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Lokales Gesundheitsamt Dresden untersucht an der HOGA-Schule auf Tuberkulose
Dresden Lokales Gesundheitsamt Dresden untersucht an der HOGA-Schule auf Tuberkulose
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08:35 05.12.2017
Seuchengefahr: Die HOGA-Schule in Dresden bleibt auch am Dienstag wegen Tuberkulose-Tests geschlossen.
Seuchengefahr: Die HOGA-Schule in Dresden bleibt auch am Dienstag wegen Tuberkulose-Tests geschlossen  Quelle: D. Flechtner
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Dresden

Das Gesundheitsamt hat bestätigt, dass an der Hoga-Schule in Dresden-Leuben drei Personen an akuter Tuberkulose (Tbc) erkrankt sind oder waren. Auf Grund der für Tuberkulose typischen sehr unterschiedlichen Inkubationszeit ist unklar, von wem die Ansteckung ausging. Bis Dienstag werden daher rund 600 Schüler und Lehrer untersucht. Hoga-Geschäftsführerin Regina Kirschstein teilte auf DNN-Anfrage mit, dass der erste Tuberkulose-Fall im September bei einem Lehrer am Allgemeinbildenden Gymnasium an der Zamenhofstraße aufgetreten sei. „Der erkrankte Lehrer ist inzwischen wieder gesund“, so Kirschstein. Bei der daraus folgenden Umgebungsuntersuchung des Gesundheitsamts hat sich in der vergangenen Woche herausgestellt, dass sich drei weitere Personen angesteckt haben.

Um das Ausbreiten der Seuche zu verhindern, führt das Gesundheitsamt unter der Leitung von Amtsleiter Jens Heimann Blutentnahmen und Röntgentests an Schülern und Lehrern durch. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen laut Gesundheitsamt in wenigen Tagen vorliegen. „Sollten weitere Erkrankungsfälle vorliegen, wird geklärt, inwieweit die Ermittlungen von Kontaktpersonen über den Radius der Schule hinaus ausgeweitet werden müssen, zum Beispiel auf Familienangehörige", heißt es in einer Presseerklärung des Gesundheitsamt. "Das Gesundheitsamt wird die betroffenen Personen umgehend informieren."

Tuberkulose – die vergessene Seuche?

In Deutschland ist die bakterielle Infektion, die vor allem die Lunge angreift, aus dem Bewusstsein verschwunden. Doch allein im Freistaat registrierten die Gesundheitsämter im vergangenem Jahr 212 Fälle der auch als Schwindsucht bekannten Krankheit. Im März warnte Dresdens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) am Welt-Tuberkulose-Tag, dass die Krankheit auch in hoch entwickelten Ländern vorkomme. Seit 2013 nehmen die Tuberkulose-Fälle in Deutschland wieder zu. Betroffen sind auch Schulen. Im Januar dieses Jahres wurde die Infektion im Kollegium einer Göttinger Grundschule festgestellt. Im März starb eine 19-jährige Betreuerin an einer Grundschule in Bonn an der Lungenkrankheit.

Ohne eine aufwendige Antibiotika-Therapie verläuft die Krankheit meist tödlich. Tuberkulose gilt mit 1,7 Millionen Toten jährlich als schwerste bakterielle Infektionskrankheit der Welt. Sorge bereiten den Fachleuten vor allem steigende Antibiotika-Resistenzen, welche die Behandlung von TBC erschweren.

Leichter Anstieg der TBC-Fälle

In ganz Sachsen wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) in diesem Jahr 179 Tuberkulose-Erkrankungen gemeldet, bundesweit bisher 4.259. In den vergangenen Jahren ist auch im Freistaat ein leichter Anstieg zur verzeichnen: Von 155 im Jahr 2014 (bundesweit 4.522) auf 207 im Jahr 2015 (bundesweit 5.841) und 211 im Jahr 2016 (bundesweit 5.939). Ob die Zahl in diesem Jahr übertroffen wird, ist offen.

Der Anstieg im Jahr 2015 sei vor allem auf die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung von Asylsuchenden zurückzuführen, erklärte das RKI. Ziel sei es, Tuberkulose frühzeitig zu entdecken und zu behandeln, um die Verbreitung zu verhindern. Das sei zum Beispiel mit Antibiotika möglich.

Gefährlich für die Mitmenschen ist offene Lungentuberkulose, bei der Kranke die Erreger beim Husten und Niesen verteilen. Bei knapp der Hälfte der Erkrankten liege aber gar keine ansteckende Lungentuberkulose vor, so das RKI.

Impfung nicht empfohlen

Eine Impfung gegen das Tuberkulose-Bakterium empfiehlt Lungenspezialist Dirk Koschel nicht. Zwar seien Impfstoffe auf dem Markt, aber das Verhältnis von Effektivität, Impfnebenwirkungen und Ansteckungsrisiko eher ungünstig. Allerdings werde global weiter an Tbc-Impfstoffen geforscht. Ansteckend ist die infektiöse Krankheit nur wenn das Bronchialsystem des Patienten betroffen ist. Bei starkem Husten können die Bakterien durch eine Tröpfcheninfektion übertragen werden. Die Seuche ist aber nicht hochansteckend. „Nur wer über einen längeren Zeitraum von mehreren Stunden intensiven Kontakt zu einer Person mit einer offenen Lungentuberkulose hat, läuft Gefahr sich ebenfalls mit dem Erreger zu infizieren“, fährt Koschel fort.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat in einem Infoblatt alle wichtigen Informationen zum Thema Tuberkulose zusammengestellt, der Steckbrief zu Symptomen, Ansteckungsgefahr, Vorsorge und Therapie ist als Download unter www.infektionsschutz.de verfügbar.

Von Tomke Giedigkeit und Evelyn ter Vehn

04.12.2017
04.12.2017