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Lokales Gespenstische Gespinste und Kahlfraß
Dresden Lokales Gespenstische Gespinste und Kahlfraß
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07:32 16.05.2018
Die bodendeckenden Gehölze an der Esso-Tankstelle Leipziger Straße am Leipziger Bahnhof sind nahezu komplett von Gespinsten eingehüllt. Quelle: Catrin Steinbach
Dresden und Umgebung

„Guck mal, alles voll Spinnweben!“ sagt ein Passant, als er entdeckt, dass an einem jungen Weißdorn-Baum in einer kleinen Parkanlage mehrere Äste komplett von Gespinsten eingehüllt sind. „Igitt“ ruft erschrocken eine junge Frau, als sie sich einen ebenso „umsponnenen“ Strauch auf einem Parkplatz eines großen Lebensmittelmarktes näher ansieht, und gewahr wird, dass es in dessen Geäst von Raupen geradezu wimmelt.

Gespinste und Raupen in einem Strauch. Quelle: Catrin Steinbach

Wenige Tage später sind die Raupen verschwunden, um sich zu verpuppen. Geblieben sind unter dem Gespinst kahlgefressene Zweige. Ein gespenstischer Anblick.

Verursacher der Gespinste sind Raupen

„Das ist kein Drama, sondern ein natürlicher und erstmal harmloser Vorgang in der Natur“, erklärt Knut Strothmann von der Gartenakademie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz. Verursacher der Gespinste sind nicht Spinnen, sondern die Raupen unterschiedlicher Schmetterlingsarten.

Von diesen gibt es Arten, die sich wirtsspezifisch über die Blätter von bestimmten Gehölzen hermachen. So werden Traubenkirschen von der Traubenkirschen-Gespinstmotte befallen. Ebenso treten solche Gespinste bisweilen bei Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln oder Weiden auf.

Witterung spielt eine Rolle

„Gelegentlich werden auch Obstbäume befallen“, weiß Karl-Heinz Jelinek vom Landesfachausschuss Entomologie des Naturschutzbundes Nordrhein-Westfalen. Durch bestimmte Witterungslagen kann es zu verstärktem Auftreten kommen.

Buchsbaumzünsler und Gespinstmotten bringen gegenwärtig so manchen Hobbygärtner zur Verzweiflung. Die Raupen fressen Gehölze kahl. Einige Arten verhüllen Bäume und Sträucher mit gespenstischen Gespinsten.

Für den Menschen sind die Raupen der Gespinstmotten harmlos – im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner, der ausschließlich Eichen befällt. Dessen Raupen können durch ihre Brennhaare, die ein Nesselgift enthalten, Menschen gefährlich werden.

Gift spritzen schadet auch natürlichen Feinden der Gespinstmotten

Bei den harmlosen Gespinstmotten zur Giftspritze zu greifen, davon raten sowohl Strothmann als auch Jelinek ab. „Das ist meistens ebenso sinnlos wie gefährlich für die Umwelt, da von Insektengiften auch die natürlichen Feinde der Gespinstmotten betroffen sind“, erklärt der Insektenkundler.

Kahlfraß schwächt Pflanzen, aber sie treiben in der Regel wieder aus

„Das sind eher weniger Vögel, denn die haben ein Problem, in die Gespinste hineinzukommen. „Hauptfeinde der Insekten sind vor allem andere Insekten. In diesem Fall zum Beispiel Schlupfwespen oder auch Raubwanzen“, so Jelinek gegenüber DNN. Der Kahlfraß schwäche zwar die Pflanzen, aber in der Regel treiben sie im Juni (sogenannter Johannistrieb) wieder aus.

Buchsbaumzünsler frisst sich im Strauch von innen nach außen

Ein anderes Kapitel ist der aus Asien eingeschleppte Buchsbaumzünsler. Bei ihm handelt es sich ebenfalls um einen Kleinschmetterling, dessen Raupen sich an Buchsbäumen gütlich tun. „Eine Bekämpfung ist schwierig, da sich die Raupen im dicht verzweigten Inneren zuerst ausbreiten. Wenn der Befall außen wahrzunehmen ist, ist es in der Regel für eine Bekämpfung zu spät“, so das Amt für Stadtgrün der Stadt Dresden.

„Gift hilft nur bedingt“, so die Erfahrung von Gartenbauingenieur und Kleingartenfachberater Volker Croy. „Einmal muss man vor dem Befall spritzen – der ist jedes Jahr etwa zur gleichen Zeit – und dann alle zehn Tage neu, wenn man ein systemisches Mittel verwendet. Mit biologischen Mitteln man muss nach jedem Regen neu spritzen, bis die Befallszeit durch ist.“

Den Buchs mit einem Insektenschutznetz einhüllen

Croys Tipp ist, „Netze über dem Buchsbaum vor der Eiablage bis zum Ende des 2. Fluges zu spannen. Die sind nicht schön, aber man hat den Rest des Jahres Ruhe.“ Zudem würden die Raupen des Buchsbaumzünslers „von unseren Singvögeln gut bejagt. Nur muss es welche in der Nähe geben.“

Bis zu vier Buchsbaumzünslergenerationen pro Jahr

Auch die Buchsbäume treiben oft wieder aus, wenn sich die Raupen verpuppen. Doch da bei entsprechender Witterung bis zu vier Buchsbaumzünslergenerationen pro Jahr entstehen können, ist die Gefahr groß, dass die Buchsbäume so geschädigt werden, dass sie absterben.

Stadt Dresden hat Buchs schon an mehreren Stellen entfernt

„Wegen des Befalls sind die Einfassungshecken im Staudengarten auf Schloss Albrechtsberg und die Buchskugeln an der Kirche Markusplatz bereits entfernt worden. Schäden gibt es auch an Buchs am Kraszewskimuseum. Die betroffenen Gehölze werden diese Woche noch entfernt“, so die Stadtverwaltung Dresden.

Letztes Jahr habe es vier Buchsbaumkugeln im Standesamt Goetheallee betroffen. Alle anderen Bestände stünden unter regelmäßiger Kontrolle der Mitarbeiter.

Urnenhain in Dresden-Tolkewitz stark betroffen

„Wie der Eigenbetrieb Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen mitteilt, ist auch auf dem Urnenhain Tolkewitz ein starker Befall der Buchsbaumhecken durch die Larven des Buchsbaumzünslers festzustellen“, so die Stadt weiter. „Besonders die niedrigen Einfassungshecken an den privat genutzten Grabstellen weisen eine deutliche Schädigung auf. Darüber wurden die Friedhofsbesucher durch einen Aushang im Schaukasten des Friedhofs informiert.“

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Friedhof nicht erlaubt

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei auf dem Friedhof nicht gestattet, so das Dresdner Amt für Stadtgrün. „Daher empfehlen wir den Grabnutzungsberechtigten den Ersatz der betroffenen Bepflanzung, beispielsweise mit der Immergrünen Heckenkirsche Lonicera nitida.“

Alternativen zu Buchsbäumen

Volker Croy hält Ilex aquifolium ‚Myrtifolia’, Ilex crenata oder Berberis buxifolia für gute Alternativen. „Das sind kleinblättrige immergrüne Sträucher. Wer etwas langsam Wachsendes will, kann auch Taxus nehmen. Allerdings ist dieser im Kleingarten verboten. Für niedrige Hecken eignen sich auch Bohnenkraut, Lavendel oder Salbei und in warmen Lagen Rosmarin.“

Von Catrin Steinbach

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