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Lokales Glasfassade im Gründerzeitviertel
Dresden Lokales Glasfassade im Gründerzeitviertel
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10:09 24.02.2019
Nur noch Trümmer im Bereich der Bautzner Straße 73. Quelle: Genia Bleier
Dresden

Es ist endgültig vorbei mit dem Dresdner Hungerstil. Der Abrissbagger hat ganze Arbeit geleistet und das einstige Wohnhaus Bautzner Straße 73 in seine Einzelteile zerlegt. Der Schutt ist geräumt, nur die Brandmauern der Nachbarhäuser zeigen noch die Umrisse früherer Zimmer. Gewohnt hatte in dem Gebäude allerdings schon lange niemand mehr. So nahm der Verfall seinen Lauf, in einem Maße, dass auch der Fußweg davor lange Zeit gesperrt werden musste.

Bereits seit 2015 lag eine Abrissgenehmigung vor, nachdem der Denkmalstatus aufgehoben war. Doch bis auf das Abtragen des Daches tat sich nicht wirklich etwas. Ursprünglich galt das Haus, das sich bescheiden zwischen der höheren Nachbarbebauung behaupten musste, als schützenswert. Errichtet in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zwischen Spätbarock und Klassizismus, war es eines der letzten Zeugnisse des Dresdner Hungerstils, wenn nicht überhaupt das letzte.

Am Ende des Siebenjährigen Krieges, in dem Dresden große Zerstörungen erlitt, war sparsames, schlichtes Bauen angesagt. Von üppigem Barock keine Spur mehr. Diese Besonderheit wollte die Denkmalschutzbehörde eigentlich bewahren, bis man wohl erkannte, dass hinter der Fassade längst nicht mehr alles historisch war und sich außerdem kein Eigentümer auf den Erhalt einlassen wollte.

Das ehemalige Wohnhaus im Hungerstil bei den Abbrucharbeiten. Quelle: Genia Bleier
So soll der geplante Neubau aussehen.

Statt Hungerstil wird es nun gläserne Moderne geben. Der Bauträger Besonders Wohnen Dresden GmbH & Co. KG plant auf dem Grundstück drei Häuser mit insgesamt 18 Wohneinheiten. Das markanteste ist das zur Bautzner Straße gelegene Mehrfamilienhaus mit der Glasfassade. Dahinter fügen sich ebenerdig die für alle Mieter nutzbare Garage und ein Atriumhaus für eine Familie an. Das dritte Gebäude verfügt über sechs Wohnungen und grenzt mit einer Wiese an die Mauer des Alten Jüdischen Friedhofs. Laut Bauherr soll die Wohnanlage 2020 fertig sein.

Noch steht der konkrete Baubeginn nicht fest, sagt Henry Brömme-Herrmann, Geschäftsführer des Immobilienmaklers IMMOVISTA GmbH. Auf jeden Fall werde es im Laufe des Jahres sein. Die Nachfrage nach den Eigentumswohnungen sei groß. Obwohl der Verkauf erst jetzt beginnen soll, habe es schon mit dem ersten Baggerhub Nachfragen gegeben. Brömme-Herrmann nennt einige Details des Projektes. So ist die Glasfront eine Art vorgeblendeter Wintergarten und dient an der lärmbelasteten Bautzner Straße dem Schallschutz. Fenster müssten nicht zwingend geöffnet werden, sagt er. „Be- und Entlüftung sind geregelt.“

Die Wohnungen werden barrierefrei und sollen über Parkett und Fußbodenheizung, teilweise Dachterrasse und Balkone, Keller- und Garagenstellplätze sowie einen Fahrradkeller verfügen. Käufer könnten gegebenenfalls auf Grundrissgestaltung und Ausstattung Einfluss nehmen, betont der Makler. Das alles hat natürlich seinen Preis. Dieser beginnt bei 3500 Euro pro Quadratmeter. Im Vorderhaus kostet eine 130-Quadratmeter-Wohnung rund 580000 Euro, im Gartenhaus hinten sind für 120 Quadratmeter etwa 497000 Euro zu zahlen.

Nur wenige Schritte weiter wächst an der Bautzner Straße/Ecke Prießnitzstraße ein weiteres Großprojekt in die Höhe. Auf der Fläche, die früher einmal Hundertwassers „Hohe Haine“ präsentieren sollte, entstehen jetzt „Pfunds Höfe“. Gemeinsam planen hier WEP Gruppe und Harkai-Projektentwicklung 95 Mietwohnungen, dazu auf 1500 Quadratmetern Gewerbe mit einem Alnatura-Biomarkt als Ankermieter. Grundsteinlegung war am 23. Oktober 2018. Im zweiten Quartal 2020 soll alles fertig und dann auch diese Baulücke in der Äußeren Neustadt geschlossen sein.

Von Genia Bleier

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