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Lokales Investor Saal verkauft auch Park „Der Herzogin Garten“ – für einen Euro
Dresden Lokales Investor Saal verkauft auch Park „Der Herzogin Garten“ – für einen Euro
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07:35 17.07.2019
Blick auf der Herzogin Garten aus der Luft. In der Bildmitte ist der Park zu erkennen, der für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll und den Investor Reinhard Saal inzwischen für einen Euro verkaufen will. Rot eingefärbt der Pavillon zu erkennen, der offenbar nach Ablauf des Jahres abgerissen werden muss. Quelle: Jürgen-M. Schulter
Dresden

Die Tage des gläsernen Pavillons an der Ostra-Allee am Zwinger sind gezählt. „Wenn ich nicht bald von der Stadt mal was höre, schließe ich hier die Türen zu“, sagt Unternehmer Reinhard Saal. Denn die Genehmigung für den Pavillon, den er errichtet hat, war auf fünf Jahre befristet und läuft dieses Jahr aus.

Bistro und Toiletten nutzen vor allem Bustouristen

Das ist ärgerlich. Denn Reinhard Saal hatte in dem Pavillon nicht nur ein Büro eingerichtet, um sein Großprojekt Herzogin Garten gegenüber besser betreuen zu können. Der gläserne Interimsbau beherbergt auch eine sanitäre Anlage mit vielen Toiletten, ein Bistro, das jeden Tag geöffnet hat sowie eine Lounge.

Das Bistropersonal und die Unterhaltung der sanitären Anlagen bezahlt ebenfalls der Projektentwickler. Genutzt wird das Angebot überwiegend von Touristen. Denn vor der Tür befindet sich der Reisebusparkplatz „Am Zwingerteich“.

Die Fahrgäste steigen dort aus und ein, können im Bistro gegebenenfalls etwas essen und vor allem auf die Toilette gehen. Und während sie Sehenswürdigkeiten besichtigen, haben die Busfahrer die Möglichkeit, sich in der Lounge auszuruhen. Damit wird nun also bald Schluss sein. Denn „rein rechtlich müssen wir den Pavillon dieses Jahr abreißen“, sagt Reinhard Saal.

Stadt hält Toiletten und Imbiss für „wünschenswert“

Die Stadt selbst hält es zwar „für die dort ankommenden und abfahrenden Bustouristen wünschenswert, wenn eine Lösung gefunden werden könnte, die es ermöglicht, sanitäre Einrichtungen und einen Imbiss zur Verfügung zu stellen“, antwortete schon Mitte Mai das Stadtplanungsamt auf eine Anfrage der DNN. Aber wie das gehen soll, ist offen. Denn Reinhard Saal darf auf dem Grundstück, auf dem sich jetzt der Pavillon befindet und das ihm gehört, nicht bauen.

Er wollte auf dem Eckgrundstück ein viergeschossiges Wohnhaus errichten – mit einem Café im Erdgeschoss sowie einer öffentlichen Toilettenanlage im Gebäude. Der Entwurf des Dresdner Büros WTR-Architekten sah überdies auf einem Teil des Saal’schen Grundstückes öffentlich zugängliches Grün vor. Die kleine Anlage hätte auf dem Nachbargrundstück, das zum einstigen Königlichen Marstall gehört, eine Erweiterung finden können.

Gestaltungskommission bewertete Bauvorhaben positiv

Die Idee war, mit dem neuen Eckgebäude – in Bezug zur wiedererrichteten Orangerie gegenüber – optisch eine Art Tor zu schaffen. Die Gestaltungskommission, die den Entwurf am 26. Januar 2018 diskutierte, habe das Bauvorhaben positiv bewertet, sagen Architekturbüro und Investor.

Diese Immobilien gehören Reinhard Saal – noch

Reinhard Saals Immobilien in Dresden

Die Stadt habe die Bauvoranfrage zunächst positiv beschieden, berichtet Reinhard Saal. „Dann ist der positive Bescheid aber aufgrund eines Einspruches des Landesamtes für Denkmalpflege wieder zurückgenommen worden.“ Da seien Reinhard Saal und alle am Projekt Beteiligten erst mal sprachlos gewesen.

„Denn über die Gestaltung der Bebauung hätte man selbstverständlich reden können“, sagt Saal. Dass er aber überhaupt nicht bauen darf, damit habe er nicht gerechnet. Und das nicht nur, weil das Grundstück auch vor der Zerstörung Dresdens mit einem mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus bebaut gewesen war.

Kein Hinweis, das Grundstück nicht bebaut werden darf

Denn als er 2013 das Grundstück kaufte, sei zuvor bei den zuständigen Ämtern nicht nur angefragt worden, ob das Grundstück bebaubar sei, sondern auch, ob Baulasten eingetragen sind oder sonstige Einschränkungen bestehen. „Das war alles nicht der Fall“, sagt Reinhard Saal und verweist auf entsprechende Schreiben.

So teilte am 12. Februar 2013 das Amt für Kultur und Denkmalschutz zwar mit, dass die Gebäude unter der Adresse Am Zwingerteich 2 „eingetragene Kulturdenkmale“ seien. „Es handelt sich um den ehemaligen Marstall (...). Rückwärtige Reithalle, Stalltrakt und Nordostflügel werden heute als Theaterwerkstätten genutzt (...). Das Ensemble ist geschichtlich und künstlerisch bedeutend.“ In dem Schreiben heißt es jedoch auch: „Das angefragte Flurstück 2243a ist unbebaut (...) und daher nicht in der Liste der Kulturdenkmale erhalten.“

Zudem gab das Bauaufsichtsamt mit einem Schreiben vom 19. Dezember 2012 Auskunft, „dass im Baulastenverzeichnis der Landeshauptstadt Dresden zu Lasten des oben genannten Grundstückes keine Eintragungen über Baulasten gemäß §83 der Sächsischen Bauordnung vorliegen“.

Umso größer sei seine Verblüffung gewesen, dass nun aufgrund einer Einwendung des Denkmalschutzes seine Bauvoranfrage abgelehnt wurde, sagt Saal.

Stadt: Denkmalschutz hatte schon damals Bedenken

Das Stadtplanungsamt sagt dazu: „Die Baugenehmigung für den Glaspavillon war von vorneherein befristet für fünf Jahre beantragt und genehmigt. Hintergrund der Befristung war, dass der Denkmalschutz bereits damals auf die Beeinträchtigung der umliegenden Denkmäler hingewiesen hat und deshalb den Pavillon auch nur befristet für genehmigungsfähig gehalten hat. Die Ablehnung des beantragten Bauvorbescheides für ein Wohn- und Geschäftshaus erfolgte einvernehmlich zwischen dem Amt für Kultur und Denkmalschutz und dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Gründe ergeben sich aus dem Denkmalstatus der Theaterwerkstätten beziehungsweise der diese umgebenden Freiflächen, in denen sich das Thema der geöffneten und geweiteten Stadtlandschaft – ein typischer städtebaulicher Ansatz der Zeit – abbildet.“

„Mit anderen Worten: Der Blick zu den unter Denkmalschutz stehenden Theaterwerkstätten soll nicht verbaut werden“, so Reinhard Saals Übersetzung. Dass der Pavillon auch aus Sicht des Denkmalschutzes nur eine befristete Lösung sein sollte, sei ihm klar gewesen. Dass er an der Stelle kein dauerhaftes Gebäude errichten darf, nicht.

Widerspruch gegen negativen Bescheid der Bauvoranfrage

Der Unternehmer fühlt sich ausgetrickst. „Wenn ich gewusst hätte, dass ich hier nicht bauen darf, hätte ich das Grundstück nicht gekauft. Ich brauch doch keine Wiese für mehrere hunderttausend Euro!“ Gegen den negativen Bescheid der Bauvoranfrage hat Reinhard Saal über die Kanzlei Biedenkopf Widerspruch eingelegt, wie er sagt.

In Dresden will sich der Unternehmer jetzt nicht weiter engagieren. „Ich führe noch das Projekt Grundschlösschen in Mockritz zu Ende und dann ist Schluss.“

Großes Engagement des Investors für den Denkmalschutz

Er habe die Laubegaster Werft denkmalgerecht saniert. Um die Orangerie nicht nur nach denkmalpflegerischen Vorgaben aufwendig zu sanieren, sondern sie auch als öffentliches Gebäude zu erhalten, habe er „ein gutes Jahr selber nach Nutzern gesucht und zudem 59 500 Euro für einen Mann bezahlt, den das Landesamt für Denkmalpflege beauftragt hat, um Nutzer zu finden.“ Die Suche sei erfolglos verlaufen. „Weder Stadt noch Land wollten sich engagieren. So habe ich dann Wohnungen in die Orangerie gebaut.“

Und das ist noch nicht alles. Reinhard Saal erfüllte nach eigener Aussage auch die Forderung der Stadt und baute in der Herzogin Garten einen 6500 Quadratmeter großen Park, der tagsüber öffentlich zugänglich sein wird. Kosten rund sechs Millionen Euro (Grundstückspreis, Aufwendungen für die Gestaltung und den Zaun). Momentan ist der Park geschlossen, weil die Schlösser in den Toren noch fehlen und die Gärtner noch nicht ganz fertig sind. Er habe jede Vorgabe bei der Pflanzenwahl beachtet und sich auch verpflichtet, den Park auf eigene Kosten zu pflegen, betont der Investor.

Orangerie und auch der Park werden jetzt verkauft

Jetzt hat Reinhard Saal die Faxen dicke. Die Laubegaster Werft ist schon verkauft. Die ersten drei Wohnungen in der Orangerie, die er eigentlich im Familienbesitz halten wollte, auch. „Den Park würde ich für einen Euro abgeben. Der Käufer muss sich nur dafür verbürgen, dass er den Park tagsüber öffnet und dass er für die fachgerechte Pflege garantiert.“

Von Catrin Steinbach

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