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Dresden Lokales Hier lagern Dresdens Schätze
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16:17 05.09.2019
Skulpturen wie diese hat der ein oder andere Dresdner vielleicht schonmal im Stadtgebiet gesehen. Derzeit ist für sie jedoch kein Platz. Quelle: D. Flechtner
Dresden

Denkmäler wollen für die Ewigkeit gebaut werden. Monumentale Werke oder filigrane Bildnisse, die kommende Generationen an Ereignisse oder Menschen erinnern sollen. Doch für die Ewigkeit sind die wenigsten Exemplare – entweder bröckelt der Stein oder die Bronzefigur wurde zu Kriegszeiten eingeschmolzen, um Waffen daraus herzustellen.

Im Dresdner Lapidarium lagern diese Zeichen der Zeit, die entweder gerade keinen geeigneten Platz im Stadtgebiet finden oder kurz vorm endgültigen Verfall stehen. Die Bezeichnung leitet sich von dem lateinischen Wort lapis ab, was Stein bedeutet. Eine Steinsammlung lässt sich auch im Dresdner Lapidarium finden – allerdings ergänzt um Objekte aus Bronze, Eisen, Holz und Keramik.

Alte Kunstwerke sollen neue Plätze finden

Gerd Pfitzner vom Amt für Kultur und Denkmalschutz kennt sie alle. Mit alle sind die über 7100 eingelagerten Fragmente gemeint, von denen bisher 5066 erfasst und in einer Datenbank abgespeichert sind.

Die Geschichten dahinter könnten kaum unterschiedlicher sein: So wartet die Figur „Zwei Mütter mit Kindern“ darauf, dass ein geeigneter Standort in der Stadt gefunden wird. Früher standen sie im Touristengarten hinter den Hotels Bastei, Königstein und Lilienstein. Doch dort hat sich über die Jahre so viel verändert, dass für das Denkmal kein Platz mehr ist.

Gerd Pfitzner vom Amt für Denkmalpflege kennt sich im Lapidarium bestens aus und hat für nahezu jedes Fragment eine spannende Geschichte auf Lager. Quelle: Dietrich Flechtner

Mehr Glück hatten da die Brunnenelemente von der Prager Straße. Nachdem diese vom Hochwasser 2002 zerstört wurden, lagerte die Stadt die Elemente im Lapidarium ein. Ein Teil der Pilze und Pusteblumen wurde inzwischen für einen Brunnen in Prohlis verwendet, die Trichter finden gerade eine Bleibe im neuen Brunnen am Dippoldiswalder Platz.

Neben Fassadenteilen, Sockelfiguren oder gar Grabsteinen des früheren Frauenkirchenfriedhofs liegen Elemente, deren Bedeutung sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Kein Wunder, wenn man sich die Erklärung von Gerd Pfitzner anhört: „Das sind Klumpen aus geschmolzenen Materialien wie Stein und Metall. Die wurden direkt nach dem Bombenangriff 1945 aus dem Stadtgebiet geborgen“ – Zeichen einer verheerenden Zeit.

Altes und Neues aus dem Stadtgebiet lagert in der Ruine der Zionskirche – manches nur vorübergehend, anderes für immer.

Ruine der Zionskirche ist selbst nur ein Fragment

Geschützt werden die Fragmente in der Ruine von einem Blechdach. Dieses Gebilde aus Stäben und Blech ist so konstruiert, dass es jederzeit abgebaut werden kann, ohne die historische Bausubstanz der Ruine zu beschädigen. Die Ruine selbst ist das Überbleibsel der einstigen Zionskirche. Diese wurde 1912 nach vierjähriger Bauzeit geweiht und war Anlaufpunkt für rund 1100 Gläubige. In der Nacht zum 14. Februar 1945 brannte diese bis auf die Grundmauern nieder. Danach versammelte sich die Zionsgemeinde in einer Holzbaracke, welche ein Hilfswerk in Schweden spendete. Dort hatten gerade mal 100 Menschen Platz, doch „nach dem Krieg waren die Kirchengemeinden viel kleiner“, erklärt Pfitzner. Die Holzbaracke steht heute noch neben der Ruine der Zionskirche.

Bis das zentrale Lapidarium 1995 hier entstand, lagerten die Fragmente in verschiedenen Teilen der Stadt, beispielsweise im Schloss oder auch unter der Brühlschen Terrasse. Zum Tag des offenen Denkmals können die Besucher die Zeichen der Zeit aus Dresdens Geschichte zwischen 10 und 14 Uhr selbst bestaunen.

Tag des offenen Denkmals in Dresden – Programmtipps von Amtsleiter Manfred Wiemer

Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 8. September gibt es in diesem Jahr in Dresden so viele Denkmäler wie noch nie zu sehen. Rund 60 Programmpunkte widmen sich dem Motto „Modern(e): Umbrüche und Kunst und Architektur“.

Eröffnet wird der Tag in einem musterhaften Ort für Moderne, Lebensformbewegungen und der Suche nach Vereinigung von Kunst und Leben: im Festspielhaus Hellerau. Mit einem gänzlich neuen Raumkonzept revolutionierte der Ort das Theater. Außerdem finden sich hier Spuren des Bauhauses, welches in diesem Jahr hundertstes Jubiläum feiert. Genaueres werden Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) und Intendantin Carena Schlewitt um 10 Uhr zur feierlichen Eröffnung des Denkmaltages erzählen.

Für das Festspielhaus ist dieser Tag darüber hinaus auch Spielzeitfest. Deshalb wird es unter anderem die rekonstruierte Appia-Bühne zu sehen geben. Außerdem berichten die Schüler der A.S. Makarenko-Schule über ihr Engagement für das Projekt „Pegasus – Schulen adoptieren Denkmale“.

Das Motto zieht sich weiter durch das Programm und die Besucher können sich auf Spurensuche nach hygienischen Standards, funktionalen Formen und menschlicheren sowie ökonomischeren Wohnverhältnissen begeben.

Manfred Wiemer, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz, kennt das Programm so gut wie kaum ein anderer. Doch alle Stätten zu besuchen, wird am Sonntag kaum möglich sein. Deshalb hat Wiemer einige Tipps für Dresdner, die sich noch nicht so recht entscheiden können:

Festspielhaus Hellerau 10 bis 11 Uhr Eröffnung des Denkmaltages, Karl-Liebknecht-Straße 5611 bis 16 Uhr halbstündliche Führungen durch das Festspielhaus14 Uhr Dancewalk Dresden – Dresdner Bürger sind eingeladen, sich gemeinsam zu Musik aus Kopfhörern durch die Hellerauer Gärten zu bewegen20 Uhr Performance „tension, break, pattern, intrigue“ mit Cindy Hammer, Joseph Hernandez, Johanna Roggan und Anna Till

Neustädter Markt/Hauptstraße/ Albertplatz 10 Uhr Führung und kunsthistorische Erläuterung mit Erika Schmidt und Antje Kirsch von der Bürgerinitiative „Neustädter Freiheit“, Treffpunkt: Goldener Reiter12 Uhr Führung „Die Hauptstraße – Straße des Barock oder der Ostmoderne?“ mit Daniel Fischer und Martin Neubacher (Netzwerk ostmodern), Treffpunkt: Goldener Reiter14 Uhr Führung „Ostmoderne am Albertplatz“ mit Daniel Fischer und Martin Neubacher, Treffpunkt: vor dem Restaurant „Der Löwe“, Hauptstraße 48

Ehemaliger Fleischverarbeitungsbetrieb „Vorwärts“ 10, 11 und 12 Uhr Führungen zur Baugeschichte sowie der historischen und geplanten Nutzung, maximale Teilnehmerzahl 15 Personen pro Führung, wird derzeit saniert und zu einem Bürogebäude umgebaut, Veranstaltung im Rahmen der Sonderausstellung „Dresdner Moderne 1919 bis 1933: Neue Ideen für Stadt, Architektur und Menschen“ des Dresdner Stadtmuseums, Fabrikstraße 13

Gemeindezentrum der ev.-luth. Philippus-Kirchgemeinde in Gorbitz 14 bis 18 Uhr geöffnet, das Gebäude wurde als Beispiel besonders gelungener Sakralarchitektur 2018 in Denkmalliste aufgenommen, stündlich Führungen durch das Bauwerkam Leutewitzer Ring 75, Vortragvon Architekt Ulf Zimmermann, Orgelmusik

Friedenskirche in Löbtau 13 bis 17 Uhr offene Kirche an der Wernerstraße 32, sogenannte Notkirche für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, Führungen und Erklärungen zum Gebäude nach Bedarf

49. Grundschule in Plauen 10 bis 13 Uhr geöffnet, letzte Plattenbauschule des Typs „Dresden-Atrium“, halbstündliche Führungen mit Schülern und Lehrenden, Bernhardstraße 80

Filmtheater Schauburg 10 und 11 Uhr Führungen, vier Umbauphasen seit Erbauung 1927, Königsbrücker Straße 55

Sachsenbad 11-14 Uhr Infostand der Bürgerinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad!“ vor dem Gebäude, Wurzener Straße 18, Eröffnung der Zeitzeugen-Ausstellung und Mitmachaktion „Erzähl mir was!“, keine Begehung des Sachsenbads möglich

Villa Mary Wigman 11 und 13 Uhr gestaltete Führungen durch das Ensemble mit Mitgliedern des Vereins Villa Wigman für Tanz, Bautzner Straße 107, Verein will Gebäude wiederbeleben

Internet: Das komplette Programm gibt es unter www.dresden.de/denkmaltag

Der Denkmaltag in der Region

Nicht nur in Dresden gibt es am Tag des offenen Denkmals einiges zu entdecken. Auch in der Region können sich die Besucher am Sonntag auf Spurensuche nach Umbrüchen in Kunst und Architektur begeben. Beispielsweise hier:

Meißen 11 bis 16 Uhr öffnet Jahnhalle an der Schreberstraße 5 unter dem Motto „Gemeinsam mehr bewegen – Baugeschichte und gegenwärtige Vorhaben“, Führungen nach Bedarf10 bis 17 Uhr ist St. Afra Kirche geöffnet, lange Kaffeetafel zwischen Kirche und Kreuzgang, 13 und 15 Uhr Führungen mit Georg Krause

Radebeul ab 10 Uhr Produktionshalle der Radebeuler Maschinenfabrik August Koebig & Co. ZERMA, 10.15, 11, 13 und 14 Uhr Baustellenführungen, Meißner Straße 17ab 10 Uhr Bauernhaus, Lehmbauweise an der Coswiger Straße 1, 10, 11 und 14.30 Uhr Führungen durch Bauherren (mit Anmeldung unter k.leiteritz@web.de bis zum 6. September)10 bis 15 Uhr Hoflößnitz, Knohllweg 3716 Uhr Einweihung der Treppe im Bismarckturm

Radeberg 10 bis 17 Uhr Museum Schloss Klippenstein, 11 bis 15 Uhr Magazinführungen durch Schatzkammer Radebergs zu jeder vollen Stunde (Anmeldungen telefonisch unter der Tel.: 03528/442 600 oder per E-Mail an kontakt@schloss-klippenstein.de), 17 Uhr Chorkonzert mit Chortissimo Dresden

Pirna 10 Uhr Stadtführung mit Hobbyhistoriker Rainer Rippich zum Thema „Einblicke in Pirnas städtebauliche Entwicklung von 1919 bis 1933“, Treffpunkt: Sportschwimmhalle an der Seminarstraße 18b, Führung endet nach rund zwei Stunden an der Klosterstraße

Heidenau 14 bis 18 Uhr Wasserturm auf der Kleinsedlitzer Höhe, Aufstieg zur Aussichtsplattform über acht Meter hohe Steigleiter nur für Personen ab 18 Jahren mit festem Schuhwerk zugelassen

Internet alle geöffneten Denkmäler unterwww.tag-des-offenen-Denkmals.de

Von Lisa-Marie Leuteritz

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