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Lokales Der Stasi-Blick in die Zimmer eines Dresdner Nobelhotels
Dresden Lokales Der Stasi-Blick in die Zimmer eines Dresdner Nobelhotels
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09:12 05.03.2020
Die Aufnahme stammt aus einer Überwachungskamera der Stasi in einem Zimmer des Hotels Bellevue in Dresden. Im Visier waren die Staatsgäste bei der Semperoperneröffnung genauso wie die Spieler des VfB Stuttgart. Quelle: foto: BStU
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Dresden

Besondere Einblicke in die Arbeit der Stasi vermittelt dieses Wochenende der Tag der Archive: In einer speziell dafür zusammengestellten Schau präsentiert die Dresdner Au­ßenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen der DDR (BStU) vor allem die Kommunikationsmethoden und die technische Überwachungsarbeit des DDR-Geheimdienstes.

Passend zum diesjährigen Rahmenthema des Tages der Archive „Von der Depesche bis zum Tweet“ zeigt das Stasi-Unterlagenarchiv Dresden an der Riesaer Straße am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr, wie das Ministerium für Staatssicherheit intern oder mit der Staatspartei SED kommunizierte und wie der Geheimdienst die Kommunikation vermeintlicher Staatsfeinde abhörte oder mitlas.

Mehr als 3 Millionen Karteiakten in Stasi-Archiv

Im Dresdner Stasi-Archiv lagern 8239 Regalmeter Akten und über drei Millionen Karteikarten, auf denen registriert ist, welche Vorgänge die Stasi bearbeitet hat und wo es dazu welche Akten gibt. Dieses Erbe der früheren Stasi-Bezirksverwaltung wird am Archivtag bei Rundgängen von Archivaren erläutert. Die Sonderschau zum Archivtag zeigt, wie die Stasi im Detail vorgegangen ist. „An fünf Themenstationen veranschaulichen wir die Kommunikation der Stasi“, erläutert Außenstellenmitarbeiterin Maria Fiebrandt.

Die Stasi hatte dieses Foto aus einem Bad im Nobelhotel Bellevue in Dresden unter dem Titel „Musterzimmer" in ihren Akten. Quelle: BStU

Dazu gehören beispielsweise die regelmäßigen Informationen der Staatssicherheit an ihren „Auftraggeber“, die Sozialistische Einheitspartei Deutschland (SED). Der Geheimdienst hielt die Staatspartei ständig auf dem Laufenden über die Lage im Land, egal ob es um die Versorgungssituation im Handel oder Umweltprobleme und eventuelle Proteste von DDR-Bürgern dazu ging.

„Das war Spionage, wie man sie sich im Klischee vorstellt“

Angesprochen als „Lieber Hans“ erhielt SED-Bezirkschef Modrow so auch in einer Art Tagebuch Details über die Bürgerbewegung in den Oktoberwochen 1989 vermittelt. Während in Berlin die Staatsführung mit dem sowjetischen Staatschef Michael Gorbatschow am 7. Oktober den 40. Jahrestag der Republik feierte, gab es in der Dresdner Innenstadt 129 „Zuführungen“, wie Festnahmen stets umschrieben wurden.

Besonderen Wert legte die Stasi auf die konspirative Kommunikation mit ihren inoffiziellen Mitarbeitern. Dazu gehörten Deckadressen für die Post, spezielle Wohnungen für geheime Treffs und abenteuerliche Zeichen für die Kontaktaufnahme. „Das war Spionage, wie man sie sich im Klischee vorstellt“, erklärt Fiebrandt.

Astra-Zigaretten als verstecktes Zeichen

Da musste auch die Stasi damit klar kommen, dass es in der DDR nur wenige Telefonanschlüsse gab. So reagierten Spitzel aus der Mannschaft von Dynamo Dresden auf Kreidekreuze an Telefonzellen oder warfen Postkarten in leicht geöffnete Autofenster.

Das Foto zeigt eine Würfelsteckdose mit einer Wanze, wie sie auch im Nobelhotel Bellevue in Dresden im Einsatz war. Quelle: Sabine Frey

Von ihren Zuträgern im Westen ließ sich die Stasi Ansichtskarten mit in harmlosen Texten versteckten Botschaften schicken. Regelmäßig aller vier Wochen sollte ein IM in Stuttgart an wechselnde Adressen eine Ansichtskarte schreiben. Für Treffen war im vierwöchigen Rhythmus ein Zeitpunkt von zehn Minuten an einem bestimmten Café vereinbart. Ausgerüstet mit Zigaretten der Sorte Astra sollte der Spitzel warten, bis ihn jemand anspricht, ob das seine Stammsorte ist. „Ja, die rauche ich schon ein Jahr“, musste dann seine Antwort lauten.

Stasi beobachtete Fußballer aus dem Westen

Meldete sich bei der Stasi in Dresden doch jemand telefonisch, wurde jedes Wort aufgezeichnet. Das galt selbst für Gespräche der Stasi-Offiziere untereinander. So kann beim Archivtag die Aufzeichnung eines Gesprächs zwischen Stasi-Bezirkschef Horst Böhm mit seinem Stellvertreter Hardi Anders abgespielt werden.

Die beiden Stasi-Offiziere unterhielten sich dabei über die Beobachtung der Fußballer des VfB Stuttgart, die Mitte April 1989 zum Halbfinal-Rückspiel im Europacup nach Dresden gekommen waren. Sie logierten im Nobelhotel Bellevue, das seit 1985 in Betrieb war und seither immer auch genutzt wurde, um Gäste aus dem Westen im Auge zu behalten.

Das war bereits 1985 bei der Eröffnung der Semperoper mit Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt so, erging wohl Joe Cocker bei seinem legendären Konzert in Dresden genauso und war bei den Fußballern des VfB nicht anders. Im Hotel gab es einen speziellen „Vermittlungsraum“, von dem aus die Überwachung der Zimmer gesteuert werden konnte. Telefone wurden abgehört, Räume mit Kameras und Wanzen überwacht.

Ein Postgeheimnis gab es in der DDR nicht

Dem gemeinen DDR-Bürger erging es freilich nicht besser. Akribisch verfolgte die Stasi unter anderem den Brief und Paketverkehr. Autogrammwünsche an Künstler im Westen blieben in den Stasi-Kellern genauso hängen wie Pakete, wenn sie von einer Adresse kamen oder an diese geschickt werden sollten, die der Stasi verdächtig vorkam. Mitarbeiter des Geheimdienstes hatten große Tafeln mit endlosen Kolonnen von Adressen vor sich und sortierten daraufhin die Post.

Wenn Menschen dann wegen „des Verdachts des Schmuggels von Saat- und Pflanzgut“ von der Stasi ins Visier genommen wurden und die Dahlienzwiebeln aus dem Westen nicht die Parzelle des Dresdner Kleingärtners erreichten, dann mag das heute komisch wirken. Zu DDR-Zeiten war überhaupt nicht absehbar, welcher Strick dem Einzeln daraus gedreht werden würde.

Tag der Archive in Dresden

Am bundesweiten „Tag der Archive“ (7. und 8. März) beteiligen sich in Dresden weitere Institutionen:

Im Stasi-Unterlagenarchiv (Dresden, Riesaer Straße 7, Eingang D) steht der 7. März unter dem Motto „Kommunikation im Geheimen“. Von 10 bis 18 Uhr ist geöffnet. Archivführungen finden jeweils um 10, 14 und 16 Uhr statt.

Im Hauptstaatsarchiv (Dresden, Archivstraße 14, Eingang Albertstraße, 10 bis 16 Uhr) können am 7. März die Magazine besichtigt werden. Unter dem Motto „Was Oma und Opa noch lesen konnten“ helfen Archivare außerdem beim Entziffern alter Dokumente. Es gibt Tipps zur Sicherung alter Datenträger und Dateiformate. 11, 12, 13.30 und 14.30 Uh bietet das Archiv Vorträge.

Das Historische Archiv der sächsischen Staatstheater beteiligt sich in Kooperation mit dem Archiv und der Kustodie der Hochschule für Bildende Künste (HfBK), dem Stadtarchiv Dresden und dem Archiv der TU Dresden erstmals am Tag der Archive. Von 10 bis 17 Uhr können am 7. März in Dresden in der Ostra-Allee 9 (Eingang Malergäßchen) Archivalien und Sammlungsstücke zum Thema „Friedliche Revolution 1989/1990“ eingesehen werden. Das Historische Archiv bietet um 11, 13 und 15 Uhr zudem teilnehmerbegrenzte Führungen an (Anmeldung per E-Mail: historischesarchiv@saechsische-staatstheater.de), um einen Blick auf weitere zahlreiche Memorabilien und Sammlerstücke zu gewähren. Zusätzlich dazu öffnet das Archiv der HfBK, Brühlsche Terrasse 1, stündlich: 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr.

Das Künstlerhaus von Josef Hegenbarth (Dresden, Calberlastraße 2) bietet am 7. März (14 bis 15.30 Uhr) bei einer Sonderführung Einblicke in die aktuelle Sonderausstellung und die erhaltenen Wohn- und Atelierräume des bedeutenden deutschen Zeichners und Illustrators Josef Hegenbarth, der 1921 sein Haus an den Loschwitzer Hängen in Dresden erwarb.

Das Landeskirchenarchiv (Dresden, Lukasstraße 6) bietet am 7. März verschiedene Veranstaltungen von 10 bis 16 Uhr. 10 Uhr gibt es Informationen zur Vorbereitung von Archivgut vor allem von Kirchgemeinden für Aufbewahrung im Archiv. 10, 13 und 15 Uhr sind Führungen geplant. 14 Uhr bietet das Archiv verschiedene Kurzvorträge.

Das Gerhard Richter Archiv im Albertinum (Georg-Treu-Platz 2) bietet von 11 bis 12.30 Uhr eine Sonderführung. Diese ist jedoch bereits ausgebucht.

Weitere Informationen zum 10. Tag der Archive 2020 unter www.tagderarchive.de

Von Ingolf Pleil

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