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Lokales Gegen Sklaverei und Menschenhandel: Schweigemarsch in Dresden geplant
Dresden Lokales Gegen Sklaverei und Menschenhandel: Schweigemarsch in Dresden geplant
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12:14 17.10.2019
Teilnehmer des Schweigemarschs 2018 in Dresden.
Teilnehmer des Schweigemarschs 2018 in Dresden. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Alina sitzt auf ihrem Bett und wartet auf den nächsten Freier. Es ist das gleiche Bett, in dem sie auch tagsüber schläft. Sie hat in einer Wohngemeinschaft ein Zimmer gemietet, für das sie 100 Euro täglich bezahlt. Ihr Vermieter ist eigentlich ihr Zuhälter, aber so darf sie ihn nicht nennen. Wenn sie Glück hat, schützt der junge Mann an der Wohnungstür sie vor gewalttätigen Besuchern – aber nur, wenn sie ihn zusätzlich dafür bezahlt.

Illegale Bordelle und Zwangsarbeit

Dabei hatte sich Alina ihr Leben in Deutschland doch ganz anders vorgestellt. In Osteuropa versprach man ihr einen gut bezahlten Job mit Unterkunft als Kindermädchen. Manchmal kann sie Geld zu ihrer Familie schicken.

Anderen ergeht es noch schlechter, sie wurden in der Heimat entführt. In Deutschland angekommen, wurde ihnen der Pass weggenommen, sie wurden vergewaltigt und gefügig gemacht und mussten als Prostituierte arbeiten.

Dies sind nur Beispiele moderner Sklaverei, die sich heute in Dresden in Bordellen und Wohnungsbordellen abspielen. Schätzungen zufolge gibt es mindestens 500 Prostituierte in etwa 60 illegalen Bordellen in Dresden. Zusätzlich gibt es natürlich die registrierten und legalen Bordelle, von denen hier nicht die Rede ist.

Menschenhandel betrifft 40 Millionen Menschen weltweit. 69 Prozent davon entfallen auf Zwangsprostitution. Menschenhandel kann auch Zwangsarbeit in Fabriken, Minen oder Ernten bedeuten. Über das Schicksal verkaufter oder gestohlener Kinder oder die Beschaffung von Organen für Transplantationen mag man am liebsten nicht nachdenken.

Im Gänsemarsch durch die Dresdner Innenstadt

Frank Heinrich ist Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ und Mitglied im Deutschen Bundestag. Der Verein will sich durch Öffentlichkeitsarbeit, Prävention, Opferschutz und Opferhilfe für entrechtete Menschen einsetzen. Auf der Website unter www.gemeinsam-gegen-menschenhandel.de gibt es Beispiele, was jeder gegen Menschenhandel tun kann.

Eine weitere Möglichkeit, aktiv zu werden, bietet sich am kommenden Samstag. Wie im vergangenen Jahr findet der Schweigemarsch „Walk for Freedom“ statt. 2018 kamen mehr als 150 Teilnehmer, die im Gänsemarsch durch die Fußgängerzone Prager Straße und über den Altmarkt bis zum Neumarkt gingen. Das Besondere: alle trugen schwarze Kleidung. Viele hatten sich mit einem Panzerband den Mund zugeklebt, andere trugen ein T-Shirt mit der Aufschrift „Sklaverei abschaffen Schritt für Schritt“. Wieder andere trugen einen schwarzen Regenschirm mit diesem Text.

Auf Plakaten und Flyern machten die Marschierenden seinerzeit auf Menschenhandel aufmerksam. So ist der Schweigemarsch auch in diesem Jahr geplant.

Am Sonnabend, dem 19. Oktober, um 14.30 Uhr versammeln sich die Demonstranten am Wiener Platz. Der Zug setzt sich um 15 Uhr in Bewegung. Es geht im Gänsemarsch in Richtung Frauenkirche. Es wird gebeten, komplett in schwarzer Kleidung zu kommen.

Von Claudia Atts