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Lokales Handwerk in Ostsachsen brummt – doch die Sorgen wachsen
Dresden Lokales Handwerk in Ostsachsen brummt – doch die Sorgen wachsen
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06:09 08.11.2019
Die Chefs vieler Kfz-Werkstätten rätseln, wie es in der Autobranche weitergeht. Setzte sich das E-Auto durch? Quelle: dpa-Zentralbild
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Dresden

Den ostsächsischen Handwerkern geht es gut: Die Auftragsbücher sind voll, die meisten Betriebe über Monate hinweg voll ausgelastet. Das hat die Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer unter ihren Mitgliedern ergeben. Allerdings schauen immer mehr Handwerker besorgt in die Zukunft, vor allem jene, die mit der Autobranche und der allgemeinen Industrie verflochten sind.

„Die aktuelle Geschäftslage wird unverändert gut eingeschätzt“, betonte Kammer-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski. Doch mit Blick auf die Zukunft mache sich Flautenstimmung breit. So sei der Geschäftsklima-Index gegenüber dem Vorjahr um vier Punkte auf nun 130 Punkte gefallen. Von 2005 bis 2017 hatte dieser Index immer neue Rekordwerte erklommen. Doch nun macht sich Pessimismus breit.

Binnennachfrage läuft ungebremst

Dabei läuft es im Handwerk im Vergleich zum verarbeitenden Gewerbe sogar noch recht gut: Anders als exportorientierte Industriebetriebe, denen die internationalen Handelskriege, der Endlos-Brexit, der Dieselskandal und weitere Krisen schon seit Monaten die Geschäfte vermiesen, zehren die Handwerker noch immer von einer soliden Binnennachfrage. Das Bau- und das Ausbaugewerbe beispielsweise sind gut ausgelastet, sie gelten derzeit als die Konjunkturmotoren im Handwerk. Anders sieht es da schon bei den Zulieferern der metallverarbeitenden Industrie und in den Kfz-Werkstätten aus. Letztere investieren derzeit zwar sehr viel in neue Technik, um sich auf den Umstieg von VW & Co. in Richtung Elektroautos vorzubereiten. „Aber viele wissen nicht so richtig, wie es weitergeht“, schätzt Brzezinski ein. „Sie fragen sich, ob wirklich so viele Elektroautos verkauft werden, wie sich das die Regierung vorstellt – und wie viel Hochspannungs-Prüfstände und andere Elektrotechnik sie sich nun anschaffen müssen.“

Gefahr von Briefkastenfirmen

Ähnlich ratlos seien viele Handwerker in der Lausitz, auch in diesem Falle wegen politischer Weichenstellungen, berichtete der Dresdner Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich: Die Kammermitglieder fragen sich, wovon sie nach dem Kohleausstieg leben sollen – ein großer Auftraggeber wie der Kohlekonzern Leag lasse sich nicht so einfach ersetzen. „Da wird es nicht reichen, sechsspurige Autobahnen durch die Lausitz zu bauen“, betonte Dittrich. „Die Region braucht einen besonderen Vorteil, damit sich dort neue Unternehmen ansiedeln.“

Allerdings haben die Dresdner Wirtschaftsforscher Prof. Clemens Fuest und Prof. Joachim Ragnitz bereits davor gewarnt, die Lausitz in einer Sonderwirtschaftszone mit niedrigen Steuern zu verwandeln. Das würde laut Ifo-Präsident Fuest „wahrscheinlich vor allem dazu führen, dass sich viele Briefkastenfirmen in der Lausitz ansiedeln“.

Firmenchefs warnen Kinder vor Selbstständigkeit

Derweil machen sachsenweit wachsender Fachkräftemangel, immer neue Datenschutz- und Dokumentationspflichten sowie hohe Energiekosten vielen Handwerkern Sorgen, hat Dittrich aus den zurückgesandten Fragebögen herausgelesen. „Da sagen manche Meister: Über all dem kommt man gar nicht mehr dazu, noch dem eigenen Handwerk nachzugehen.“ Mittlerweile sei die Stimmung so, dass jeder zweite Betriebschef den eigenen Kindern eher davon abrät, sich selbstständig zu machen.

Kammerpräsident Dittrich hat daher eine Entlastung für ausbildende Betriebe, weniger Bürokratie bei Förderprogrammen, eine sichere Altersfürsorge für Selbstständige sowie mehr Kooperationen zwischen Forschern und Handwerkern von der neuen Regierung in Sachsen gefordert. Die Parteien in dieser Koalition sollten „nicht nur Wohltaten an die eigene Klientel verteilen, sondern auch an die Leistungsträger und an die Wettbewerbsfähigkeit im Freistaat denken“.

Wer nicht ausbildet, soll zahlen

Wünschenswert sei beispielsweise, Altersrücklagen von Unternehmern bis zum Grundsicherungsniveau gegen den Zugriff von Gläubigern zu schützen, wenn es zur Insolvenz kommt. Auch müsse sich der Zugang zu schnellem Internet auf dem Lande deutlich verbessern. Und Betriebe, die selber keine Lehrlinge ausbilden, sollen künftig eine Umlage zahlen, die dann ausbildenden Unternehmen zugute kommt, fordert Dittrich.

Von Heiko Weckbrodt

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