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Lokales Große Hitze, wenig Regen: Wetterextreme werden in Sachsen zum Normalfall
Dresden Lokales Große Hitze, wenig Regen: Wetterextreme werden in Sachsen zum Normalfall
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16:45 24.01.2019
Das ausgetrocknete Elbufer im Juni 2018 Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Nach einem Jahrhundertsommer mit Dürre und Wassermangel sieht Sachsen sich vor viele Herausforderungen gestellt. Denn spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts könnten die Temperaturen des Jahres 2018 Normalität werden, heißt es in einer am Donnerstag in Dresden vorgestellten Klimaanalyse für den Freistaat. Darauf müssten sich nicht nur Landwirte und Gemüsebauern einstellen, berichtete das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser gilt es im Blick zu behalten. Derzeit arbeite Sachsen am nächsten „Grundsatzplan Wasserversorgung“, der den Zeitraum zwischen 2020 bis 2030 betrachtet, hieß es. Nach Einschätzung des Landesamtes ist der Freistaat in diesem Bereich aber gut aufgestellt.

Die Bilder zeigen Wettergegensätze, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

40 Prozent der Sachsen erhalten Trinkwasser aus Talsperren

Abteilungsleiter Uwe Müller verwies auf die vorhandene Infrastruktur mit zahlreichen Talsperren. Demnach erhalten 40 Prozent der sächsischen Bevölkerung ihr Trinkwasser aus Talsperren, bundesweit sind das nur zehn Prozent. Zudem sind viele dieser Wasserspeicher miteinander verbunden und können bei regionalen Engpässen den Wasserstand ausgleichen. Die Kapazitäten der Talsperren sind auf einen Verbrauch ausgerichtet, wie er Ende der 1980er Jahre zu DDR-Zeiten noch üblich war - auf etwa 200 Liter pro Kopf und Tag. Der Wert liegt heute nur noch bei 85 Liter.

Lesen Sie auch: Immer mehr Dorfbewohner sitzen auf dem Trockenen

2018 verbuchten die Experten als Jahr der Wetterextreme: Mit einem Temperaturanstieg von 2,2 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittelwert war es das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Zudem war es mit einem Rückgang der Niederschlagsmenge um 33 Prozent so trocken wie selten zuvor. Mit einer Ausnahme (2003) gab es seit 1951 noch nie so viel Sonnenschein. Die Elbe in Dresden erreichte im August mit einem Wasserstand von 45 Zentimetern einen Tiefstand. Etwa 60 „Hungersteine“ tauchten in der Elbe auf. Die Steine oder Tafeln sind mit Jahreszahlen versehen und geben und liegen nur bei extrem niedrigen Wasserständen frei.

Weniger Kartoffeln, kleine Zwiebeln, guter Rotwein

Vor allem die Agrar- und Forstwirtschaft hatten mit Wetterextremen zu kämpfen. Seit Herbst 2017 fielen in den Wäldern durch Stürme und Borkenkäfer 3,2 Millionen Kubikmeter Holz an. Normalerweise werden in den hiesigen Wäldern pro Jahr 2,3 Millionen Kubikmeter geerntet. Landwirtschaft und Gartenbau erlitten erhebliche Einbußen, bei Mais lagen die Erträge bis zu 40 Prozent unter der Normalernte, bei Kartoffeln waren es etwa ein Viertel weniger. Rund die Hälfte der Zwiebeln konnte mangels Wasser nicht auf übliche Größe wachsen und somit gar nicht verkauft werden. Lediglich der Rotwein-Qualität kam der heiße Sommer zugute.

Für dieses Jahr werden zunächst keine solchen Extreme vorhergesagt. Laut der Jahreszeiten-Prognose für die kommenden drei Monate wird es einen ausgeglichenen Niederschlag und eine leichte Erwärmung bezogen auf den Mittelwert geben - allerdings nicht im Ausmaß des Vorjahres.

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Von RND/dpa

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