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Lokales Grüne wollen Waldschlößchenbrücke für Graffiti-Sprayer freigeben
Dresden Lokales Grüne wollen Waldschlößchenbrücke für Graffiti-Sprayer freigeben
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10:45 11.09.2019
Die Grünen wollen legale Graffiti an der Waldschlößchenbrücke. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ist das Kunst oder kann das weg? – In Sachen Graffiti ist der aus dem Stadtrat gewählte CDU-Politiker Gunter Thiele klarer Meinung: Sie müssen weg. Im Stadtbezirksbeirat Neustadt stieß er mit einem Antrag seiner alten Fraktion, Graffiti in der Dresdner Innenstadt binnen 24 Stunden zu beseitigen, auf Ablehnung. Vom CDU-Vorschlag blieb nach Debatte und Abstimmung ei­gentlich nur ein Teil übrig: Dass im Stadtgebiet neue legale Flächen für Sprayer zu finden sind. Einen Vorschlag dazu gibt es auch: „Wir sollten die Waldschlößchenbrücke für Sprayer frei geben“, schlug Klemens Schneider (Grüne) vor und bekam dafür die Zustimmung des Stadtbezirksbeirats.

Die Lage: Graffiti nerven – vor allem auf Sandstein

24 Stunden. So lange hat es nach Auskunft des Straßen- und Tiefbauamts gedauert, bis frisch geputzte und besonders empfindliche Sandsteinflächen an und um der Albertbrücke wieder beschmiert waren. Al­lerdings ist dort nicht von Graffiti zu reden. „Das sind Tags und die sind das Problem“, sagt der Linke-Stadtbezirksbeirat Holger Knaak. Als Geschäftsführer der Blauen Fa­brik hat er immer wieder mal mit diesen meist sinnentleerten Duftmarken zu tun, die er anders als gestaltete Graffiti als Schmiererei bezeichnet. „Die nerven“, sagt Knaak.

Da kann man geteilter Meinung sein. In jedem Fall sind Graffiti auf Sandstein für viele Dresdner eine Todsünde. Quelle: Anja Schneider

Das sieht man auch bei der CDU so und will den Kampf aufnehmen. Die Idee: Schmierereien so schnell wie möglich entfernen, damit die Urheber des Übels wenig davon haben. 24 Stunden sollte man sich dafür im 26er-Ring zum Ziel nehmen, meint Thiele. Außerdem seien Waldschlößchenbrücke und Albertbrücke sofort von sämtlichen Schmierereien zu befreien. Dort sollte man auch über eine Überwachung nachdenken, damit das nachhaltig wirkt.

Der Realitätscheck: 24 Stunden genügen nicht

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) hält das Ansinnen der CDU schlicht für nicht machbar. Zwar werden Schmierereien verfassungs- und fremdenfeindlichen Inhalts schon jetzt so schnell wie möglich beseitigt. 24 Stunden genügen dafür jedoch nicht, weil eine Anzeige bei der Polizei aufgenommen und eine Firma verpflichtet werden muss, die dann zur Tat schreitet. Das ließe sich „selbst bei einer guten finanziellen und personellen Ausstattung nicht realisieren“, sagt Schmidt-Lamontain.

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Und von der ist man derzeit weit entfernt. Die meisten illegalen Tags und Graffiti werden daher „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ beseitigt – also wann immer Zeit und Geld dafür langt. Reichlich 50 000 Euro gab das Straßen- und Tiefbauamt dafür in den letzten Jahren aus. Wollte man alle Graffiti gleich entfernen, müsste der Stadtrat viel mehr Geld dafür bereitstellen. „Andernfalls müsste das Geld beim Un­terhalt von Straßen, Geh- und Radwegen abgezweigt werden“, sagt Schmidt-Lamontain. Dann könnten Fußwege nicht repariert werden, weil die Stadt gegen Schmierer kämpft. Zudem räumt der Bürgermeister zwar ein, dass Brücken am meisten betroffen sind, hält die Videoüberwachung so großer Bauwerke jedoch für praktisch kaum umsetzbar.

Noch ein Graffiti der freundlicheren Art: An der Carolabrücke verkünden Naddl und Ronny in mannshohen Buchstaben ihre Liebe. Quelle: Dietrich Flechtner

Und auch die Idee, bei Sandsteinflächen besonders hartnäckig zu sein, stößt an ihre Grenzen. Beim Reinigen kommen Abstrahler und Chemie zum Einsatz – beliebig oft lässt sich das Verfahren auf Sandstein nicht wiederholen. Im Stadtbezirksbeirat wurde auch ganz grundsätzlich der Sinn des CDU-Vorstoßes in Frage gestellt. „Sauberer wird unsere Stadt dadurch nicht, dass man Graffiti entfernt“, meint Beirat Christoph Meyer (SPD).

Die Lösung: Es braucht mehr legale Flächen für Sprayer

Man bemühe sich seit Jahren, Flächen für legales Sprühen zu finden, sagt Schmidt-Lamontain. Derzeit gibt es sechs davon. Hintergedanke ist, dass von Sprayern gestaltete Flächen meist nicht mehr vollgeschmiert werden. Im Idealfall gewinnt die Stadt an künstlerischen Ausdruck – Streetart – und wird das Tag-Problem los – zumindest auf dieser einen Fläche.

Hier darf legal gesprayt werden

Flutrinne (Brücke unterhalb Hornbach/Washingtonstraße)

Scheune Dresden (Einfahrt Scheune und Rückwand Katy’s Garage)

Skaterpark Marienberger/Ecke Altenberger Straße

Spike Dresden (Karl-Laux-Straße 5)

Jugendhaus Game (Gamig­straße 32)

Graffitipark Puschkinplatz

Unter www.dresden.de/stadtplan-graffiti sind die Lage sowie die Größe der Flächen auch näher einsehbar.

Dass es mehr davon braucht, ist das einzige, worauf sich alle Seiten im Stadtbezirksbeirat Neustadt einigen konnten. Wo, ist freilich umstritten. „Dass ausgerechnet die Grünen jetzt die Waldschlößchenbrücke dafür ins Spiel bringen, halte ich für mehr als merkwürdig“, sagt CDU-Politiker Thiele. Schließlich ha­be die Brücke wegen der anhaltenden Kritik an ihrem Bau bewusst einen unauffälligen Anstrich erhalten, um sie nicht hervorzuheben. Stadtbezirksamtsleiter André Barth hält es zudem für rechtlich nicht möglich, die Brücke für Sprayer freizugeben. „Da sprechen Rechte des Architekten dagegen“, sagt er. Nichtsdestotrotz fasste der Stadtbezirksbeirat diesen Beschluss – der Bedarf an Flächen für legales Sprayen ist schließlich groß. „Wir sollten auf die Streetartkünstler zugehen, mit Verboten kommt man dabei schließlich nicht weit“, sagt Ulla Wacker (Grüne).

Das bezahlt Dresden für die Graffitibeseitigung

2019hat das Straßen- und Tiefbauamt bisher 59 Graffiti registriert. Neun davon konnten ihren Verursachern zugeordnet werden, die dafür 605 Euro für die Reinigung bezahlten. Auf den übrigen knapp20 500 EuroReinigungskosten blieb die Behörde sitzen.

2018kümmerte sich das Amt um 102 Graffiti. Für acht von ihnen zahlten die Verursacher knapp 1130 Euro Reinigungskosten, die übrigen Kosten betrugen 57 150 Euro.

2017hat das Amt 107 Graffitigezählt, bei 18 von ihnen wurden die Verursacher ermittelt. Sie zahlten 5520 Euro für die Reinigung, die restlichen reichlich 50 500
Euro kamen aus der Stadtkasse.

Von Uwe Hofmann

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