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Lokales „Grapscher-Prozess“: Angeklagter schweigt weiter
Dresden Lokales „Grapscher-Prozess“: Angeklagter schweigt weiter
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12:48 11.12.2018
Rami A. (r.) und sein Anwalt Matthias Ketzer im Landgericht.
Rami A. (r.) und sein Anwalt Matthias Ketzer im Landgericht.
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Dresden

Nächster Anlauf im Fall Rami A.. Der 33-jähriger Syrer war im Juni dieses Jahres wegen sexueller Übergriffe auf Frauen festgenommen worden und sitzt seitdem in U-Haft. Am ersten Verhandlungstag am Landgericht im Oktober weigerte er sich, die Haftzelle zu verlassen und musste in den Saal getragen werden. Am zweiten Tag wurde der Prozess unterbrochen, um einen Sachverständigen zu beauftragen, die Steuerungs- und Schuldfähigkeit des Angeklagten, der unter Haft-Depressionen leidet, zur Tatzeit zu prüfen.

Selbst Dolmetscherin versteht ihn nicht

Gestern kam es nun endlich zur Anklageverlesung. Der 33-Jährige lief zwar diesmal selbst in den Saal, aber ihm hatte es offensichtlich die Sprache verschlagen. Pflichtangaben zu seiner Person waren so leise, dass selbst der neben ihm sitzende Dolmetscher sie kaum verstehen konnte. Ansonsten, so sein Anwalt, will sich der Angeklagte zu den Tatvorwürfen nicht äußern, sondern von seinem Schweigerecht Gebrauch machen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Rami A. vor, zwischen Februar und Juni dieses Jahres in zehn Fällen Frauen sexuell bedrängt und genötigt zu haben. „Bei uns waren verstärkt Anzeigen zu sexuellen Übergriffen eingegangen, die alle nach dem gleichen Muster abliefen“, erzählte eine Polizeibeamtin. „Die Opfer wurden bis in ihre Hauseingänge verfolgt, von hinten festgehalten, an die Wand oder den Boden gedrückt und dann sexuell genötigt. Es war immer die gleiche Personenbeschreibung. Wir gingen von einer Serie aus.“

Fast alle Übergriffe passierten in der Dresdner Neustadt

Der Täter umfasste die Frauen, küsste sie, griff ihnen an die Brüste, den Po oder in den Schritt, er fasste ihnen unter den Rock, unter das T-Shirt oder riss ihnen den BH runter. Die Frauen wehrten sich und schrien, erst dann ließ der Mann von ihnen ab. Fast alle Taten geschahen in der Neustadt.

Eine Ausnahme war ein Übergriff auf eine junge Frau an der Gruner Straße. Der Angeklagte war ihr von der Straßenbahn bis zu ihrem Haus gefolgt. Als die Frau hineinrannte und die Tür schließen wollte, stemmte er sich dagegen, stieß die Frau zu Boden, hielt ihr den Mund zu und griff ihr unter den Rock. Als sie ihm in die Hand biss und schrie, flüchtete er.

Angeklagter bestreitet die Tat

Es gibt Bilder von Überwachungskameras, auf denen Rami A. und das Opfer in der Straßenbahn und beim Aussteigen zu sehen sind. Sie zeigen aber auch, so die Polizistin, wie der Angeklagte vorher in der gleichen Bahn eine andere Frau anstarrt und sich dabei selbst befriedigt. Eines der Opfer erkannte den Angeklagten bei der Bunten Republik Neustadt wieder und informierte die Polizei, die den 33-jährigen daraufhin festnahm.

„Er hat alle Tatvorwürfe bestritten und immer gesagt, dass er das nicht getan habe“, erzählte die Kriminalbeamtin. Allerdings gibt es neben DNA-Spuren auch Zeugen, die den Angeklagten wegrennen sahen und ziemlich genau beschreiben konnten. Der Prozess wird fortgesetzt. Zunächst sind zehn Verhandlungstage geplant.

Von Monika Löffler