oftmals auf der Rückseite der Schneidezähne bildet, ist die Karies schwer zu erkennen“, weiß Birte Bittner. Als Geschäftsführerin der LAGZ obliegt ihr die Koordination des Präventionsangebotes.

Zähneputzen nach jeder Mahlzeit

In den 20- bis 45-minütigen Einheiten erarbeiten die Kinder gemeinsam mit den Experten den Aufbau des Zahns, den Wechsel vom Milchzahn zum bleibenden Gebiss und die Entstehung von Karies. „Ziel unserer Arbeit mit den Kindern ist, das Thema Mundgesundheit positiv zu besetzen. Es gibt nur ein kurzes Zeitfenster zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr, um den Kleinen die Wichtigkeit des Zähneputzens begreifbar zu machen und ihnen die Mundreinigung auch als eine Selbstverständlichkeit anzueignen“, erklärt Schütte.

Kinder sollten nicht mehr darüber nachdenken, sondern routinemäßig nach jeder Mahlzeit putzen. „Wir postulieren keine zuckerfreie Ernährung. Das wäre ja utopisch. Die Kinder können auch mal Kuchen oder Pudding essen und gelegentlich Cola trinken“, sagt Ursula Schütte. Günstiger sei jedoch der Verzehr von Gemüse, Nüssen oder Vollkornbrot ohne süßen Aufstrich.

Die Zahnärzte machen auf versteckte Zucker aufmerksam und erklären, wie viele kristalline Würfel Bestandteil der täglichen Kindernahrung sind. Auch Eltern sollen auf die Problematik Karies hingewiesen werden: „Das ist ja oft kein böser Wille der Eltern, viele wissen nur eben nicht, was für Auswirkungen mangelnde Zahnhygiene bei Kleinkindern haben kann und welche bleibenden Schäden entstehen können“, meint Schütte.

550.000 Neugeborene mit Vorsorgepass

Denn von Karies befallene Milchzähne wirken sich oft auf das bleibende Gebiss aus, da die Milchzahnkaries den Keim des darunterliegenden Zahnes schädigen kann. Dauerhafte Karies hat außerdem einen negativen Einfluss auf das Immunsystem: Betroffene werden infektanfälliger, sind von Schmerzen geplagt und schlafen schlecht. „Zudem führt die Karies zu einer dunklen Verfärbung der Zähne und zu Mundgeruch“, fügt Schütte an. „Gerade bei Kindern kann dies zu sozialer Ausgrenzung führen.“

Lobend erwähnt Birte Bittner die Einführung des sogenannten Zahnärztlichen Vorsorgepasses. Dieser wird seit 2009 von sächsischen Hebammen und Entbindungskliniken an frisch gebackene Eltern übergeben. Insgesamt 550.000 Neugeborene haben mittlerweile einen Vorsorgepass, in dem sowohl zahnärztliche Untersuchungen als auch Gruppenprophylaxen dokumentiert werden. „Dass der Pass bei allen akzeptiert wird, ist eine Erfolgsgeschichte“, findet Bittner. „Berufsgruppen, die viel eher mit dem Kind in Berührung kommen als der Hauszahnarzt, überreichen dieses Dokument. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Kindermundgesundheit.“

Von Junes Semmoudi

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