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Lokales Grünes Gewölbe: Die Diebe stahlen weniger als befürchtet
Dresden Lokales Grünes Gewölbe: Die Diebe stahlen weniger als befürchtet
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21:00 27.11.2019
Die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste gehört zu dem Diebesgut. Quelle: Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa
Dresden

Das Aufatmen dürfte groß gewesen sein. Schon Dienstag befeuerte die erste Sichtung des Tatortes im Historischen Grünen Gewölbe durch Direktor Dirk Syndram die Hoffnung, dass den Dieben weniger Preziosen als befürchtet in die Hände gefallen sind. Seit Mittwoch lässt sich sagen: Die Täter haben deutlich weniger erbeutet als anfangs angenommen.

Elf Objekte, Teile von zwei Objekten sowie eine Gruppe von Rockknöpfen wurden bei dem spektakulären Einbruch erbeutet. Was angesichts der in der gewaltsam geöffneten Vitrine befindlichen drei Edelsteingarnituren mit insgesamt rund 100 Objekten den Schluss zulässt, dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hier, trotz der Verluste, mit einem blauen Auge davongekommen sind.

Die Kunstobjekte enthalten Diamanten in verschiedenen Schliffformen, die zum allergrößten Teil von August dem Starken und August III. erworben worden waren. Ihre Fassungen erhielten sie den SKD zufolge größtenteils zwischen 1782 und 1789.

Das Diebesgut ist penibel aufgelistet

Das Diebesgut sei an dieser Stelle dennoch penibel aufgelistet. Aus der Diamantrosengarnitur fehlen: ein Degen, zwei gewölbte Schuhschnallen, das Kleinod des polnischen Weißen Adler-Ordens, eine Hutagraffe, eine große Diamantrose, eine Epaulette (noch ein Teilstück vorhanden) und zehn Rockknöpfe (einzelne erhalten). Aus der Brillantgarnitur fehlen: ein Hutschmuck (ein sogenannter Reiherstutz), eine Epaulette mit dem Sächsischen Weißen Brillanten und der Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens. Vom Diamantschmuck und den Perlen der Königinnen fehlen: die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste, eine Aigrette für das Haar in Form einer Sonne, das Teilstück eines Muffhakens und das Brillantkollier der Königin Amalie Auguste (ebenfalls in Teilen erhalten).

Schlimm genug: Elf Objekte wurden aus dem Dresdner Schloss gestohlen, von zweien zumindest Teile.

Diebe konnten sich nicht ausgiebig bedienen

Offenbar war es den Dieben am frühen Montagmorgen trotz ihres erfolgreichen brachialen Einstiegs in das Juwelenzimmer nicht gelungen, sich nach dem gewaltsamen Öffnen der Vitrine ausgiebig an deren Bestand zu bedienen. Das Juwelenzimmer beherbergt 15 Wandvitrinen, sieben freistehende Vitrinen und 694 Objekte. Die SKD wollten die gute Nachricht über das nüchterne Vermelden hinaus nicht weiter kommentieren. Unterdessen hatte das Dresdner Residenzschloss am Mittwoch erstmals nach dem Juwelendiebstahl wieder geöffnet. Der Andrang hielt sich dabei in Grenzen. Das Historische Grüne Gewölbe bleibt vorerst geschlossen.

Kulturstaatsministerin nimmt die Sicherheit von Museen in den Blick

Nach dem Einbruch in Dresdens Schatzkammer hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Sicherheit der Museen in den Blick genommen. Zusammen mit dem Deutschen Museumsbund will sie mit Experten auf einer Sicherheitskonferenz darüber beraten, wie Museen ihre Objekte gegen ein derart brutales Vorgehen wie das der Diebe in Dresden schützen können und dabei für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

„Ein Museum ist kein Tresor, es wird daher immer ein Restrisiko geben“, sagte Grütters. Es müsse alles unternommen werden, um das Risiko so weit wie möglich zu minimieren. Zum konkreten Termin gab es zunächst keine Informationen. Die Vorbereitungen liefen gerade erst an, hieß es. Grütters widme sich dem Thema „mit Nachdruck“.

Sicherheitsstandards des Schlosses entsprechen Standards

Zuvor hatte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, angeregt, dass sich „Ermittlungsbehörden wie Bundeskriminalamt, Landeskriminalämter und Sicherheitsfachleute der Museen zusammensetzen und beraten, wie darauf reagiert werden kann“. Parzinger fordert konkrete Schritte: „Wir sollten eine kleine Taskforce einsetzen, die sich genau darüber Gedanken macht aufgrund dieser ganz spezifischen neuen Gefährdungslage.“

Nach Angaben des Museumsbunds entsprechen die Sicherheitssysteme des Dresdener Schlosses international üblichen Standards und haben den Einbruch sehr schnell aufgedeckt. Es sei dennoch nachvollziehbar, dass sie nun hinterfragt und überprüft werden. Der Museumsbund hatte die Gründung eines Arbeitskreises zu Gebäudemanagement und Sicherheit beschlossen, dem sich bislang 70 Museen angeschlossen haben.

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