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Dresden Lokales Immer mehr Dresdner ziehen ins Umland
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13:17 28.11.2017
Es ziehen aktuell mehr Menschen von Dresden ins Umland als umgekehrt.  Quelle: Sebastian Kahnert
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Dresden

Radebeul und Freital profitieren am stärksten vom Zuzug von Einwohnern aus Dresden. Weinböhla, Radeberg, Heidenau, Bannewitz und Wilsdruff besitzen ebenfalls besondere Anziehungskraft auf die Menschen in der Landeshauptstadt. Das geht aus aktuellen Daten der kommunalen Statistikstelle der Stadt Dresden hervor.

Dabei ziehen vor allem die 30 bis 44-Jährigen aus der Großstadt in die nahen Umlandgemeinden, häufig haben sie offenbar kleine Kinder. Dadurch ist auch bei den 0 bis 2-jährigen der Wanderungsverlust ans Umland für Dresden besonders groß.

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Zu- und Wegzüge ins Umland. Je roter, desto mehr Menschen zogen von Dresden in die Gemeinde. Je blauer, desto mehr Menschen zogen von da nach Dresden. Quelle: Stadt Dresden

Die Verluste sind heute allerdings bei weitem nicht so groß wie noch in den 1990er Jahren. Den Höhepunkt registrierten die Statistiker 1996. Damals verlor Dresden im Saldo aus Zu- und Fortzügen 6300 Personen ans Umland. Häufig hätten die Wanderfreunde außerhalb der Stadtgrenze „ihren Traum vom eigenen Heim“ verwirklichen wollen. Zum nahen Umland zählen dabei alle Gemeinden, die direkt an Dresden grenzen sowie die Städte Coswig, Meißen und die Gemeinde Weinböhla.

Nach 1996 ging das negative Saldo zurück und dreht 2001 sogar ins Plus. Noch 2011/12 zog es mehr Menschen nach Dresden als in umgekehrter Richtung. Dies basierte jedoch schon auf dem stärkeren Zuzug aus den ferneren Umlandgemeinden. Gegenüber dem nahen Umland war Dresden da schon ins leichte Minus gerutscht. Da die Stadt aus den Wanderungszahlen Rückschlüsse auf Schülerzahlen ziehen will, vergleicht sie jeweils den Zeitraum vom 1. Juli bis 30. Juni des Folgejahres. 2012/13 verzeichnete die Stadt da schon einen negativen Saldo von 290 Personen, 2016/17 hat Dresden 1058 Menschen mehr ans Umland verloren als in die Landeshauptstadt gezogen sind. Dabei hat die Stadt „asylrelevante Staatsangehörigkeiten“ ausgeklammert. Würden die Wanderungsbewegungen der Menschen aus Afghanistan, Albanien, Libyen, Syrien, Tunesien oder ähnlichen Ländern einbezogen, ginge der Verlust auf nur noch 618 Personen zurück, weil von dieser Personengruppe mehr Menschen nach Dresden ziehen, als ins Umland. Der negative Saldo wuchs zuletzt vor allem durch rückgängige Zuzüge, die Fortzüge blieben relativ konstant. Zudem haben die Statistiker bei der Auswertung der Melderegister festgestellt, dass die Fortzüge sich stärker auf das fernere Umland verlagern. Aus der jüngsten kommunalen Bürgerumfrage (2016) sind die drei wichtigsten Motive für eine Umzug ins Umland bekannt: eine größere Wohnung, mehr Ruhe und Naturnähe sowie mehr Grün im Wohnumfeld. Von den Menschen, die in den nächsten fünf Jahren ein Umzug ins Umland planten, wollten 58 Prozent selbstgenutztes Wohneigentum beziehen. Der Fortzug aus Dresden kommt tendenziell stärker den kleinen Gemeinden (unter 20000 Einwohnern) zugute als den größeren.

Zuzug nach Dresden gibt es vor allem im Zusammenhang mit dem Start in die Berufsausbildung. In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen und insbesondere bei den 18- bis 24-Jährigen ist der Sog in die Landeshauptstadt besonders groß. Jeder Einwohner bedeutet für eine Stadt bares Geld in den staatlichen Finanzausgleichssystemen. Die Dresdner Statistiker sehen die Bedeutung dieser Zahlen auch in den Auswirkungen auf die Planung von Infrastrukturen in der Region und in den Folgen für Bevölkerungsprognosen. Aktuell hat Dresden 553198 Einwohner (Stand: 30.6.2017). Der Ausländeranteil lag zu diesem Zeitpunkt bei 7,0 Prozent. Von den 38692 ausländischen Personen waren 42,7 Prozent weiblich. Mit 50,1 Prozent sind die Frauen bei der Gesamtbevölkerung in Dresden in der Überzahl. Nach einem Gestorbenenüberschuss im ersten Quartal 2017 (minus 37), gab es im zweiten Quartal wieder mehr Geburten als Sterbefälle (plus 215).

Von Ingolf Pleil