Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Verkehr der Zukunft: Diese Projekte werden in Dresden getestet
Dresden Lokales Verkehr der Zukunft: Diese Projekte werden in Dresden getestet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:25 15.01.2019
Professoren unter sich: Jürgen Krimmling und Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz (v.l.) vor dem Vamos-Bildschirm in der Fakultät für Verkehrswissenschaften. Dort dient das Verkehrsleitsystem als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, aus der Zentrale an der Lohrmannstraße heraus regelt das System dagegen den Verkehr auf Dresdens Straßen. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Fast die Hälfte der Dresdner findet, dass sich der Verkehrsfluss in der Stadt verschlechtert habe. Das hat das 105. DNN-Barometer ergeben, eine repräsentative Befragung. Und das hat im Rathaus für einigermaßen Verblüffung gesorgt. Denn in Dresden werden wie in kaum einer zweiten Stadt Daten gesammelt und in einem seit 2000 hochgefahrenen System integriert. Das heißt Vamos und steuert den Verkehrsfluss so, dass möglichst wenig Staus entstehen. Entsprechend wird die Reisegeschwindigkeit von Autos als wichtige Beobachtungsgröße seit 1990 überwacht. „Sie ist seit Jahren stabil – entgegen der Wahrnehmung“, sagt Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Seit 2011 pendelt sie zwischen 27,4 und 24,8 Stundenkilometern, lag im Herbst 2017, der letzten ausgewerteten Messung, bei 26,1 km/h. Früher war alles besser – das ist zumindest in Sachen Verkehr ein urbaner Mythos.

Wobei es bei Vamos ohnehin weniger um die Vergangenheit geht. Das System basiert auf einem Netz von mehr als 1000 Messstellen, die in den Straßen vergraben sind. Fünf von ihnen erfassen als Dauerzählstellen auch den Radverkehr – ein Feld mit viel Potential. Die Brücken werden gesondert überwacht. Ebenfalls werden rund 500 Autos, darunter alle Dresdner Taxis, sowie alle Busse und Bahnen erfasst. Kommen die nicht wie gewohnt voran, merkt das System deshalb, dass es irgendwo auf Dresdens Straße hakt – und reagiert vollautomatisch.

175 000 Pendler täglich

Dann werden Verkehrsströme gelenkt, etwa durch besondere Hinweisschilder an den Einfallstraße, oder durch variable Wegweiser, die ganze Umleitungsrouten vollautomatisch aktivieren können. Dabei werden auch die betroffenen Ampelschaltungen so verändert, dass auf der Umleitungsstrecke keine Staus entstehen. Von den rund 480 Ampeln im Stadtgebiet sind deshalb etwa 250 im engen Austausch mit Vamos und können über ein entsprechendes Rechenzentrum angesteuert werden. Ein Aufwand, der zunächst die Aufgaben der Gegenwart bewältigen soll: Rund 250 000 Autos haben die Dresdner gemeldet, täglich pendeln 112 000 Menschen in die Stadt und rund 63 000 ins Umland. Hinzu kommen beispielsweise 163 Millionen Fahrgäste bei den DVB (2018) und „immer mehr Fahrradfahrer“, wie Verkehrsbürgermeister Schmidt-Lamontain sagt. Entsprechend werden in den Ausbau von Vamos in den nächsten Jahren rund 3,1 Millionen Euro Fördermittel investiert.

Autonomes Fahren im Test

Doch das ist nur die eine Seite des Systems. Es dient auch als Kristallisationspunkt für Projekte, bei denen es um nicht weniger als den Verkehr der Zukunft geht. Beispiel autonomes Fahren: Erste Testfahrten hat es in Dresden bereits auf der Wilschdorfer Straße am Flughafen gegeben. Nun sollen weitere Teststrecken hinzu kommen, so der Verkehrszug Teplitzer/Dohnaer Straße, die Bundesstraße 170 ab Südvorstadt in Richtung Bannewitz und als Verbindung beider Strecke der Zellesche Weg. Dort müssen allerdings noch sogenannte Road Site Units an den Ampeln installiert werden – Technik, die mit entsprechenden Gegenstücken in den Autos kommunizieren kann. Die Ampeln teilen den Autos dann mit, wann es grün wird und welche Reisegeschwindigkeit genügt, um die Grünphase abzupassen ohne anhalten zu müssen.

Diese Verknüpfung ermöglicht auch noch etwas anderes, das sogenannte Platooning. Dabei werden an einer Ampel losfahrende Autos sehr dicht hintereinander über die Kreuzung gelotst. Zwei Sekunden vergingen derzeit zwischen zwei Autos, sagt Jürgen Krimmling, Professor für Verkehrsleitsysteme und Prozessoptimierung an der Technischen Universität Dresden (TU). Mit Platooning soll es nur eine Sekunde sein, die Kreuzung wäre doppelt so leistungsfähig. „Wir könnten dadurch mehr Grünzeiten für den ÖPNV und den Radverkehr gewinnen“, sagt Krimmling. „Allerdings gibt es da noch ganz viele Forschungsfelder, wir müssen erst einmal die technischen Standards entwickeln“, bremst Schmidt-Lamontain die Erwartungen, dass autonomes Fahren so schnell Wirklichkeit wird.

Schlaue Straßenbahn

Da ist man beim Öffentlichen Personennahverkehr weiter. Dort gibt es auf der sogenannten Nord-Süd-Achse bereits einen Fahrassistenten, der Straßenbahnfahrern Richtgeschwindigkeiten zur Grünphasenfahrt vorgibt. Für die Fahrgäste bringt das mehr Komfort, weil Bremsen und Beschleunigen entfallen und die Fahrt ruhiger wird. Für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) bringt die Technik bares Geld. Auf der Nord-Süd-Achse, wo die Linien 3, 7 und 8 fahren, können etwa zehn Prozent an Fahrstrom eingespart werden, außerdem konnte die Linie 7 drei Fahrplanminuten einsparen. Entsprechend wird das Projekt in diesem Jahr ausgeweitet auf den gesamten Innenstadtverkehr mit dem 26 Ring und einigen Abstechern in Richtung Stübelallee und Weißeritzstraße. „Die Effekte sind dort am größten, wo viele Linien fahren“, begründet Krimmling die Auswahl.

Grüne Welle für Radler

Und auch für Radfahrer tut sich was. Die Smartphone-App „BikeNow“ soll in diesem Jahr auf den Markt kommen. Auch die TU-Entwicklung gibt auf Basis der Vamos-Daten eine Empfehlung, bei welchem Tempo der Radler die nächste Ampel mit Grünlich erwischt. Ebenso wird über die Einführung einer „echten grünen Welle“ nachgedacht, wie Professor Krimmling durchblicken lässt. Dort wäre dann etwa bei Tempo 25 immer grün für Radler, für Autofahrer müsste es zwischendurch allerdings schon ein Grün geben, damit keine Staus entstehen. Wie sich das koordinieren lässt, wollen die Forscher herausfinden. Als ideale Teststrecke haben sie die Dohnaer Straße erkoren. „Und dann können wir neue Daten sammeln, etwa über Sensoren der BikeNow-Nutzer den Radwegezustand erfassen“, sagt Schmidt-Lamontain. Neues Futter für Vamos.

Von Uwe Hofmann

Der Dresdner Sternekoch Stefan Hermann plant einen Neustart mit seinem Gastronomieunternehmen bean & beluga – gemeinsam mit einem anonymen Investor. Der gesamte Geschäftsbetrieb ist auf eine Nachfolgegesellschaft übertragen worden. Vieles soll aber beim Alten bleiben.

17.01.2019

Die alten DDR-Laternen an den großen Alleen und den Zugängen zur Jungen Garde und dem Carolaschlößchen werden in den nächsten acht Monaten durch neue schlichte Leuchten ersetzt. Diese waren zuvor in einem aufwendigen Verfahren ausgesucht worden.

14.01.2019

Ein in den 1990er Jahren errichteter Anbau hat ausgedient. Bevor die Halle allerdings dem Erdboden gleich gemacht wird, möchte die weltweit bekannte Graffiti-Künstlerin MadC das Gebäude aber noch in ein gigantisches Kunstwerk verwandeln.

14.01.2019