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Lokales Haltestellenbau am Neustädter Markt – DVB verlängern Arbeiten an Augustusbrücke
Dresden Lokales Haltestellenbau am Neustädter Markt – DVB verlängern Arbeiten an Augustusbrücke
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06:06 31.05.2019
Quelle: Foto: Dietrich Flechtner/Archiv
Dresden

Es ist eine Frage, die Reinhard Koettnitz bis zu seinem Ausscheiden als Dresdner Straßen- und Tiefbauamtsleiter wie aus der Pistole geschossen beantwortete, wann immer sie ihm gestellt wurde: Wann fahren die Straßenbahnen wieder über die Augustusbrücke? „Wir peilen Ende 2019 an.“ Fragt man die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), bekommt man eine ganz andere Antwort. Geht es nach ihnen, bleibt die Brücke viel länger Baustelle – und mit Bauverzug hat das einmal nichts zu tun.

Darum geht es

Seit 2017 wird die Augustusbrücke saniert. Die DVB sind davon betroffen, weil sie seither die normalerweise dort verkehrenden Linien 4 und 8 umleiten müssen, Bauherr ist die Stadt. Derzeit wird nach einigen Verzögerungen damit gerechnet, dass die umfassenden Ausbauar­beiten Mitte des Jahres 2020 fertig sind. Dann wollen die Verkehrsbetriebe selbst an der Augustusbrücke ins Baugeschehen eingreifen. Das vor allem am Neustädter Markt, wo die Haltesteige barrierefrei umgestaltet und das dortige Gleisdreieck für die neuen, breiteren Stadtbahnwagen aufgeweitet werden sollen. An der Sophienstraße am anderen Ende der Brücke wollen die Verkehrsbetriebe zudem die Gleise bis zum Postplatz modernisieren und dabei auch gleich das Pflaster austauschen. „Wir wollen den Sperrschatten nutzen“, begründet DVB-Chefplaner Andreas Neukirch diese Pläne. Der Umleitungsverkehr für die Linien 4 und 8 habe sich eingepegelt, da wolle man diese notwendigen Arbeiten gleich mit erledigen. Vor dem Herbst 2020 werde keine Straßenbahn über die Augustusbrücke fahren.

Das ist der Zeitplan

An der Sophienstraße, wo mit 1,6 Millionen Euro Baukosten für die feste Fahrbahn gerechnet wird, wollen die Verkehrsbetriebe bauen, solange die Augustusbrücke noch Baustelle ist. „Da müssen wir sehen, wie sich das in den Bauablauf dort einfügen lässt“, sagt Neukirch. „Wir sind flexibel.“ Am Neustädter Markt peilen die DVB die Sommerferien 2020 als Bauzeit an. Allerdings fehlt für das schon seit längerem vorbereitete, 3,1 Millionen Euro teure Vorhaben noch das Baurecht. Da man alle strittigen Fragen im Voraus geklärt habe, erwartet Neukirch jedoch keine Probleme. „Auch wenn bis zum Baubeginn das Befahren der Augustusbrücke möglich sein sollte, wollen wir die Linienführung in so kurzer Zeit nicht mehrfach ändern“, begründet der DVB-Chefplaner, warum die Augustusbrücke die meiste Zeit des Jahres 2020 ohne Straßenbahn bleibt – ob nun fertig saniert oder nicht.

Ende Oktober 2018 präsentierte der damalige Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz die überraschend aufgefundenen Steinbögen des Brückenvorgängers aus romanischer Zeit. Wie man sieht, wurden diese vor reichlich 100 Jahren verfüllt, wobei über die Jahre unter dem Bogen ein etwa zehn Zentimeter hoher Spalt gebildet hat. Der wird nun erneut verfüllt. Quelle: Archiv/ Dietrich Flechtner

Das ist das Problem

Das ist je nach Betrachtung um die 100 oder um die 800 Jahre alt: Als im Herbst 2018 bei der Brückensanierung Reste des romanischen Vorgängerbaus in der Augustusbrücke auftauchten, jubelten die Archäologen. Für die Planer stellten die alten Steinbögen jedoch ein Problem dar – sie mussten die Leitungsführung neu überdenken, was seinen Anteil am Bauverzug hat. Auch DVB-Chefplaner Neukirch konnte seine Pläne zum Haltestellenneubau über den Haufen werfen. Er schüttelt noch heute den Kopf, wenn er an die unerwarteten Relikte denkt, die vor reichlich 100 Jahren bei der Errichtung der jetzigen Augustusbrücke einfach verfüllt, zugebaut und nicht verzeichnet wurden. „Vielleicht mussten die Bauleute damals schnell fertig werden und haben nicht viel Aufhebens um die alten Bögen gemacht“, vermutet er.

Das ist die Lösung

Heute ist das anders. Schwierig sind die Brückenreste vor allem, weil sie direkt unter den Gleisen liegen. Die Verkehrsbetriebe gehen deshalb schon auf die mindestmögliche Bautiefe, müssen aber dennoch bei einigen, hervorragenden Steinen bis zu fünf Zentimeter abtragen. „Dazu hat der Denkmalschutz vergangene Woche seine Zustimmung gegeben“, sagt Neukirch. Gravierender noch war die ungeklärte Frage der Statik. Niemand weiß, wie die Altbögen gegründet sind. Es lasse sich nur sagen, dass sie stehen. „Kein Statiker kann jedoch berechnen, wie“, sagt Neukirch. Also werden sie verfüllt. Dafür werden einige Löcher in die Bögen gebohrt und dann ein sogenannter Dämmer, ein Spezialbaustoff zum Verfüllen von Hohlräumen, eingefüllt. „Wir gehen davon aus, dass das wenigstens die nächsten 60 Jahre hält.“

Das ist das Ergebnis

Am Ende der Arbeiten steht eine komplett erneuerte Gleisstrecke zwi­schen Postplatz und Neustädter Markt. Kleinere Arbeiten werden an der Haltestelle „Neustädter Markt“ auf der Großen Meißner Straße erledigt. Auf der Brückenrampe ist mehr zu tun. Dort werden die Haltesteige für die Linie 8 barrierefrei ausgebaut. Dafür wird die Fahrbahn, auf der künftig nur Radler, Taxis und Busse fahren dürfen, angehoben, um Fahrgästen den ebenerdigen Zutritt in die Niederflurwagen zu ermöglichen. Das Dresdner Kombibord wird auf der Brücke erstmals in Granit gesetzt – ein Zugeständnis an den Denkmalschutz.

Von Uwe Hofmann

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