Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Häubchen werden seltener – Wie es heute bei der Diakonissenanstalt Dresden zugeht
Dresden Lokales Häubchen werden seltener – Wie es heute bei der Diakonissenanstalt Dresden zugeht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:28 17.05.2019
Die Diakonissenschwestern Margarete Herold, Christel Kornfeld und Ruth Mäbert (von links) erinnern sich an ihre Anfänge in der Dresdner Diakonissenanstalt. Heute sind die Damen mit den weißen Häubchen eine Minderheit. Quelle: Steffen Giersch
Dresden

Dass die evangelische Kirche Sozialeinrichtungen betreibt, ist heute selbstverständlich. Doch bis ins 19. Jahrhundert betrachtete das die lutherische Kirche in Sachsen nicht als ihre Aufgabe. Dabei war die Not unter den ärmeren Schichten der rasch wachsenden städtischen Bevölkerung unübersehbar, besonders extrem in der damaligen Dresdner Antonstadt. Hier gab es nicht einmal ein Krankenhaus.

Wer handelte, waren vier adlige Damen. Sie gründeten ein Komitee, um kranken, armen und alten Menschen zu helfen. Unterstützung dafür mussten sie sich fernab vom sächsischen Königreich suchen, in Kaiserswerth, heute Teil der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Dort hatten der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner und seine erste Frau Friederike 1836 die erste Diakonissenanstalt in Deutschland gegründet. Er sandte zwei Diakonissen an die Elbe. Deren Arbeit begann mit sechs Krankenbetten in einem gemieteten Haus an der Böhmischen Gasse. Am 19. Mai 1844 weihte Pfarrer Fliedner die Einrichtung ein und gründete damit die Diakonissenanstalt Dresden. Ihr 175-jähriges Bestehen feiern die Mitarbeiter am Sonntag in einem Festgottesdienst.

Begonnen hatte die christliche Privatinitiative mit einem Krankenhaus. Bis heute setzen die meisten die Diakonissenstalt mit dem Krankenhaus zwischen Bautzner Straße und Holzhofgasse gleich. Tatsächlich jedoch ist sie inzwischen zu einem komplexen Gebilde mit mehreren Zweigen geworden. Außer dem medizinischen Sektor, dem größten, gehören dazu Einrichtungen für Senioren, Behinderte, Berufsfachschulen, Dienstleistungsunternehmen, zwei Gästehäuser in Dresden und Graal-Müritz sowie die Hostienbäckerei, die bereits seit 1866 Oblaten für das Heilige Abendmahl produziert. Rund 1560 Menschen beschäftigt die Diakonissenanstalt heute.

Im 19. Jahrhundert war es für junge Frauen attraktiv, dort zu arbeiten. Umfassende Ausbildung, anspruchsvolle wie anerkannte Tätigkeit fanden „Jungfrauen und Witwen“ nicht so häufig. Rasch wurden weitere Häuser an der Bautzner Straße errichtet, 1863 gründeten sie eine Zweigstelle in Radebeul, übernahmen eine Schule und gründeten eine neue. 1893 eröffnete das heutige Krankenhaus, damals das modernste.

Nach der Zerstörung 1945 und dem Wiederaufbau blieb das Krankenhaus zu DDR-Zeiten beliebt, nicht zuletzt, weil der besondere christliche Geist für die Patienten im Alltag spürbar war. Mit einigen Startschwierigkeiten ging es nach 1990 in die Marktwirtschaft. Ende der Neunziger stand die Diakonissenanstalt sogar kurz vor der Insolvenz, erholte sich aber. Zu bewähren hat sie sich heute im harten Konkurrenzkampf mit Privaten. Zugleich jedoch will sie die christliche Tradition bewahren.

Deswegen gilt die Diakonissenhauskirche als „Herzstück“. 1929, als sie errichtet wurde, waren hier etwa tausend Diakonissen beschäftigt. Doch die Damen mit den weißen Häubchen sind älter und zu einer Minderheit geworden. Nachfolgerinnen für ihre Lebensform, die gesamte Existenz in den Dienst am Menschen zu stellen, auf Familie zu verzichten und sich einer Gemeinschaft unterzuordnen, gibt es keine.

Esther Selle, seit 2001 Oberin, eingesegnet 1994, ist die letzte Neue. 2007 sah die heute 57-Jährige den Punkt der Entscheidung gekommen: Hätten sie alles so gelassen, wäre es „ein Abschieds- und Sterbeprozess von vielleicht 30 Jahren“ geworden, erzählt sie. Die Alternative, die sie vorschlug: den Zirkel der Diakonissen zu öffnen für Mitglieder der Diakonischen Schwestern- und Bruderschaft sowie aus der Evangelischen Mitarbeitergruppe, somit auch Männer aufzunehmen. Auf einhellige Zustimmung sei dies keineswegs gestoßen. „Heute aber sind alle überzeugt, dass es richtig war.“

Um 35 neue Mitglieder ist die Gemeinschaft seit 2007 gewachsen - etwa so viele wie in dieser Zeit verstorbene Diakonissen. Von den 135 Mitgliedern sind noch 29 Diakonissen, die meisten in hohem Alter. Ehrenamtliches Engagement der Gemeinschaft sorgt für reges geistlichen Leben. Die Mitglieder singen in der Kantorei, halten als Aufsicht die Kirche tagsüber für Besucher offen, organisieren Besuchsdienst und die noch bis November laufende Reihe „Diako-Geschichte(n)“.

So bleibt das christliche Profil erhalten, auch wenn sich die Einrichtung weiter verändert. Derzeit wird an der Alten Wäscherei ein Neubau für die Berufsfachschulen errichtet. Dort werden künftig auch Frauen und Männer im neuen akademischen Studiengang „Pflege dual“ ausgebildet.

Von Tomas Gärtner

Die Dresdner Verkehrsbetriebe legen Anfang Juli die Buslinien 75 und 94 zusammen. 1700 neue Fahrgäste soll das bringen – und später einen neuen Namen. Wir erklären, die Vor- und Nachteile und warum es so lange dauert.

17.05.2019

In Dresden wird seit Donnerstag einem 40-jährigen Palästinenser der Prozess gemacht, der tausende Flüchtlinge auf schrottreifen Schiffen übers Mittelmeer geschleust haben soll. Er und seine Komplizen nahmen bis zu 6000 Dollar pro Fahrt von den Flüchtlingen.

16.05.2019

Inzwischen haben sechs Anbieter Interesse bekundet, in der Stadt ein Leihsystem für Elektroroller aufbauen zu wollen. Die Stadt will mit freiwilligen Vereinbarungen verhindern, dass es wie anderswo Probleme gibt – und setzt unter anderem auf „rote Zonen“ und eine automatische Regulierung des Tempos.

16.05.2019