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Lokales Sachsen-Prinz zum Raub im Grünen Gewölbe: „Nachricht schlug wie eine Bombe ein“
Dresden Lokales Sachsen-Prinz zum Raub im Grünen Gewölbe: „Nachricht schlug wie eine Bombe ein“
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07:33 29.11.2019
Alexander Prinz von Sachsen und seine Ehefrau Prinzessin Gisela 2010 vor Dresdner Kulisse. Quelle: Matthias Rietschel/dapd
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Leipzig

Alexander Prinz von Sachsen spricht im Interview über den Diebstahl im Grünen Gewölbe.

LVZ: Wie haben Sie vom Einbruch ins Grüne Gewölbe erfahren?

Alexander Prinz von Sachsen: Wie Sie wissen, bin ich in Mexiko am Pazifik. Wir liegen hier sieben Stunden in der Zeit zurück und haben 37 Grad Lufttemperatur. Ich bin also aufgewacht und habe aufs Handy geschaut, um zu sehen, ob es Nachrichten von meinen Kindern aus Europa gibt. Da schlug diese Nachricht wie eine Bombe ein.

Haben Sie so eine Möglichkeit jemals in Betracht gezogen?

Für mich als Präsidenten des Freundeskreises Grünes Gewölbe galten die Räume ja als absolut sicher. Man hat mir immer wieder versichert: In diese Räume wird kein Mensch unerlaubt eindringen. Das ist das Sicherste an Standards, was man haben kann. Deshalb habe ich immer ruhig geschlafen und geglaubt, dass niemals jemand unerlaubt die Juwelen meiner Vorfahren anfassen – geschweige stehlen kann.

Wie informieren Sie sich aktuell über den Raub?

Ich weiß nur das darüber, was mir Innenminister Roland Wöller und Schloss-Direktor Dirk Syndram berichtet haben. Ich habe auch angefragt, ob die Kunstgegenstände, die wir über den Förderverein für die Sammlung erworben haben, möglicherweise in Gefahr sind. Doch mir wurde versichert, dass dies in keinster Weise zu befürchten sei.

Was bedeutet der jetzt entstandene Verlust für Sie persönlich?

Meine Frau und ich waren zwei Tage lang nicht ansprechbar. Wir waren total deprimiert, weil für uns wichtig ist, dass es – abgesehen davon, dass es ein Familienschmuck sein könnte – Weltkulturerbe ist. Das Grüne Gewölbe ist für mich genauso bedeutend wie ein Taj Mahal oder wie der Vatikan. Ich rechne es zu den zehn aufregendsten Kulturleistungen der Menschheit.

Welche Beziehungen haben Sie zu diesen Gegenständen?

Wenn ich Führungen durchs Grüne Gewölbe mache, sage ich immer: Hier könnt ihr das Leitmotiv meiner Vorfahren sehen. Wir haben nicht in Armeen, sondern in die Schönheit investiert. Wir wollten nicht Gold horten wie in Fort Knox, wir haben es in schönste Kunstgegenstände umgestaltet.

Haben Sie einen Verdacht, wer hinter der Tat stecken könnte?

Rein spontan würde ich davon ausgehen, dass das ein Auftragsdiebstahl war. Jemand, der angesichts instabiler Finanzmärkte etwas Einmaliges haben möchte. Jemand, der sehr reich ist und sich absichern will mit solchen erstklassigen Kunstgegenständen im eigenen Tresor. Gelegenheitsdiebe waren das jedenfalls nicht. Man sieht ja im Video, dass sie ganz gezielt auf die Vitrine mit der Diamentenschleife von Königin Amalie Auguste zusteuern.

Der zunächst vermisst geglaubte Große Bruststern des polnischen Weißer-Adler-Ordens wurde jetzt offenbar doch gefunden.

Das haben wir auch gehört und es hat eine Riesenfreude bei uns ausgelöst. Es ist ja das Symbol unserer polnisch-litauisch-sächsischen Verbindung, die so glücklich war seinerzeit im 18. Jahrhundert.

Glauben Sie, dass die Täter über Insiderwissen verfügten?

Das sagt sich so leicht dahin. Aber jeder Museumsbesucher kann sich ja anschauen, wo die Dinge liegen und er kann sich auch das Glas davor betrachten. Ich glaube, dass da schon ein gewisses Vorwissen vorhanden war. Aber, dass von innen aus dem Museum Informationen gekommen sind, das möchte ich nicht behaupten. Das müsste erst bewiesen werden.

Wie oft sind Sie noch in Dresden?

Die Verbindung ist – Gott sei Dank – noch sehr aktiv. Obwohl es ja jedes Mal 15- bis 16-stündige Flüge dorthin sind. Wir waren im vergangenen Jahr etwa zehnmal insgesamt da, um an der schönen Seite des sächsischen Lebens teilnehmen zu können. Ich war beispielsweise auch zur Eröffnung der Paraderäume im Schloss und beim Semperopernball.

Sie sind seinerzeit nach Jahren als Ansiedlungsbeauftragter und persönlicher Berater nicht unbedingt im Frieden gegangen, als der Wechsel von Ministerpräsident Georg Milbradt zu Stanislaw Tillich erfolgte.

Mit dem jetzigen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer ist das Verhältnis jedenfalls hervorragend. Wir verstehen uns blendend. Ich habe auch ein enges Verhältnis zu Finanzminister Matthias Haß und Innenminister Roland Wöller. Kurz: Mein Verhältnis ist heute wieder so gut wie unter Milbradt.

Wird man Sie in Dresden vielleicht sogar wieder öfter sehen?

Ja, natürlich. Sie müssen wissen: Wenn Sachsen uns braucht, kommen wir immer schnell. Wir stehen zur Verfügung.

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