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Lokales In Dresdens Innenstadt geht eine Epoche zu Ende
Dresden Lokales In Dresdens Innenstadt geht eine Epoche zu Ende
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20:20 10.04.2019
Der Wiederaufbau des Neumarktes ist fast abgeschlossen. Es gibt viel Lob, aber es bleiben auch ein paar Wünsche offen. Quelle: Jürgen-M. Schulter
Dresden

Als Gerhard Glaser das erste Mal den Neumarkt sieht, wunderte er sich, dass alle Häuser noch ganz sind. Das war 1943 an der Hand seines Vaters. Damals kannte er aus Bremerhaven schon die Zerstörung des Krieges. Reichlich zehn Jahre später war Glaser wieder in Dresden. „Da kam ich in eine Steppe mit den Ruinen von Schloss und Sophienkirche im Hintergrund.“ Zwei Generationen habe es gedauert, bis daraus wieder eine Innenstadt geworden ist. Diesmal sitzt Glaser im sanierten Kulturpalast als Teilnehmer an der letzten Zusammenkunft der Gestaltungskommission Kulturhistorisches Zentrum. Sein ganzes Leben hat er seit seinem Studium in der Stadt verbracht und an ihrem Wiederaufbau mitgewirkt, blickt der 82-Jährige zurück, der von 1993 bis 2002 sächsischer Landeskonservator war.

114. Zusammentreffen in 20 Jahren

Zu Glasers Mitwirkung gehörte auch seine Tätigkeit in der 1998 ins Leben gerufenen Gestaltungskommission, in der Architekten, Kunsthistoriker und Denkmalpfleger als Berater für Stadtverwaltung und Stadtrat zusammenkamen. 15 Persönlichkeiten gehörten dem siebenköpfigen Gremium über die Jahre an, unter anderen auch Dankwart Guratzsch und Wolfgang Hänsch.

Neben Glaser waren Prof. Heinrich Magirius und Prof. Matthias Höhne seit 1998 Mitglieder der Kommission. Höhne fehlte bei der letzten Sitzung genauso wie Ulrich Hugk. Komplettiert wurde das 114. Zusammentreffen der Runde von Joachim Kuke, Prof. Johanne Nalbach und Prof. Marina Stankovic.

Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne), dem als gegenwärtiger Baubürgermeister seit 2015 die Leitung der Kommission oblag, verabschiedete das Gremium am Mittwoch und würdigte dessen Arbeit als Teil einer „gesamtgesellschaftlich großen Leistung“. Den Mitgliedern dankte er „für ihre kritische Begleitung mit hoher Kennerschaft“.

Große Mehrheit für Wiederaufbau

Schon zu DDR-Zeiten gab es eine große Mehrheit für den Wiederaufbau des Zentrums. Im Oktober 1983 wurde der Beschluss dazu gefasst. „Das ist das, was hier heute steht“, sagte Glaser. Es sei gelungen den alten Stadtgrundriss, alte Traufhöhen und Dächer wiederherzustellen. Dies sei eine Leistung aller Beteiligten von der Kommunalpolitik bis zu den Handwerkern.

Orientiert hat sich der Wiederaufbau an etwa zehn Leitbauten, die sich an den historischen Grundrissen ausrichteten, weiteren etwa 50 Gebäuden mit Leitfassaden, die ebenfalls auf historischen Vorlagen basieren. Etwa die gleiche Anzahl an weiteren Gebäuden passte sich diesen Vorbildern an.

Vereinzelt gebe es Beispiele, wo die zunächst versprochenen Qualitäten von den Investoren später nicht eingehalten worden seien, sagte der Baubürgermeister. „Bei 90 Prozent der Gebäude ist das gelungen“, fügte er hinzu. „Es geht nur im Einvernehmen“, wies Schmidt-Lamontain auf die Grenzen der rechtlichen Möglichkeiten der Stadtverwaltung hin. Der Neumarkt sei aber auch vor seiner Zerstörung „kein Ort allumfassender Pracht“ gewesen, meinte Anja Heckmann aus dem Stadtplanungsamt. Einen größeren Hebel hätter der Stadt wohl nur eine Gestaltungssatzung verschafft, die jedoch nicht zustandegekommen war.

Kritische Töne

Glaser hätte sich etwas weniger historische Fassaden auf Stahlbeton-Hintergründen gewünscht, fehlten in der Bilanz auch nicht die kritischen Stimmen. Teilweise fielen alte Keller Tiefgaragenplätzen zum Opfer. Das alte Gewandhaus wird nur mit einem Baumensemble nachempfunden. Am Freitag eröffnet OB Dirk Hilber (FDP) das Grüne Gewandhaus feierlich. Der Herzog von Kent, als Repräsentant des Großspenders „Dresdens Trust“ wird nicht dabei sein, weil er bereits im Februar zur Verleihung des „Dresden Preises“ in der Stadt weilte, wie Stadtsprecher Kai Schulz auf DNN-Anfrage sagt.

Glaser zeigte sich erleichtert, dass auch durch das Wirken der Kommission ein freistehender Gläserner Aufzug an der Brühlschen Terrasse verhindert werden konnte. Und damit war der Denkmalschützer auch bei den Hausaufgaben, die die Stadt noch erledigen müsse. Sie sollte sich des Altmarktes annehmen. „Es ist natürlich ein Markt, aber die Angemessenheit ist nicht gewahrt.“ Dabei müsse auch eine Lösung für das Gedenken an die vielen Toten der Bombenangriffe gefunden werden, die dort verbrannt worden sind.

Hotel-Hochhaus stört

Das Hotel-Hochhaus am Terrassenufer sei noch immer ein Störfaktor für die Blickbeziehungen in der Stadt. Weitere Bebauung südlich des Kurländer Palais, am Landhaus oder südlich des Schlosses gilt in der Kommission als wünschenswert. Vor allem gilt dies aber für das Hotel Stadt Rom. „Der Neumarkt würde damit südlich eine Abschluss finden“, sagte Glaser. Bislang ist dies ein äußerst schwieriges Unterfangen, vor allem aufgrund der Abstandsflächen zu Nachbargebäuden, mit deren Eigentümern erst langwierige Verhandlungen geführt werden müssten, schilderte Schmidt-Lamontain die aktuelle Situation.

„Man kann Dresden nur gratulieren“, sagte Joachim Kuke, der seit 2015 der Kommission angehört. Der Neumarkt sei eine der größten Wiederaufbauleistungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt wäre ohne das Vorbild Dresden und das Potsdamer Schloss ohne die Frauenkirche nicht denkbar, meinte Kuke und würdigte dabei auch den Beitrag der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden.

Zeitreise

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) eröffnet am Freitag, 19 Uhr die Ausstellung „Zeitreise Neumarkt im Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK), Schloßstraße 2, Kulturpalast, Eingang über Galeriestraße. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 28. April, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Mit der Fertigstellung des „Grünen Gewandhauses“ ist das Sanierungsgebiet „Dresdner Neumarkt“ förmlich abgeschlossen.

Von Ingolf Pleil

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