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Lokales Infineon Dresden baut Chipwerke aus
Dresden Lokales Infineon Dresden baut Chipwerke aus
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14:40 15.04.2018
Raik Brettschneider Quelle: Infineon Dresden
Dresden

 Infineon plant, in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Standort Dresden zu investieren und will 300 neue Jobs schaffen. Ein Teil der Gelder fließt in Roboter und neue Automatisierungs-Ausrüstungen, ein anderer Teil in die ehemalige Qimonda-Fabrik: Anfang der 2020er Jahre wird dieses Chipwerk mit der Produktion von Leistungs-Mikroelektronik voll ausgelastet sein, verspricht Raik Brettschneider.

Der gebürtige Sachse ist seit Oktober 2017 kaufmännischer Geschäftsführer von Infineon Dresden und Vizepräsident des sächsischen Hightech-Verbandes „Silicon Saxony“. DNN-Reporter Heiko Weckbrodt hat ihn über seine Pläne ausgefragt: ob die Roboter die Menschen verdrängen, wie der neue Chef die 300-mm-Fabrik auszulasten gedenkt und wie er über die Bosch-Ansiedlung denkt.

Wo sehen Sie den Infineon-Standort innerhalb des Konzerns und im internationalen Vergleich?

Raik Brettschneider: Wir haben hier eine sehr effiziente Fertigung, die sehr wettbewerbsfähig ist und gut ausgelastet. Ich sehe Infineon Dresden als einen starken und zukunftssicheren Standort.

„Wir stellen signifikant ein.“

Zwei ihrer drei Fabrik-Module arbeiten mit 200 Millimeter großen Siliziumscheiben statt der heute üblichen 300-Millimeter-Wafer. Auch den Wettlauf um immer kleinere Chipstrukturen macht Infineon Dresden schon seit einigen Jahren nicht mehr mit. Ist nicht längst eine grundlegende Neuausrüstung fällig?!

Nein, das sehe ich nicht so. Wir grenzen uns durch Spezialtechnologien von den Wettbewerbern ab. Wir haben in den vergangenen Jahren viel in unsere 200-Milimeter-Module investiert. Das hat unter anderem dazu geführt, dass diese Linien jetzt einen Automatisierungsgrad von 90 Prozent haben. Damit sind sie ähnlich hochautomatisiert wie ein neues 300-Millimeter-Werk. Und deshalb arbeiten sie bis heute sehr konkurrenzfähig. Übrigens waren wir mit dieser Strategie ein Vorreiter in der Branche.

Automatisierung bedeutet normalerweise: Maschinen, Roboter, machen die Arbeit, die vorher Menschen verrichtet haben. Müssen ihre Leute um ihre Jobs bangen?

Im Gegenteil: Wir stellen signifikant ein. Derzeit arbeiten bei uns 2200 Menschen, davon sind 95 Prozent feste Mitarbeiter. Etwa 100 Stellen sind momentan offen, wir suchen Fachkräfte. In den nächsten drei Jahren wollen wir auf zirka 2500 Beschäftigte kommen.

Wie ist ihre 300-Millimeter-Fabrik für Leistungshalbleiter ausgelastet? Als Infineon den ehemaligen Qimonda-Reinraum 2011 übernommen hat, war die Rede davon, dort etwa 250 Millionen Euro in den Aufbau der Leistungshalbleiter-Produktion zu investieren und bis 2014 etwa 250 neue Jobs zu schaffen. Tatsächlich hat sich der Ausbau ziemlich hingeschleppt…

Ja, der Markt hat sich langsamer entwickelt als wir gedacht hatten. Aber die Investitions- und Arbeitsplatz-Versprechen haben wir erfüllt. Jetzt zieht die Nachfrage für Leistungshalbleiter wirklich an. Derzeit ist die 300-Millimeter-Fabrik zu 30 Prozent ausgebaut. Anfang der 2020er Jahre wird sie komplett ausgebaut und voll ausgelastet sein.

Kurzvita Raik Bretschneider

1978 geboren in Sebnitz

1979-2002: Studium der Betriebswirtschaftslehre an der TU Dresden

2003: Einstieg bei Infineon, zunächst als Controller und Planer, später als Leiter für den Finanzbereich

Seit Oktober 2017: gemeinsam mit Mathias Kamolz Geschäftsführer von Infineon Dresden

Woher sollen die Nachfrageimpulse kommen, um die Fabrik entsprechend auszulasten?

Die ganz großen Treiber hinter der Nachfrage für unsere Schaltkreise sind der demografische Wandel, der Klimawandel und die digitale Transformation der Gesellschaft. Denken Sie beispielsweise an die Entwicklung hin zum automatischen und zum autonom fahrenden Auto: Je mehr Fahrerassistenzsysteme eingebaut werden, um so mehr Elektronik steckt in den Autos – und ein Teil davon kommt von Infineon Dresden. Die Leistungshalbleiter aus Dresden stecken schon heute weltweit in Kühlschränken und Smartphones, in Solaranlagen und Zügen.

„Ich kann die Ansiedlung von Bosch nur begrüßen.“

Wie sehen Ihre Investitionspläne aus?

Seit 2009 haben wir hier am Standort rund 800 Millionen Euro investiert: etwa eine halbe Milliarde in das 300-Millimeter-Werk und die restlichen 300 Millionen in die 200-Millimeter-Linien. Und wir werden diesen Kurs fortsetzen. Zum Beispiel wollen wir weitere Anlagen, die heute noch Aluminium-Leiterbahnen erzeugen, auf Kupfer umrüsten, um schnellere Schaltkreise zu ermöglichen. Wir möchten unsere Linien unter anderem für Radarelektronik fürs autonome Fahren ertüchtigen. Und wir wollen die Fabrik weiter automatisieren und freifahrende Roboter für den Wafertransport erproben.

Wieviel investiert das Unternehmen?

Das kann ich Ihnen noch nicht genau sagen. Aber wir gehen von einem dreistelligen Millionenbetrag in den nächsten Jahren aus.

Ist die Ansiedlung der Bosch-Fabrik, die ja auch Elektronik für die Autoindustrie fertigen soll – und dies auf 300-Millimeter-Scheiben – eher ein Vorteil oder ein Nachteil für Infineon Dresden? Zudem werden sie wohl auch um Fachkräfte konkurrieren?!

Wir sehen keine Überschneidungen mit Bosch und sind überzeugt, genügend Absolventen davon überzeugen zu können, bei uns anzufangen. Ich kann die Ansiedlung von Bosch nur begrüßen: Dadurch wächst Silicon Saxony, das stärkt den Mikroelektronik-Standort Dresden – und das ist auch gut für Infineon.

Von Heiko Weckbrodt

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