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Lokales Rathaus-Neubau in Dresden - Der Inhalt bestimmt die Form
Dresden Lokales Rathaus-Neubau in Dresden - Der Inhalt bestimmt die Form
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07:32 18.07.2018
So sollen die Baukörper auf dem Ferdinandplatz aussehen. Wie die Fassaden gestaltet werden, steht noch nicht fest. Quelle: Barcode Architects
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Dresden

Die Landeshauptstadt Dresden will den Neubau eines Verwaltungszentrums für rund 162 Millionen Euro auf dem Ferdinandplatz in einem sogenannten Wettbewerblichen Dialog vergeben. Bei diesem Verfahren definiert die Stadt finanzielle und qualitative Ansprüche an das Bauvorhaben. Arbeitsgemeinschaften aus Bauunternehmen, Projektsteuerern, Architekten und Fachplanern legen dann ihre Projekte zum ausgehandelten Festpreis vor.

Kostenüberschreitungen sind in diesem Fall ein Problem des Generalunternehmers und nicht des Bauherren. Der Umbau des Kraftwerks Mitte zu Spielstätten für Staatsoperette Dresden und theater junge generation ist ein Beispiel für einen gelungenen Wettbewerblichen Dialog. Kostenüberschreitungen gab es nur wegen unerwarteter Betonfundamente im Baugrund und für die Beschleunigung der Bauarbeiten, damit der Eröffnungstermin im Dezember 2016 gehalten werden konnte.

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Das Vergabeverfahren soll nach dem Willen der Stadtverwaltung von Ende 2018 bis Ende 2019 laufen. Dann könnte der Generalunternehmer ausgewählt werden, der das Verwaltungszentrum bis 2024 errichtet.

Fotos: Sieben Visionen vom neuen Ferdinandplatz

Die Verwaltung hat fünf Monate lang mit sieben Architekturbüros nach städtebaulichen Ideen für den Ferdinandplatz gesucht und interessante Entwürfe erhalten.

Wie die Fassaden des Verwaltungszentrums einmal aussehen werden, steht laut Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) noch nicht fest. Er versprach an Höchstmaß an Bürgerbeteiligung, wies aber auch darauf hin, dass das gewählte Vergabeverfahren hohe Ansprüche an den Datenschutz stelle. Der Schutz der Entwürfe müsse gewährleistet werden.

Wenn die verbindlichen Entwürfe und Angebote vorliegen, werde es eine Ausstellung geben, auf der die Besucher Wertungen abgeben könnten, kündigte der Baubürgermeister an. Eine Jury werde schließlich entscheiden, welcher Entwurf realisiert wird.

Moderne Verwaltung muss nicht Glaspalast heißen

Vor der Frage der Fassaden stünde aber eine ganz andere Debatte, erklärte Schmidt-Lamontain: „Wir wollen von den Dresdnerinnen und Dresdnern wissen, wie sie sich ein modernes Rathaus vorstellen.“ Dazu würden Befragungen in Straßenbahnen durchgeführt, es werde aber auch moderierte Veranstaltungen geben. „Wie sollen die Funktionen im Neubau angeordnet werden? Welche Dienstleistungen erwarten die Bürger, wie soll die Kommunikation mit den Bearbeitern in der Verwaltung erfolgen?“ Soll es große Kundenbereiche im Foyer geben oder wünschen die Dresdner den Kontakt mit einem Verwaltungsmitarbeiter in seinem Büro.

In Rotterdam, das Schmidt-Lamontain jüngst mit einer Dresdner Delegation besuchte, gebe es in der Verwaltung Vertrauensarbeitszeiten. Feste Telefone und Computer gebe es nicht, die Mitarbeiter seien mit Handy und Laptop ausgestattet und würden sich den Arbeitsplatz frei aussuchen. Ein Modell auch für Dresden?

Natürlich suche er auch den Dialog mit den Mitarbeitern der Verwaltung, die auch ihre Vorstellungen von einem modernen Arbeitsplatz hätten. „Wir stehen vor einer großen Herausforderung und die Frage der Inhalte ist im Moment elementarer als das Äußere der Gebäude.“ Moderne Verwaltung müsse nicht Glaspalast heißen, so Schmidt-Lamontain.

Es geht um viel Geld

Neben dem Neubau am Ferdinandplatz dürfe die Verwaltung die Sanierung des Neuen Rathauses nicht aus dem Auge verlieren. Die Nutzungserlaubnis laufe Ende 2019 aus. Wegen Brandschutzmängeln wurden bereits die Mitarbeiter der vierten Etage im unsanierten Bereich in anderen Büros untergebracht. Jetzt zieht das Personal der Bereiche mit hoher Besucherfrequenz wie das Jugendamt oder der Eigenbetrieb Kindertagesstätten in Mietobjekte in der Stadt. „Im Schadensfall sind externe Besucher schwerer zu evakuieren als Mitarbeiter, die sich in dem Gebäude auskennen“, erklärt der Baubürgermeister den Grund für die Umzüge.

Rund 18 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in die Sanierung des Gebäudes investiert werden. Die Decken im vierten Obergeschoss werden rekonstruiert, der Brandschutz wird weiter verbessert, an Fassadenelementen soll gearbeitet werden. Auch das Dach wird neu eingedeckt. Bei Sturm drohen Dachziegel in die Tiefe zu stürzen. „Alles, was in laufenden Betrieb gemacht werden kann, wollen wir ausführen lassen“, so der Baubürgermeister.

95 Prozent der Arbeiten seien nachhaltig und müssten bei der umfassenden Sanierung des Rathauses nicht erneut ausgeführt werden. Lediglich Aufwand in Höhe von einer Million Euro müsse abgeschrieben werden. Wenn das neue Verwaltungszentrum ab 2025 bezogen werden kann, soll das Neue Rathaus umfangreich für mehr als 80 Millionen Euro saniert werden, kündigte der Baubürgermeister an.

Es gehe um viel Geld, so Schmidt-Lamontain. „Wir können nicht anders. Die Verwaltung ist in Mietobjekten im ganzen Stadtgebiet zersiedelt.“ Wer ein attraktiver Arbeitgeber sein und den Wettbewerb um die besten Köpfe gewinnen wolle, müsse investieren.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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