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Lokales Immer mehr Wasserläufe in Dresden trocknen aus - Stadt verbietet Abpumpen
Dresden Lokales Immer mehr Wasserläufe in Dresden trocknen aus - Stadt verbietet Abpumpen
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09:35 11.07.2019
Das Bachbett des ausgetrockneten Graupaer Baches in Dresden-Pillnitz ist kaum noch als solches zu erkennen. Seit eineinhalb Jahren hat hier kein Wasser mehr die Elbe erreicht.
Das Bachbett des ausgetrockneten Graupaer Baches in Dresden-Pillnitz ist kaum noch als solches zu erkennen. Seit eineinhalb Jahren hat hier kein Wasser mehr die Elbe erreicht. Quelle: Catrin Steinbach
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Es ist schon wieder viel zu trocken. Dresdens Wasserläufe trocknen aus, der Wasserspiegel der Teiche sinkt. Bei etwa 70 Prozent der kommunalen Fließgewässer sei der Durchfluss bereits sehr gering, 30 Prozent seien teilweise oder sogar gänzlich ausgetrocknet oder würden nur noch marginal Wasser führen, so Harald Kroll, Sachgebietsleiter für Gewässer- und Bodenpflege im Umweltamt. Betroffen sind zum Beispiel Leubnitzbach, Koitschgraben, Blasewitzer-Grunaer Landgraben, Der Rote Graben und der Kaitzbach unterhalb der Ausleitung des Park-Kaitzbaches. An den Löschwasserteichen in ländlichen Gebieten sehe es zum Teil dramatisch aus.

Unreguliert wäre Wasserstand der Elbe deutlich niedriger

Der noch vor nicht allzu langer Zeit offen gelegte Graupaer Bach an der Einmündung in die Elbe liegt ebenfalls trocken. Schon seit anderthalb Jahren sei er nicht mehr bis zur Elbe geflossen, sagt Harald Kroll aus dem Umweltamt. Und auch der Elbpegel sinkt weiter. 60 Zentimeter betrug der Elbpegel am Mittwochmittag. Das habe mit Regulierungen auf tschechischer Seite zu tun. „Unreguliert wäre der Wasserstand deutlich niedriger als jetzt, würde um die 50 Zentimeter liegen“, sagt Harald Kroll.

Das Umweltamt schränkt deshalb jetzt die Entnahme von Wasser aus Dresdens Bächen und Flüssen ein. Vom 15. Juli bis zum 15. Oktober diesen Jahres ist die Wasserentnahme mit Hilfe von Pumpen aus oberirdischen Gewässern verboten. Mit der Gießkanne oder anderen Gefäßen darf man aber von Hand Wasser schöpfen. „Vom Verbot ausgenommen sind Wasserentnahmen, für die eine wasserrechtliche Genehmigung vorliegt“, teilt die Stadt mit. Wer beim Wasserabpumpen erwischt wird, ohne dass er eine solche Genehmigung vorzeigen kann, muss mit einem Bußgeld ab 50 Euro rechnen.

Kein extremes Regendefizit im ersten Halbjahr 2019

Im ersten Halbjahr 2019 sind 83 Prozent der mittleren Niederschlagsmenge gefallen. Zum Vergleich dient der Durchschnittswert der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990. „Aufgrund der ersten drei feuchten Monate gibt es kein extremes Regendefizit im Vergleich zu anderen Jahren. 2003 waren es nur 53 Prozent Niederschlag über diesen Zeitraum“, sagt Franziska Reinfried, Meteorologin beim Umweltamt.

Auch brachte der Juni 2019 mit 22,7 Millimeter Niederschlag zwar nur spärlich Regen (31 Prozent des mittleren Niederschlages 1961 bis 1990). Der trockenste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es aber nicht. Den Rekord diesbezüglich hält der Juni 1962 mit nur 17,8 Millimeter.

Regendefizit 2018/19 liegt bei 300 Litern pro Quadratmeter

Aber rechnet man zum Regendefizit von 56 Litern pro Quadratmeter im ersten Halbjahr 2019 das Regendefizit des extremen Dürrejahres 2018 hinzu, kommt man auf 300 Liter Regen pro Quadratmeter, die fehlen, rechnet Harald Kroll vor. Und das sei viel.

„Die Boden- und lokalen Grundwasserspeicher konnten durch die Niederschläge im Winter und Frühling längst nicht wieder aufgefüllt werden“, so Kroll. Und sie sinken jetzt wieder. Derzeit würden die Grundwasserstände an 95 Prozent der ausgewerteten städtischen Messstellen den Mittelwert der letzten Jahre für den Monat Juni um durchschnittlich etwa einen halben Meter unterschreiten.

Bäche trocknen weiter aus

Besserung ist in naher Zukunft nicht in Sicht, geht man nach den derzeitigen Wettervorhersagen. So wird auch das Defizit in den oberirdischen Gewässern in Dresden nicht so bald durch Niederschläge ausgeglichen werden können, sondern weiter steigen. Für die kommenden Jahre prognostiziert das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie weiter steigende Temperaturen, geringere Niederschläge und die Zunahme extremer Wetterereignisse. Damit sei häufiger mit Niedrigwasserphasen zu rechnen. Der Klimawandel sei spürbar, so Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne).

Die Verwaltung sieht in der weiteren Renaturierung von städtischen Gewässern und der Reaktivierung von Feuchtgebieten und Auen eine Möglichkeit, den natürlichen Wasserrückhalt in den Einzugsgebieten der Wasserläufe zu erhöhen. Um Straßenbäume und Parks wässern zu können, verfügt die Stadt übrigens über ein Netz dezentraler Grundwasserbrunnen.

Von Catrin Steinbach