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Lokales Völlig unnötig? Grüne wollen vierspurigen Ausbau der Magdeburger Straße stoppen
Dresden Lokales Völlig unnötig? Grüne wollen vierspurigen Ausbau der Magdeburger Straße stoppen
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09:50 24.04.2019
Schon vor Jahren hatte der Stadtrat den vierspurigen Ausbau der Magdeburger Straße beschlossen. Die Grüne wollen die Pläne jetzt kippen und fordern mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Die Ausbaupläne sind ur­alt – könnten nun aber schon bald erneut den Dresdner Stadtrat be­schäftigen. Vor 15 Jahren hatte der den vierspurigen Ausbau der Magdeburger Straße in der Friedrichstadt beschlossen. Völlig überdimensioniert und nicht mehr zeitgemäß, sagen die Grünen und fordern eine Überarbeitung. Zwei Spuren ge­­nügen, lautet die Forderung der Fraktion, stattdessen mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Einen entsprechenden Antrag wollen die Grünen nun in den Rat einbringen.

Lichdi: „Eine zweispurige Straße ist völlig ausreichend“

2004 hatte der Stadtrat mehrheitlich für den Ausbau der Magdeburger Straße – Teil der Bundesstraße 6 – gestimmt, der vier statt wie bisher zwei Spuren vorsieht – beide Fahrtrichtungen ge­­trennt von ei­nem Mittelstreifen. Ein Radweg ist in den Plänen derweil nur auf der nördlichen Seite angeordnet. Eine eindeutig einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtete Planung, die nach Ansicht von Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi nicht den heutigen Anforderungen entspricht.

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Der Verkehrspolitiker verweist dabei vor allem auf die tatsächlichen Verkehrsmengen. Demnach rollen auf dem Abschnitt westlich von der Schlachthofstraße 15000 Au­tos pro Tag – auf dem östlichen Ab­schnitt sind es gerade einmal 6500. „Eine zweispurige Straße ist deshalb völlig ausreichend“, sagt Johannes Lich­di. Entsprechend soll die Stadtverwaltung nun umplanen – und dabei auch breite Gehwege, den tatsächlichen Anforderungen gerecht werdende Radwege sowie eine Begrünung des Umfelds einplanen.

Und gerade bei den Anforderungen hätte sich einiges neu ergeben. Durch die Sportanlagen seien dort viele Kinder und Jugendliche zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. „Wir haben in dem Bereich bereits aktuell eine schwierige Situation“, weiß Jo­hannes Lichdi. Der Grünen-Stadtrat schaut zudem auch in die Zukunft: „Ich gehe fest davon aus, dass auf den Brachen südlich von der Magdeburger Straße künftig neue Wohnungen gebaut werden.“ Dabei spiele dann nicht zuletzt auch noch der Lärmschutz eine Rolle.

Rasche Umsetzung nicht in Sicht

Mit dem vierspurigen Ausbau wä­re zudem eine deutliche Verbreiterung der Straße verbunden. Ein Großteil der an der nördlichen Seite gepflanzten Platanen müsste dann gefällt werden. Johannes Lichdi be­tont ausdrücklich, dass es nicht da­rum gehe, Autofahrer zu benachteiligen. „Wir wollen den prognostizierten Autoverkehr nicht behindern, aber auch nicht mehr An­ge­bo­te machen, als erforderlich“, so der Stadtrat, der angesichts der heftigen Kontroversen um ähnlich ge­lagerte Konflikte an der Albertstraße oder am Zelleschen Weg auch in Richtung des politischen Gegners austeilt: „Uns wird vorgeworfen, wir ma­chen eine irrationale Verkehrspo­litik. Aus meiner Sicht ist es aber durchaus rationell, sich an die gültigen Kriterien zu halten.“

Auf welcher Grundlage die Straße einst vierspurig geplant wurde, konnte so ad hoc am Donnerstag in der Stadtverwaltung niemand sa­gen. Die Vorplanungen liegen lange zurück. „Wir werden uns den Entwurf noch einmal genau an­schauen, wenn wir die Planung weiterführen“, erklärt der Dresdner Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Dabei werde geprüft, ob sich inzwischen Parameter geändert oder Verkehrsplaner neue Er­kenntnisse gewonnen haben, kündigt der Verwaltungschef an.

Eine rasche Umsetzung nach der bisherigen Beschlusslage steht oh­nehin nicht auf der Agenda. „We­der die weitere Planung noch die Baumaßnahme sind im Haushalt finanziert“, sagt Raoul Schmidt-Lamontain. Der Ausbau der Magdeburger Straße habe keine Priorität. Es bleibe ausreichend Zeit, sich das Vorhaben noch einmal in aller nötigen Ruhe anzusehen.

Von Sebastian Kositz