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Lokales Im Einsatz für todkranke Kinder: „Hier wird ganz viel gelacht“
Dresden Lokales Im Einsatz für todkranke Kinder: „Hier wird ganz viel gelacht“
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10:14 08.02.2019
Gudrun Freitag-Schulz steht in der Gedenkecke des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes in Dresden. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Bei dem Wort „Hospiz“ sind die ersten Assoziationen in der Regel klar: Tod, Sterben, Hoffnungslosigkeit. Worte, die vor allem im Kindesalter keine Rolle spielen sollten. Und doch tun sie es – bei rund 50 000 Kindern in ganz Deutschland. Auch in Dresden und der Region leben Betroffene.

27 Familien lassen sich mittlerweile vom ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Dresden helfen. Diesem gehören 58 Ehrenamtliche an, die sich in ihrer Freizeit um die Familien, die betroffenen Kinder oder die Geschwister kümmern. Eine von ihnen ist Gudrun Freitag-Schulz. Wenn sie über ihr Ehrenamt erzählt, fallen die Worte Tod, Sterben und Hoffnungslosigkeit kein einziges Mal. „Für mich ist die Arbeit nicht mit Leid verbunden, sondern mit Freude“, sagt sie.

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„An Hospizarbeit dachte ich nie“

Die Dekorateurin betreut den Bruder eines sechsjährigen Mädchens. Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt ist sie schwerstkrank. Gudrun Freitag-Schulze holt den Fünfjährigen jeden Donnerstag ab „und dann machen wir uns einfach einen schönen Nachmittag“, erzählt sie. Beim gemeinsamen Eisessen oder auf dem Spielplatz genießt der Fünfjährige die ungeteilte Aufmerksamkeit der Ehrenamtlichen. Etwas, was zu Hause nur schwer möglich ist.

Für sie ist es die zweite Familie, in der sie sich um ein Geschwisterkind kümmert. 2012 hat sie mit der ehrenamtlichen Tätigkeit beim Kinderhospizdienst begonnen. „Ich wusste schon lange, dass ich etwas Freiwilliges machen möchte, sobald meine Kinder aus dem Haus sind. Aber an Hospizarbeit dachte ich dabei nie“ erzählt die zweifache Mutter. Doch dann las sie die Anzeige vom Kinderhospizdienst in der Zeitung. „Bis zur letzten Minute habe ich überlegt, ob ich das wirklich machen möchte. Eigentlich dachte ich eher an Vorlesen im Altenheim“, erzählt Freitag-Schulze mit einem breiten Lachen im Gesicht.

Zwei Ehrenamtliche pro Familie

Schließlich ging sie das Wagnis ein und meldete sich bei Koordinatorin Heike Lebelt. Doch bevor es mit der eigentlichen Tätigkeit losgehen konnte, stand erst einmal ein Kurs auf dem Plan. Hier lernen die Ehrenamtlichen unter anderem, wie sie die Schicksale der Familie nicht zu nah an sich heranlassen, hören Erfahrungsberichte von Betroffenen und sprechen mit Bestattern. Nach Ende des Kurses fragen die Verantwortlichen noch einmal, ob sich die Teilnehmer ihrer Sache immer noch sicher sind. Gudrun Freitag-Schulz war es nach dem Kurs mehr denn je. Seitdem gehört ein Nachmittag in der Woche dem Geschwisterkind eines todkranken Kindes.

In der Regel kümmern sich zwei Ehrenamtliche um eine Familie, erklärt Koordinatorin Lebelt. Wer sich das nicht zutraut und den mobilen Kinder- und Jugendhospizdienst trotzdem unterstützen möchte, kann das beispielsweise in der Öffentlichkeitsarbeit tun. Und Hilfe wird dringend gebraucht, denn die Nachfrage reiße seit eineinhalb Jahren nicht ab, sagt Lebelt. Am häufigsten sind die Kinder von Stoffwechselerkrankungen betroffen. Kinder mit unheilbaren Krebserkrankungen betreuen die Ehrenamtlichen dagegen seltener.

Den Eltern Zeit schenken

Generell muss ein Arzt eine Krankheit erst als lebensverkürzend oder lebensbedrohlich attestieren, bevor der Hospizdienst aktiv werden darf. Pflegerische, therapeutische oder medizinische Tätigkeiten führen die Ehrenamtlichen nicht durch. Viel mehr geht es darum, vor allem den Eltern etwas Zeit zu schenken, in dem sich um die Kinder oder Geschwister gekümmert wird. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen“, sagt Gudrun Freitag-Schulz nach über sechs Jahren beim Hospizdienst und hat gelernt: „Die ernsten Themen sind hier nur ein kleiner Teil. In erster Linie wird ganz viel gelacht“.

10. Februar: 6. Benefizkonzert des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes im Festsaal des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik, Mendelssohnallee 34, 11 Uhr, Dorothea Plans Casal, Christiane Liskowsky und Kerstin Loeper spielen u.a. Werke von Antonin Dvorak und Bedrich Smetana, Eintritt ist frei

Von Lisa-Marie Leuteritz