Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Pieschen diskutiert über Flutschutz für die Leipziger Vorstadt – Das ist geplant
Dresden Lokales Pieschen diskutiert über Flutschutz für die Leipziger Vorstadt – Das ist geplant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:59 15.11.2019
Beim Hochwasser 2013 schwappte das Wasser in viele Häuser. Quelle: A. Burgi/dpa
Dresden

Die Debatte um den Hochwasserschutz für die Leipziger Vorstadt in Pieschen geht in eine entscheidende Phase. Am Sonnabend will Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnisgrüne) mit Betroffenen über ihre Vorzugsvariante für eine Hochwasserschutzlinie zwischen Uferstraße und Molenbrückediskutieren und dann Konfliktpunkte vor Ort bei einem Rundgang besprechen. Ziel ist es, ein klares Bild vom Bürgerwillen zu bekommen, ehe der Stadtrat Beschlüsse fasst.

Das Werben um die Zustimmung der Pieschener hat vor allem einen Grund: „Wenn es Konflikte um die vorgeschlagene Variante gibt, wird diese erst in 20 Jahren, 30 Jahren oder gar nicht gebaut“, sagt Jens Olaf Seifert, der im Umweltamt der Hochwasserschutzexperte ist. Es komme darauf an, einen Kompromiss zu finden, der von allen getragen werde. Die Dresdner müssen mit ihren Vorschlägen vor allem auch den Freistaat Sachsen überzeugen. Der lehnt eine Flutschutzlinie in Pieschen bisher ab.

Flutschutz in Pieschen: Die Stadt will ihn, der Freistaat nicht

Nach dem Hochwasser 2002 wurde überall in Dresden geprüft, wo Hochwasserschutzanlagen gebaut werden können. In Pieschen hieß es bald, dass das technisch nicht möglich sei. Nachdem die Pieschener zur Juniflut 2013 den größten Sandsackbau Deutschlands auf der Leipziger Straße errichteten, prüfte die Stadt erneut.

Das Umdenken begann indes schon vorher: Die Stadtplaner schlugen vor, wegen der vielen Neubauprojekte – die Hafencity ist inzwischen im Entstehen – doch einen Gebietsschutz zu erwägen. Ergebnis: Es geht. Wie genau, das will die Stadt dem Freistaat in einer möglichst konfliktfreien Variante auf dem Silbertablett servieren. Das Land will bisher dafür kein Geld herausrücken: Wenn Dresden Neubauten und damit weiteres Schadenspotenzial zulasse, solle die Stadt den Flutschutz selbst bezahlen.

Landesvertreter: Bis zum Flutschutz vergehen Jahre

Am Mittwochabend gab es zum Auftakt der Bürgerbeteiligung ein Expertenforum, bei dem vor allem die Grundlagen für den Hochwasserschutz zur Sprache kamen. Das war nicht nur für Fachleute interessant. So hat Birgit Lange von der Landestalsperrenverwaltung den enorm aufwendigen Prozess von der Idee für eine Hochwasserschutzanlage bis zum fertigen Bauwerk erläutert. Das dauere erfahrungsgemäß zehn bis 19 Jahre – wenn es keine Klagen gibt. Allein für das aufwendige Plangenehmigungsverfahren können bis zu sechs Jahre vergehen, für die Planung bis dorthin mindestens vier Jahre.

Je konfliktfreier eine Planung ist, desto schneller geht es. Sie habe es allerdings in Dresden noch nicht erlebt, dass nicht irgendjemand gegen eine Hochwasserschutzmaßnahme geklagt habe, sagt Lange.

Hochwasserexperte: Das Modell für Dresden stimmt

Dirk Carstensen ist zwar inzwischen Professor an der Technischen Hochschule in Nürnberg, war aber lange Zeit in Dresden tätig und wohnt noch in Radebeul. Die Hochwasser 2002 und 2013 kennt er aus eigenem Erleben. Er hat auch das Hochwassermodell miterstellt, auf dem alle Berechnungen für einen Flutschutz in Dresden beruhen. „Wir haben das mit dem Verlauf des Junihochwassers 2013 überprüft, es gab nur sehr geringe Abweichungen“, sagt er.

Sein Modell ist auch wichtig, um die Folgen eines Flutschutzes in Pieschen für andere Elbanrainer zu berechnen. So beklagt etwa Steffen Hofmann, der in der Kaditzer Wohnsiedlung Am Vorwerk lebt, dass man dort vom Hochwasser 2002 nichts, von dem 2013 aber wohl etwas bemerkt habe. „Auf einigen Straßen stand plötzlich Wasser, das muss doch etwas mit den Hochwasserschutzmaßnahmen anderswo zu tun haben“, sagt er. In Pieschen dürfe nur gebaut werden, wenn sich die Verhältnisse für andere Elbanrainer nicht verschlechtern, erläutert Carstensen. „Das werden unsere Berechnungen auch zeigen – und die stimmen.“ Wobei etwas Unsicherheit immer bleibe. „Kein Hochwasser verläuft wie ein zweites.“

Die Flut im Untergrund ist oft schlimmer

Dass ein Hochwasser den Grundwasserpegel über Jahre hinweg hebt, erläutert Bernd Gutt von der Arcadia Germany GmbH. Deswegen werden viele Flutschutzwände metertief in die Erde getrieben, was aber in Normalzeiten den Grundwasserabfluss in die Elbe behindern kann. Möglichkeiten sind Sickerschlitze mit dahinter liegenden Pumpen oder an Stellen, wo das Wasser im Hochwasserfall keinen Schaden anrichten kann. In der Altstadt werden zudem 27 Brunnen betrieben, um acht wichtige Gebäude – darunter Schloss, Frauenkirche und Kulturpalast – im Hochwasserfall vor eindringendem Grundwasser zu schützen. „Diesen enormen Aufwand kann man sich nicht überall leisten“, sagt Gutt.

Landschaftsplaner: Flutschutz kann gut aussehen

Matthes Hoffmann von den Rehwaldt-Landschaftsarchitekten hält nichts von Vorurteilen gegen karge Flutschutzwände. Diese könne man so gestalten, dass sie kaum auffallen – auch in Pieschen. Zudem betonte er, dass die Elbzuflüsse in Dresden durch Renaturierung hochwassersicherer gemacht werden müssen. Wenn das Wasser nicht die Hänge hinunterschieße, sind im Elbtal die Auswirkungen weniger schlimm. „In vielen Städten gibt es außerdem Versuche, das Wasser zu halten und es nicht gleich durch Rohre abzuleiten“, sagt er. Ob das nun durch Zisternen, begrünte Dächer oder große Versickerungsbecken in Parks oder an Gebäuden ist – so könnte manches Starkregenereignis abgeschwächt werden. „Die Stadt muss zum Schwamm werden.“

Hochwasserschutz in Pieschen: So geht es weiter

16. November, 10 Uhr: Präsentation der Voruntersuchungsergebnissein der Oberschule Pieschen, Robert-Matzke-Straße 14 (Schulsaal 2. Etage)

13 Uhr: Gebietsbesichtigung bei einem Rundgang mit Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne), Treff an der Straßenbahnhaltestelle Altpieschen/Pieschener Molenbrücke

18. November bis 6. Dezember: Öffentliche Auslegungder Voruntersuchungsergebnisse im Umweltamt und im Stadtbezirksamt Pieschen, Dokumente auch im Internet einsehbar unter www.dresden.de/de/stadtraum/umwelt/umwelt/hochwasser/oeffentlichkeitsbeteiligung.php

18. Januar 2020, 10 bis 13 Uhr: Werkstatt zu Konfliktpunkten bei Trassenführung und Gestaltung der Hochwasserschutzanlagen im Gymnasium Pieschen, Erfurter Straße 17

30. Januar 2020, 18 Uhr: Abschlussforum: Prozessergebnisse und weiteres Vorgehen werden vorgestellt im Stadtbezirksamt Pieschen, Bürgerstraße 63

Bis zum Sommer soll der Stadtrat ein Ergebnis des Beteiligungsprozessesbeschließen.

Bis Ende 2020 wird die Planung für den Hochwasserschutzin Pieschen aktualisiert und anschließend vom Stadtrat beschlossen.

2021 wird die fertige Planung in den zweiten Zyklus der Hochwasserschutzplanung beim Freistaateingebracht. Dieser entscheidet über seinen Staatsbetrieb Landestalsperrenverwaltung das weitere Vorgehen.

Von Uwe Hofmann

Um die Ausbaupläne für die Zwickauer Straße in Dresden hat sich eine rege Debatte entzündet. Befürworter des Radverkehrs fordern eine sichere Verbindung von Plauen ins Zentrum. Nun hat die Radfahrerlobby mit einer konkreten Idee nachgelegt.

15.11.2019

Am Samstag geht die Hope-Gala bereits in die 14. Ausgabe: Mit einem bunten Bühnenprogramm wollen die Veranstalter um Viola Klein Spenden für Südafrika sammeln.

15.11.2019
Lokales Zentrum für Schienenverkehr Bund stärkt Forschung in Dresden

Gute Nachricht für den Forschungsstandort Dresden: Der Bund stärkt die Verkehrsforschung in der sächsischen Landeshauptstadt mit mehr Geld und mehr Personal.

15.11.2019