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Lokales Hunderte Dresdner Kinder können nicht auf ihre Wunschschule
Dresden Lokales Hunderte Dresdner Kinder können nicht auf ihre Wunschschule
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11:43 01.06.2019
Die Zulassungen für die Schulen in Dresden sorgen wieder für viel Ärger.
Die Zulassungen für die Schulen in Dresden sorgen wieder für viel Ärger. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa
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Dresden

Der künftige Fünftklässler aus Cotta hätte es zu Fuß bequem in einer Viertelstunde zu seiner neuen Schule an der Emil-Ueberall-Straße geschafft. Doch daraus wird nichts, weil es an der 36. Oberschule viel mehr Anmeldungen gab, als Plätze zur Verfügung stehen. 18 Kinder mussten allein an dieser Schule abgewiesen werden.

So erging es nach den Angaben des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) in Dresden wieder Hunderten Kindern in diesem Jahr. Wie das Lasub auf DNN-Anfrage mitteilte, mussten an 29 Grundschulen (von insgesamt 71 in der Stadt) knapp 280 künftige ABC-Schützen an der Wunschschule abgewiesen werden. An den Oberschulen kamen an acht Einrichtungen (27 Oberschulen in kommunaler Trägerschaft gibt es in Dresden) ähnlich viele Fünftklässler des nächsten Schuljahres nicht unter. Knapp 260 Jungen und Mädchen mussten an acht der 18 Gymnasien eine Absage in Kauf nehmen.

Kein Platz für Rückkehrer

Für Olaf Wald, Schulleiter an der 36. Oberschule, ist die Entwicklung bedenklich. Seine Schule ist eigentlich 2,5-zügig. Im nächsten Schuljahr wird er mit vier 5. Klassen starten. Damit wird es an der Ueberall-Straße immer enger. In dem Gebäude ist auch eine Grundschule angesiedelt. Ein neuer Standort für die Knirpse ist nicht in Sicht. „Die Frage ist, ob uns die Aufwüchse bei den Schülerzahlen noch Zeit lassen zu warten“, überlegt Wald. Immer mehr Schüler müssten aus dem Stadtgebiet herausgelenkt werden in weit entfernte Schulen. Für Rückkehrer vom Gymnasium hat Wald auch kaum Platz.

Dabei sind die Zahlen an der 36. Oberschule noch nicht einmal die größten. Spitzenreiter ist die 32. Oberschule in Tolkewitz. Der Neubau an der Kipsdorfer Straße 153 ist auf riesiges Interesse gestoßen. 86 Kinder müssen anderswo zur Schule gehen. 51 Kinder trifft dies, die an die Oberschule Pieschen (Robert-Matzke-Straße 14) gehen wollten. 49 Umlenkungen gab es an der 55. Oberschule auf der Nöthnitzer Straße 6 in Plauen.

Bei den Grundschulen mussten an der 12. auf der Hebbelstraße 20 in Cotta laut Landesamt 23 Kinder umgelenkt werden, 22 waren es an der 103. Grundschule auf der Hohnsteiner Straße in der Neustadt.

Wieder Losverfahren

Erheblich waren die Zahlen auch an einigen Gymnasien. Mit 73 Kindern mussten die meisten am Marie-Curie-Gymnasium (Zirkusstraße 7) abgewiesen werden. „Es fand ein Losverfahren statt“, beschreibt Schulleiterin Annette Hähner das übliche Verfahren. Und es gebe durch die erfolgte Aufnahme in den Gymnasien Dreikönigschule, derzeit ausgelagert nach Tolkewitz, und Gorbitz (Neugründung) „jetzt für die 5.-Klässler leider auch längere Schulwege“.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht ausgestanden. Jedes Jahr fehlt den betroffenen Eltern das Verständnis dafür, dass ihre Kinder mit Note 1,3 oder noch besser nicht angenommen werden, andere Kinder ohne Bildungsempfehlung aber durch das Losverfahren zum Zug kommen.

Heutzutage wird dabei der Schulleitung auch mal schnell mit der Klärung des Falls bei der AfD gedroht, was immer sich das empörte Elternteil davon versprechen mag. Absehbar ist schon jetzt, dass es viele Widersprüche und auch Klagen geben wird. Zumal Gerichtsentscheidungen zum Anmeldeprozess im vergangenen Schuljahr gerade diejenigen bestrafte, die nicht geklagt hatten. „Ich spüre viel Unzufriedenheit bei den Eltern“, erklärt Marcello Meschke, Schulleiter am Bertolt-Brecht-Gymnasium an der Lortzingstraße 1 in Johannstadt.

Der Schüler aus Cotta hatte mit seinem Zweitwunsch noch Glück. Die Alternative zur Lieblingsschule ist für ihn in 20 Minuten mit einer Kombination aus Laufen und Fahren zu erreichen. Widerspruch haben seine Eltern trotzdem eingelegt.

Von Ingolf Pleil