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Lokales Gemäldegalerie „Alte Meister“ zeigt bis zur Neueröffnung ihre schönsten Stücke
Dresden Lokales Gemäldegalerie „Alte Meister“ zeigt bis zur Neueröffnung ihre schönsten Stücke
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12:30 02.10.2019
Die Schlummernde Venus, um 1508/10, Öl auf Leinwand – gemalt von Giorgione, eigentlich Giorgio da Castelfranco Castelfranco, und vollendet von Tiziano Vecellio, gen. Tizian. Quelle: Hans-Peter Klut, SKD
Dresden

Reklame benötigen die „Glanzlichter der Gemäldegalerie Alte Meister“ wohl eher nicht. Denn die Werke, die nun im Semperbau zu sehen sind, sind nicht nur unter Kunstkennern bekannt. Die Gemälde sind Ausschnitte aus dem mehr als 3800 Werke umfassenden Bestand der Galerie und geben einen Überblick über Schulen und Epochen. Damit ist ein schönes, konzentriertes Interim zwischen dem weitgehenden Abschluss der Bauarbeiten und der für den nun auf Februar 2020 verschobenen Neueröffnung der Sempergalerie gelungen.

Die auf der Ostseite des Gebäudes eingerichtete Teilpräsentation war ja schon vor einiger Zeit im Zusammenhang mit der Neueinrichtung, wozu auch die „Einquartierung“ von Skulpturen von der Antike bis 1800 gehört, geschlossen worden. Da bis Dezember noch einige Monate bleiben, ist das nunmehrige Zwischenspiel im Gobelinsaal und den angrenzenden Seitenkabinetten eine schöne Geste an alle Kunstfreunde.

Schwergewichte: Tizian und Giorgione

Hier kommen die Bilder mit ihren kostbaren Rahmen an den mit kräftigen Farben gestalteten Wänden, auch dank punktueller Ausleuchtung, wunderbar zur Geltung. Zuvorderst gilt das für Raffaels „Sixtinische Madonna“, die wesentlich den Ruhm der Dresdner Galerie mit bestimmt und direkt dem Eingang gegenüber, den Gobelinsaal „überstrahlend“, platziert ist. Allerdings ist auch jedes andere der präsentierten Renaissancegemälde ein „Glanzlicht“ der Galerie.

Quelle: SKD

Allein im Gobelinsaal gibt es also genug zu sehen, ebenso in den Seitenräumen, in denen im Interesse der Hängefläche die Fenster mit entsprechenden Einbauten verschlossen wurden. Wendet man sich nach rechts, findet man zeitlich Anschluss bei den Spaniern und Franzosen. Man begegnet erneut echten „Glanzstücken“, aus denen eines schon wegen seiner Größe heraus sticht: Murillos „Tod der heiligen Klara“. Das einst zu einem Zyklus gehörende Werk hatte ebenso wie Zurbárans wunderbar mit Lichtkontrasten spielendes „Gebet des heiligen Bonaventura um die Wahl des neuen Papstes“ ursprünglich im Franziskanerkonvent von Sevilla seinen Platz.

Auswahl holländischer und flämischer Barockmalerei

Ergänzt werden diese beiden Werke durch „Die Köpfe der Märtyrer Paulus, Johannes der Täufer und Jakobus“ eines unbekannten Meisters aus der einst reichsten Stadt Spaniens. Hinzu kommt in dieser spanischen Suite etwa Velazquez’ Porträt des „Don Juan Mateos“, eines älteren Jagdmeisters. Fast leicht und beschwingt erscheinen gegenüber Lorrains „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“ sowie Poussins „Reich der Flora“, die beide etwa zur gleichen Zeit – um die Mitte des 17. Jahrhunderts – entstanden, aber wohl nationale Unterschiede auch in der Kunst verdeutlichen.

Im anderen Seitenkabinett begegnet man dann einer Auswahl holländischer und flämischer Barockmalerei. Auch hier ist an der Stirnwand ein besonderes „Glanzlicht“ präsent: Vermeers vor einigen Jahren wunderbar restauriertes Werk „Bei der Kupplerin“. An den Seitenwänden finden sich zum einen unter anderem Rembrandts „Saskia mit der roten Blume“, während gegenüber etwa zwei wunderbare Stillleben von Jan Davidsz de Heem den Blick auf sich ziehen und ebenso die barocken Gestalten eines Rubens. Ganz bescheiden, von manchem sicher erst einmal nicht wahrgenommen, hat über dem Türrahmen eine der typischen niederländischen Landschaften von Ruysdael ihren Platz gefunden.

Qualität spricht für Kunstgeschmack sächsischer Herrscher

Hans Holbein d. J.: Bildnis des Charles de Solier, Sieur de Morette. 1534/35 Öl auf Eichenholz. Quelle: Hans-Peter Klut, SKD

Beim Wandeln durch die schöne Schau wird einem wieder einmal bewusst, welche Qualität bei den Dresdner Alten Meistern versammelt ist, die nicht zuletzt für den Kunstgeschmack sächsischer Herrscher spricht. Hatten zunächst neben vielem anderen auch Gemälde, etwa von Cranach, den Weg in die Kunstkammer gefunden, so nahm das Kunstsammeln im Barock unter August dem Starken, vor allem aber bei seinem Sohn August III., ganz andere Dimensionen an. War das Interesse des Vaters noch eher global angelegt, indem dieser neben römischen Antiken, ostasiatischem Porzellan und Meisterwerken der Schatzkunst auch kostbare Gemälde erwarb, so wurde – der Zeitgeschmack wandelte sich – der Erwerb von Gemälden beim Sohn ein zentrales Anliegen.

Krönender Abschluss der Sammlungszeit: Erwerb der „Sixtinischen Madonna

Gleichwohl verdankt die Dresdner Galerie August dem Starken „Glanzstücke“ wie die „Schlummernde Venus“, die er 1699 mit 15 weiteren Gemälden beim Amsterdamer Kunsthändler Charles Le Roy erwarb. Und er war es, der die ersten Galerieräume schuf, wenn sie, wie auch der Riesensaal, provisorisch waren. Bei seinem Sohn aber entstand das, was heute als „Gemäldegalerie Alte Meister“ bewundert wird: Bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 erwarb August III. Gemälde in einem Maße, wie es nie wieder geschah. Heraus ragt der Ankauf von 100 der besten Werke aus der Sammlung des Herzogs Francesco III. von Modena 1745, darunter Hauptwerke der italienischen Renaissance wie Tizians „Zinsgroschen“. Krönender Abschluss dieser Sammlungszeit war der Erwerb der „Sixtinischen Madonna“ 1754.

Bis zur Errichtung des Semperbaus und dessen Einweihung 1855 sollten noch 100 Jahre vergehen. Man hatte sich zunächst im ehemaligen Stallgebäude eingerichtet. Wiederum 90 Jahre nach 1855 – am 13. Februar 1945 – fiel dann auch Sempers Galeriebau den Bomben zum Opfer. Gut zehn Jahre danach hatten die Dresdner und ihre Gäste ihre Galerie, einschließlich der aus der Sowjetunion zurückgekehrten Gemälde, wieder – bis sie Ende der 1980er Jahre für eine erste Grundsanierung schließen musste und die Hauptwerke ins Albertinum zogen. 1992 wieder eröffnet, war ab 2013 eine erneute Sanierung nötig, während der eine Teil der Sammlung so gut wie immer zu sehen war – bis heute: Nun in der Endphase vor der Wiedereröffnung sind es die „Glanzlichter“.

bis 5. Januar 2020, geöffnet tgl. 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen

www.skd.museum

Von Lisa Werner-Art

Volker Lange ist seit zweieinhalb Jahren der Chef der Dresdner Kriminalpolizei. Im Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten spricht er über sogenannte Gefährliche Orte, die schwierigen Ermittlungen gegen die Drogenmafia und den Fahrradklau. Zugleich räumt er mit einem sich hartnäckig haltenden Vorurteil auf.

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