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Lokales Hohe Kosten für Digitalisierung der Schulen in Dresden
Dresden Lokales Hohe Kosten für Digitalisierung der Schulen in Dresden
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09:52 22.01.2019
Schule und Computer: Welche technische Ausstattung Schulen haben sollen, wird derzeit heftig diskutiert. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Auf gleich drei Ebenen arbeitet die Landeshauptstadt an der Digitalisierung der städtischen Schulen. Die Schulen haben Gestaltungsmöglichkeiten, die großen Investitionen stehen allerdings meist unter Haushaltsvorbehalt – hängen also vom Stadtsäckel ab und werden wie dessen Inhalt vom Stadtrat verteilt. Parallel dazu wird auf Bundesebene über ein Milliarden-Paket für die Digitalisierung an Schulen diskutiert.

Wie der Bereich von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) auf DNN-Anfrage mitteilte, geht es erstens um die „Verbesserung der Breitbandanschlüsse für die kommunalen Schulen, zweitens die Verbesserung der Netzwerkstruktur (LAN, WLAN) in den Schulen und drittens schließlich um „die Anpassung der IT-Geräteausstattung an die steigenden Anforderungen der pädagogischen Arbeit in den Schulen“.

Digitale Ausstattung

Die Stadt gibt aktuell eine Schüler-PC-Relation von 7,2 über alle Schularten an. Die 6800 Computer setzen sich aus 5310 Schüler-PCs und 1490 Notebooks zusammen. Zur Berechnung der Quote von 7,2 kommen dann noch die Lehrer-PCs (1120 Geräte) hinzu. Das ergebe die Gesamtzahl von 7920 Geräten. Als Schülerzahl legte die Stadt 57 081 (Schuljahr 2017/2018) zu Grunde. Darin sind neben den Schülern und Schülerinnen an allgemeinbildenden auch die an berufsbildenden Schulen enthalten. Nach dieser Rechnung teilen sich 10,7 Schüler an Grundschulen einen Computer, an Oberschulen sind es 7,3 und an Gymnasien 7,5 Schüler pro Rechner.

Teilweise sind die Schulen dabei in übergreifende Projekte eingebunden. So entwickele die Stadt „derzeit Konzepte für eine bessere Breitbandanbindung der kommunalen Schulen und anderer kommunaler Liegenschaften wie beispielsweise Kindertageseinrichtungen. „Die fiktive Netzplanung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zur Erschließung der 125 derzeit als unterversorgt geltenden kommunalen Schulen in Dresden ergab einen Investitionsbedarf von rund 15,6 Millionen Euro“, erklärte die Stadt. Derzeit gibt es 141 Schulen in kommunaler Trägerschaft.

Netzleistung zu schwach

Im Haushaltentwurf des Schulverwaltungsamtes, der vom Stadtrat weitgehend unverändert angenommen worden ist, sind laut Verwaltung zusätzliche Ausgaben berücksichtigt, um die monatlichen Kosten breiterer Datenanschlüsse auch finanzieren zu können. Doch Geld allein hilft offenbar nicht, wenn es keine brauchbaren Anbieter auf dem Markt gibt. „Viele Schulstandorte befinden sich derzeit bezüglich einer leistungsfähigen Netzanbindung aber in sogenannten weißen Flecken, das heißt die verfügbare Netzleistung der externen Anschlussmöglichkeit ist zu schwach.“

Bei der internen Netzstruktur haben es die Neubauten naturgemäß am besten: Jeder Schulneubau erhält bereits seit vielen Jahren ein internes Datennetzwerk. Alle aktuellen Schulbauvorhaben würden so ausgeführt, dass die Datennetzstruktur den kurzfristigen Aufbau eines flächendeckenden WLANs ermöglicht. In den Neubauvorhaben Schulstandort Tolkewitz (abgeschlossen), Schulstandort Pieschen (läuft) und dem Ehrenfried-Walter-von-Tschirnhaus-Gymnasium (Neubau in Betrieb, Altbau wird noch saniert) werden die baulichen Voraussetzungen für diese WLAN-Lösungen geschaffen.

Grundsätzlicher Haushaltsvorbehalt

Besonders aufwendig sind die Geräte. Die Ausstattung der Schulen mit Medientechnik erfolge auf Basis eines Medienentwicklungsplanes und einer schulartspezifischen Ausstattungsrichtlinie. Dazu erstellen die Schulen Medienentwicklungskonzepte, auf deren Basis der Medienentwicklungsplan fortgeschrieben wird.

Aber: „Die Anpassung der Ausstattungsrichtlinie muss sich an den Rahmenbedingungen des kommunalen Haushaltes orientieren.“ Die Anwendung der Richtlinie steht damit grundsätzlich unter Haushaltvorbehalt. Im gerade beschlossenen Haushaltentwurf sei ein Investitionsbedarf berücksichtigt, mit dem die Computer-Schüler-Relation um etwa 25 Prozent verbessert werden soll. Die Verbesserung erfolge schrittweise in jeder Schule im Rahmen des alle fünf Jahre erfolgenden Gerätetauschs. Grundlage dafür sind die Medienentwicklungskonzepte der Schulen.

Schulleiterin Kerstin Ines Müller vom Gymnasium Pieschen hat da schon ganz klare Vorstellungen: Breitbandanschluss, WLAN getrennt für Schüler und für Lehrer auf dem gesamten Gelände, eine Cloudlösung, ausreichend offene PC-Arbeitsplätze im Schulhaus, mehrere PC-Kabinette für Informatikunterricht, ausreichend Tabletkoffer für den mobilen Einsatz im Fachunterricht, in jedem Klassenzimmer ein großes Display beziehungsweise interaktive Beamer und kompetenter externer Support. Die Stadt sei da bislang allerdings etwas zurückhaltend, hatte Müller kürzlich den DNN erklärt.

Ines Müller, Schulleiterin des Gymnasiums Pieschen. Quelle: Anja Schneider

„Die Initiative, im Gymnasium Pieschen einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die informatorische Bildung zu legen, ist dem Schulträger bekannt, und dies wird bereits unterstützt beziehungsweise künftig unterstützt werden“, heißt es bei Bildungsbürgermeister Vorjohann. Insofern sei dem Gymnasium Pieschen eine durch die besondere pädagogische Ausrichtung begründete abweichende Geräteausstattung auch bereits „grundsätzlich zugesagt“. Zur konkreten künftigen Medienausstattung, der Entwicklung des schulischen Medienentwicklungskonzeptes, der Geräteauswahl (Tablett oder Notebook oder Desktop-PC) befinde sich die Stadt im Gespräch mit dem Gymnasium.

Millionen für Geräte

Dabei macht die Verwaltung zu den Kosten einer 1:1-Ausstattung mit Computern, also einem Gerät pro Schüler, eine beachtliche Rechnung auf: Ein Schülernotebook einschließlich der Betriebssystemlizenz kostet in der Anschaffung etwa 780 Euro. Ausgehend von rund 55 000 Schülerinnen und Schülern an den kommunalen Schulen der Landeshauptstadt müssten – bei einer regelmäßigen Ersatzausstattung aller 5 Jahre – aller fünf Jahre knapp 43 Millionen Euro oder jährlich 8,6 Millionen Euro aufgewendet werden.

Was sagen Schulen zur Digitalisierung

Peter Schmitt, Schulleiter 66. Oberschule: Wir haben zwei Infokabinette mit neuer Technik, in den meisten Unterrichtsräumen einen PC zur Verwendung und drei Laptops und sind damit zufrieden.

Marcello Meschke, Schulleiter Bertolt-Brecht-Gymnasium: Wir haben für knapp 1000 Schüler vier Computerkabinette und insgesamt 145 Computer. Die PC-Kabinette sind für uns ausreichend. Über ein Projekt haben wir einen Klassensatz Tablets geliehen bekommen. WLAN gibt es grundsätzlich nicht, nur in einzelnen Zimmern, in denen wir die Tablets nutzen. Es gibt aber keinen Zugang zum WLAN für andere mobile Endgeräte. Jedes Jahr verbessert sich die Situation ein klein wenig, aber wir haben noch lange nicht in allen Unterrichtsräumen digitale Präsentationsmöglichkeiten. Die Kapazität der Internetleitung ist mit 20 Mbit/s so gering, dass unsere Schüler von der „internetfreien Schule“ sprechen. Wir sind noch lange nicht zufrieden. Für digitales Lernen nutzen wir teilweise Lernsax, was ganz gut klappt, da die Schüler und Lehrer ja zu Hause Internet haben.

Andreas Neubert, Schulleiter 32. Oberschule: Bei einem Neubau einer Schule sind natürlich die Dinge eingebaut, welche nach der Baurichtlinie und den finanziellen Möglichkeiten des Schulträgers umsetzbar sind. Digitale Bildung ist – mit Verlaub – plötzlich ein scheinbares „Zauberwort“. Kinder – inzwischen aber auch einige Eltern – müssen aus unserer Sicht grundlegende Dinge in der Medienentwicklung erlernen. Umgang mit Technik – Erlernen als wichtiges Arbeitsinstrument – und nicht nur zum Spaß. Wir sind auf einem guten Weg – aber geförderte Technik hin oder her – der Erfolg liegt immer noch in der Persönlichkeit unserer vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrern.

Die Kosten für einen Klassensatz Notebooks mit 28 Notebooks und einem Access-Point belaufen sich auf ca. 24 500 Euro. Um jeder Grund- und Förderschule einen solchen Klassensatz zur Verfügung stellen zu können, müssten einmalig 2,03 Millionen Euro investiert werden. Für die weiterführenden Schulen beliefe sich die Summe auf rund 2,80 Millionen Euro, wenn je Schule zwei Klassensätze unterstellt würden. Darin ist der Support und die Installation der Technik noch nicht enthalten. Außerdem müsste im Haushalt sichergestellt sein, dass die Notebooks gemäß Betriebskonzept aller fünf Jahre durch neue Geräte ersetzt werden.

Bedenken gibt es bei Tabletts: Diese Geräte seien bezüglich der damit verbundenen Aufwendungen für die Einbindung in Netzwerke, den daraus entstehenden Supportbedarf sowie aus ergonomischen Gründen – schlechter Blickwinkel, nur Bildschirmtastatur, welche den Lesebereich verkleinert – kritisch.

Kommentar des Autors

Der Bund will in den nächsten fünf Jahren die Digitalisierung an Schulen voranbringen. Mit den Ländern muss er sich noch über den richtigen Weg verständigen, damit eine Grundgesetzänderung nicht die Zuständigkeiten verwischt. Länder sind für die Lehrer und Lehrpläne zuständig, die Städte für Schulgebäude und Schulausstattung. Die Zuständigkeiten sollten für den Wähler klar erkennbar bleiben.

Ohnehin weist der Bund auch selbst darauf hin, dass kein Medium allein gute Bildung erzeugt. Im Zweifel haben die Schüler zu Hause sowieso ein moderneres Gerät. In der Schule muss es deshalb vor allem um die Vermittlung von Medienkompetenz gehen. Die Kinder müssen eine kritische Distanz zu allem vermittelt bekommen, was in Internetnetzwerken – auch durch Tageszeitungen – auf sie einströmt.

Es geht um Werte, was mit Handy und Tablet angestellt werden darf und was nicht. Die technische Aufrüstung der Schulen ist kein Wert an sich, sie erlaubt neue Lernformen. Entscheidend bleibt aber, was Lehrer dem Nachwuchs vermitteln können. Und da geht es vor allem um den gesunden Menschenverstand.

Von Ingolf Pleil

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