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Lokales Hätten die Juwelendiebe noch geschnappt werden können?
Dresden Lokales Hätten die Juwelendiebe noch geschnappt werden können?
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22:43 26.11.2019
Vom Einbruch betroffenen: die Brillantgarnitur mit dem ausgeliehenen Grünen Diamanten (unterlegt),...
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Dresden

Das Video, das die Täter im Historischen Grünen Gewölbe am frühen dunklen Montagmorgen zeigt, trägt einen Zeitstempel. Um 4.57 Uhr sieht man, wie eine vermummte Person mit der Axt auf die Vitrine im Juwelenzimmer einschlägt. Immer und immer wieder, bis sich die Spitze des Werkzeugs durch das Glas gearbeitet hat. Die Polizei teilte am Montag aber mit, der Notruf über einen Einbruch im Schloss sei bei ihr um 4.59 Uhr eingegangen – von der Sicherheitszentrale der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aus.

Zwei Minuten nur. Vielleicht etwas mehr, vielleicht etwas weniger. Zwei entscheidende Minuten aber, die vielleicht teuersten zwei Minuten der jüngeren deutschen Museumsgeschichte. Denn in dieser kurzen Spanne liegt die Möglichkeit – um diesen Konjunktiv lässt sich einfach nicht herumsegeln –, dass die Diebe, die versuchten, drei Edelsteingarnituren aus dem 18. Jahrhundert mitzunehmen, womöglich noch am Tatort hätten gestellt werden können.

Schlüsselmoment für die Aufklärung

Angesprochen auf diese Lücke von zwei Minuten, konnte auch Michael John, Leiter Bau, Technik und Sicherheit der SKD, am Dienstag keine Antwort geben. Er räumte jedoch sofort ein, „dass diese Frage entscheidend ist“. Sie soll, das muss an dieser Stelle eingefügt werden, keine platte Schuldzuweisung implizieren. Die Antwort darauf bleibt aber offenbar ein Schlüsselmoment für die Aufklärung jener dunkelsten Stunde am Montagmorgen.

Die Diamantrosengarnitur, deren Bruststern doch nicht den Dieben in die Hände fiel. Quelle: SKD

John, der am Dienstag gemeinsam mit SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann, Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, und dem kaufmännischen Direktor Dirk Burghardt vor die Presse trat, sagte, dass es einer der furchtbarsten Tage seines Lebens sei. „Genau das wollten wir in Dresden nicht erleben.“ Nun beginne eine Diskussion über die Sicherheitsstandards in den Museen. „Und das wird auch Zeit.“

Polizei wurde sofort an den Ort des Geschehens geführt

Diese entsprechenden Standards in Dresden sah die SKD-Führungsriege als erfüllt an. Eine mit zwei Leuten besetzte Sicherheitszentrale (den Angaben zufolge gibt es mehrere davon) hätte statt des Alarmknopfes die 110 gewählt, nachdem drei Alarmierungen ausgelöst worden seien, sagte Burghardt. Mit dem Ruf der Nummer sei von Anfang an alles aufgezeichnet worden.

Daraufhin blieb einer der beiden, laut Vorschrift, in der Zentrale zurück, der andere ging zum Diensteingang und erwartete die Polizei, die dann sofort durch das Gewirr der Schlossräume an den Ort des Geschehens geführt wurde. Burghardt verteidigte auch die Zurückhaltung der Wachleute. Sie hätten sich wegen der Brutalität der Einbrecher entschieden, nicht zum Tatort zu gehen. Anders als am Montag bekanntgegeben, sind die Wachleute bewaffnet. Wie genau, dazu hielt sich die Museumsspitze bedeckt.

Kosten für Sicherheit sind gestiegen

Das gemeinsam mit Landeskriminalamt, Polizei sowie dem Sächsischen Immobilen- und Baumanagement erarbeitete Sicherheitskonzept wurde nicht in Frage gestellt. Laut Ackermann geben die SKD etwa acht Millionen Euro pro Jahr für Sicherheit aus. Sowohl die Kosten als auch die Personalzahlen seien in diesem Bereich gestiegen, sagte Burghardt.

Der Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen (Katalogabbildungen, keine Vitrinenfotos). Quelle: SKD

Die Dunkelheit, die die Diebe offenbar durch die Kappung der nahegelegenen Straßenbeleuchtung auslösten, hat nach Ansicht Ackermanns dazu geführt, dass „eine ganze Menge übersehen worden ist“, wie sie mit Blick auf die Exponate in der Vitrine anmerkte. So kann im Unglück der glückliche Umstand herausgestrichen werden, dass mehr Stücke der drei Edelsteingarnituren noch im Schloss verblieben sind, als zunächst gedacht – darunter der zuerst als vermisst geltende Degen mit Scheide (Brillantgarnitur) und der Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens (Diamantrosengarnitur). Eine exakte Aufstellung über vermisste und noch im Grünen Gewölbe aufgefundene Stücke soll es im Verlauf des Mittwochs geben.

„Es sieht aus wie auf dem Schlachtfeld“

Syndram konnte sich am Dienstagnachmittag einen ersten Eindruck verschaffen, nachdem die Kriminaltechnik den Tatort ausgiebig unter die Lupe genommen hatte. „Die Vitrine ist in einem fürchterlich desolaten Zustand“, sagte er. „Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld.“Dennoch zeigte er sich wegen der geringer ausgefallenen Verluste etwas erleichtert.

Das Fenster, durch das die Diebe eingestiegen sind, war „mit großer Intensität rausgestemmt“ worden, erzählte Syndram. Dem dort angebrachten Gitter waren die Täter zuvor möglicherweise eher mit Kälte als mit einem Trennschleifer oder ähnlichem beigekommen.

Grünes Gewölbe bleibt zu

Ackermann betonte noch einmal den Wert der betroffenen Sammlung. Die Stücke hätten den Zweiten Weltkrieg überlebt, die Auslagerung in die Sowjetunion und die Rückkehr von dort. Am Mittwoch soll das Schloss inklusive des Neuen Grünen Gewölbes wieder öffnen. Das Historische Grüne Gewölbe bleibt jedoch bis auf weiteres geschlossen.

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Von Torsten Klaus

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