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Lokales Geschichte hautnah – 270-Grad-Projektion im Zwinger macht spektakuläre Hochzeit erlebbar
Dresden Lokales Geschichte hautnah – 270-Grad-Projektion im Zwinger macht spektakuläre Hochzeit erlebbar
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17:48 26.06.2019
Der neunminütige Film gibt einen Eindruck vom Jupiterfest, das zur Fürstenhochzeit vor 300 Jahren im Zwinger gefeiert wurde. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Ein weißes, klimatisiertes Kuppelzelt, das jetzt mitten im Zwingerinnenhof aufgestellt ist, macht zwar so einige Fotomotive zunichte. Aber es steht ja nicht für immer da. Und es bietet die Gelegenheit, an historischem Ort auf bisher neue Art und Weise Dresdner Geschichte zu erfahren.

Aufwendigste Hochzeit aller Zeiten

Denn eine 270-Grad-Projektion auf einer vier Mal 30 Meter großen Leinwand macht die spektakuläre Hochzeit von Friedrich August, Kurprinz von Sachsen, mit Maria Josepha, der Kaisertochter von Österreich, im Jahr 1719 erlebbar. Sie dürfte bis heute Europas glanzvollste und aufwendigste Hochzeitsparty gewesen sein. Vom 2. September bis zum 12. Oktober wurde gefeiert.

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Kleiner Eindruck von dem neunminütigen Film, der vom 29. Juni an in einem Kuppelzelt im Dresdner Zwinger Wissen über die spektakulären Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit von Friedrich August, Kurprinz von Sachsen, mit Maria Josepha, der Kaisertochter von Österreich, im Jahr 1719 vermittelt. Mittels einer 270-Grad-Projektion wird der Zuschauer ins barocke Dresden entführt.

Sequenzen vom Jupiterfest

Der Film, der neun Minuten läuft, vermittelt einen Eindruck des Jupiterfestes, das im Zwinger inszeniert wurde. Die digitale Animation „ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf die kommende umfassende Ausstellung Zwinger Xperience, die 2020 in der Bogengalerie im Zwinger eröffnet werden soll. Das kündigte Christian Striefler, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) an. An einem ähnlichen Projekt, Dresdner Geschichte erlebbar zu machen, arbeitet SBG in der Festung Dresden.

Den Rezeptionsgewohnheiten des Publikums anpassen

„Wenn wir künftig Menschen mit unserer Arbeit in den deutschen Schlossmuseen erreichen sollen, kommen wir nicht umhin, mit solchen immersiven Methoden zu arbeiten. Denn erstens bieten sie sich an, historische Fakten sichtbar zu machen. Zweitens ändern sich die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsgewohnheiten unserer Gäste gerade dramatisch. Um da mithalten zu können, müssen wir an unseren Vermittlungsmethoden arbeiten“, ist Kurator Dirk Welich überzeugt.

Intensive Recherche ging dem Projekt voraus

„Was Sie hier sehen, hat sich bei der Hochzeit von Kurprinz Friedrich August, dem Sohn Augusts des Starken, mit der Kaisertochter Maria Josepha von Österreich wirklich so ereignet“, sagt Schlösserland-Chef Christian Striefler. Denn um die 3D-Projektion zu erstellen, die den Kuppelzelt-Besuchern das Gefühl gibt, beim Jupiterfest dabei zu sein, wurde intensiv recherchiert. Eine jahrelange Forschungsphase sei dem Zwinger-Projekt vorausgegangen, so Striefler weiter. Die Darstellungen halten sich eng an historische Quellen, Dokumente und auch Darstellungen zum Beispiel auf Kupferstichen.

3D-Rekonstruktion ein Instrument der Quellkritik

An der virtuellen, dreidimensionalen Darstellung der verschiedenen Planungs- und Bauzustände des Dresdner Zwingers habe auch Professor Markus Wacker, der Leiter der Fakultät für Informatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, mitgearbeitet. „Die 3D-Rekonstruktion ist zugleich ein Instrument der Quellkritik. Denn so kann man zum Beispiel feststellen, ob es wirklich möglich war, so zu bauen, wie es ein Plan darstellt. Oder ob eine Choreographie wie die des Reiterballetts wirklich so funktioniert haben kann“, erläuterte Kurator Welich.

Mit Xperience-Projekt ist Dresden deutschlandweit Vorreiter

Museale und historische Inhalte auf eine solche Art und Weise zu vermitteln, wie man es jetzt im Zwinger schon in einer Art Kostprobe sehen kann, damit seien die SBG deutschlandweit Vorreiter, so Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der an der Vorpremiere in der Zwinger-Filmkuppel teilnahm. „Wir brauchen das, um auch in Zukunft attraktiv zu sein für junge Leute und für Besucher aus dem Ausland.“

Die Filmkuppel bleibt zunächst ein Jahr – bis Juli 2020 – im Zwinger. Der genaue Termin ist noch unklar, weil er von der Fertigstellung der neuen Ausstellung in der Bogengalerie abhängt. Der Eintritt ins Filmzelt kostet pro Person 3 Euro.

Von Catrin Steinbach

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