Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Ist die umstrittene Bebauung vom Tisch? So plant Dresden am Neustädter Markt
Dresden Lokales Ist die umstrittene Bebauung vom Tisch? So plant Dresden am Neustädter Markt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:00 07.11.2019
Das Modell zeigt den siegreichen Entwurf des Berliner Architekten Bernd Albers und des Züricher Landschaftsarchitekten Günther Vogt. Die blau gefärbten Baukörper sind Objekte, die relativ unumstritten sind. Die gelb gefärbte Bebauung des Neumarkts liegt auf Eis. Quelle: Anja Schneider/Archiv
Anzeige
Dresden

Über keinen Platz wird derzeit so viel in Dresden gestritten wie den Neustädter Markt. Seit es Pläne für den Wiederaufbau des Narrenhäusels, eine Verringerung von Fahrspuren auf der Großen Meißner/Köpckestraße und eine Bebauung des Neustädter Markts gibt, reden sich die Dresdner die Köpfe heiß.

All diese Fragen und noch mehr wollte die Stadt in einem städtebaulichen Wettbewerb lösen, an dem sich 28 Büros beteiligt haben. Seit dem Frühjahr ist der Siegerentwurf bekannt, den Stadtplanungschef Stefan Szuggat als eine „relative Einheit, aber mit Differenzierung von allen Seiten“ beschreibt. Auch dieses Konzept ist umstritten. Jetzt haben Szuggat und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) vorgestellt, wie es mit dem Neustädter Markt weitergehen soll: Statt eines großen Wurfes schlagen sie eine Verwirklichung in kleineren Projekten vor, die auch nicht zeitgleich verfolgt werden. Der Stadtrat muss über diesen Plan noch entscheiden.

Anzeige
So sieht es derzeit auf dem Neustädter Markt aus

Der Neustädter Markt: Die Bebauung liegt auf Eis

Schmidt-Lamontain war von weiteren Gebäuden auf dem Neustädter Markt nie überzeugt. Daran hat auch der städtebauliche Wettbewerb nichts geändert, bei dem allerdings fünf Entwürfe in die engere Auswahl kamen, die genau das vorsehen. Inzwischen gibt es vor allem von Anwohnern viel Gegenwind. Über diese Frage sollten die Dresdner „in einigen Dekaden“ noch einmal diskutieren, meint der Baubürgermeister nun. Vor allem, weil die Voraussetzungen für die Bebauung komplett fehlen. So müssten dafür die Brunnen verrückt oder ganz entfernt werden, die aber seit Kurzem Denkmalschutz genießen.

Zum anderen können Gebäude nur entstehen, wenn der Neustädter Markt vergrößert wird. Der Platz müsste zulasten der Großen Meißner/Köpckestraße wachsen – ein heißes Eisen. Schmidt-Lamontain schlägt stattdessen eine Freiraumplanung vor, um den derzeit tristen Eindruck rings um den Goldenen Reiter aufzuhellen. Die Brunnen sollen saniert werden. Er stelle sich ein mehrstufiges Konzept vor, das in einem ersten Schritt mit der derzeitigen Platzgröße auskommt und Lösungen für eine etwaige Erweiterung vorschlägt. Eine Entscheidung gegen eine Bebauung sei damit jedoch noch nicht getroffen, sagt Schmidt-Lamontain. Die Stadtratsgrünen gehen da freilich weiter. Sie fordern einen B-Plan, der eine weitere Bebauung ausschließt.

Knapp 600 Menschen haben ihre Meinung zu den fünf Entwürfen in der engeren Auswertung abgegeben. Einsendungen kamen vor allem aus den zentrumsnahen Stadtteilen, aber auch von Interessierten aus dem Umland, und sogar Heidelberg, Innsbruck und Berlin meldeten sich. Quelle: LHDD

Das Königsufer: Hier soll es bald Baurecht geben

Am Königsufer kann dagegen wohl schon in einigen Jahren gebaut werden. Die dort vorgeschlagene Bebauung sei wenig umstritten, auch nicht bei den Grundstückseigentümern, die mit in der Wettbewerbsjury saßen, sagt Schmidt-Lamontain. Stadtplaner Szuggat will nun einen bereits 2016 für dieses Gebiet angeschobenen Bebauungsplan vorantreiben. Anfang 2020 könnte es dazu schon die erste öffentliche Information geben, sagt er. Im Grunde geht es um eine geschlossene Bebauung an der Straße und eine Freiraumgestaltung in Richtung der Elbwiesen. Über Gestaltungsfragen wird jedoch sicher noch diskutiert werden.

Der Zankapfel: Die Straßenbreite wird noch entschieden

Es gäbe derzeit viele, die die Große Meißner/Köpckestraße gern etwas schmäler sehen, sagt Schmidt-Lamontain. Das soll es vor allem vereinfachen, Touristenströme von der Augustustbrücke zum Goldenen Reiter zu lotsen. „Allerdings ist die Verkehrsbelastung relativ hoch“, sagt der Baubürgermeister. Rechnerisch sei allenfalls eine Verringerung auf überbreite Fahrspuren möglich. Der Entwurf schlägt allerdings eine Wegnahme von zwei der vier Fahrspuren vor, was auch aus Gründen des Lärm- und Klimaschutzes immer wieder mal erwogen wird.

Wer genau hinsieht erkennt: Ohne die unterliegend eingezeichnete Große Meißner/Köpckestraße in Beschlag zu nehmen, wird aus der Bebauung des Neustädter Markts nichts. Quelle: LHDD

In jedem Fall soll die Straße schmaler werden, zumal auch Stadtplaner Szuggat relativ unmissverständlich sagt: „An dieser Stelle sollten städtebauliche Fragen den Vorrang haben“, sagt er. Kurz: Städtebau vor Verkehr. Die Frage ist, wie weit das geht. Etwas Raum wird so oder so gewonnen, weil Abbiegespuren zum Beispiel auf die Augustusbrücke oder den Palaisplatz nicht mehr gebraucht oder stark verkürzt werden. Auch die Straßenbahn könnte etwas von ihrem Platz abgeben. Vielleicht bringe es auch etwas, wenn die Straßenbahngleise künftig über den Neustädter Markt verlaufen, meint Schmidt-Lamontain. Das alles müsse man untersuchen.

Das Übrige: Auch am Rand des Gebiets geht es weiter

Was leicht aus dem Blickfeld gerät: Auch für den Carolaplatz und den Vorplatz des Hotels Bellevue schlägt der Gewinnerentwurf eine Bebauung vor. Für den Carolaplatz werde die Verwaltung diesen Plan weiter untersuchen, sagt Amtschef Szuggat. Am Bellevue will die Stadt mit dem Eigentümer ins Gespräch kommen.

Von Uwe Hofmann