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Lokales Gästeführer in Dresden: Botschafter für die Stadt und die Region
Dresden Lokales Gästeführer in Dresden: Botschafter für die Stadt und die Region
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20:29 21.02.2020
Dresdner und Gäste Stadt genießen die Sonne an der Elbe in Dresden. Quelle: dpa/Peter Endig
Dresden

Gästeführer, die es ernst meinen mit ihrer Profession, haben einen hohen Anspruch. Sie sollen „die Gäste als würdige Vertreter Deutschlands und unserer Region willkommen heißen und damit das Ansehen unseres Landes fördern“. Sie sollen „ein objektives Verständnis des besuchten Ortes“ vermitteln, „frei von Vorurteilen und Propaganda“. Sie achten „streng darauf, dass durch die von uns geführten Gruppen die Umwelt und die Natur, die Sehenswürdigkeiten und Denkmäler mit Respekt behandelt und die regionalen Besonderheiten und Befindlichkeiten berücksichtigt werden“. Dass der „Wahrheitsgehalt der vermittelten Fakten garantiert“ und eindeutig abzugrenzen ist „von Geschichten, Legenden, Traditionen und Meinungen“, versteht sich da wohl von selbst.

Das sind Auszüge aus den Grundsätzen des BVGD, des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland. Am 21. Februar begehen seine Mitglieder jedes Jahr zusammen mit allen, die im WFTGA, dem Weltverband der Gästeführer zusammengeschlossen sind, den Weltgästeführertag. In Deutschland steht er dieses Jahr unter dem Motto „Lieblingsorte“, in manchen anderen Städten finden dazu kostenlose Führungen statt.

Etwa 300 Gästeführer in Dresden unterwegs

In Dresden gibt es zwei eingetragene Vereine, die dem BVGD angeschlossen sind. Den Berufsverband Dresdner Gästeführer e.V. leitet als Vorsitzende Kristina Kaden, selbst seit 15 Jahren als Führerin in der Stadt und der Region unterwegs. Der Verein hat rund 230 Mitglieder. Insgesamt, so schätzt Kristina Kaden, dürften etwa 300 Gästeführer in Dresden unterwegs sein.

Kristina Kaden ist Vorsitzende des Berufsverbands Dresdner Gästeführer mit rund 230 Mitgliedern. Quelle: BDG/PR

Sie selbst ist Gästeführerin nicht nur aus Leidenschaft, sondern auch im Hauptberuf. Relativ breit aufgestellt mit ihrem Angebot ist sie eine, die von ihren Einnahmen leben kann. Dresden, Meißen/Moritzburg, Sächsische Schweiz, Tagestouren Richtung Spreewald/Oberlausitz oder ins Erzgebirge, zudem Lizenzen fürs Dresdner Schloss, das Neue Grüne Gewölbe, die Alten Meister, das Schloss Moritzburg...

„Gästeführer kann sich eigentlich jeder nennen“

„Aufgrund von privatem Interesse habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt die gebürtige Dresdnerin. Viele Gästeführer seien eher nebenberuflich oder nur am Wochenende im Einsatz. „Gästeführer kann sich eigentlich jeder nennen“, weiß Kristina Kaden. Deshalb wird durchaus Wert gelegt auf Qualifizierung. Der Bundesverband und hier vor Ort die Industrie- und Handelskammer vergeben Zertifikate.

Der nächste IHK-Vollzeitkurs mit Abschlussprüfung zur „Fachkraft (IHK) Gästeführer“ beginnt am 9. März. Er kostet 940 Euro, dauert knapp fünf Wochen und will die Teilnehmer praxisnah sowohl inhaltlich wie organisatorisch auf die Tätigkeit als Gästeführer vorbereiten. Dabei sind gute Fremdsprachenkenntnisse sowie die Kenntnis der Stadt- und Landesgeschichte Voraussetzung – und die Lust, auf Menschen zuzugehen.

Die Konkurrenz ist da, einfach ist es nicht

IHK-zertifizierte Stadt-Experten können sich auch im Club Dresdner Gästeführer e.V. organisieren. Der besteht seit 1996, war damals eine Abspaltung vom Berufsverband und ist ebenfalls dem Bundesverband angeschlossen. Derzeit verzeichnet der Club 39 Gästeführer auf seiner Homepage. In den Vereinsstatuten ist festgelegt, dass die Höchstzahl der Mitglieder auf 50 begrenzt ist. Ein Zertifikat ist heute nicht mehr Bedingung für die Aufnahme, aber „große Sachkenntnis, Empathie, der Umgang mit Menschen, das sind ganz wichtige Herausforderungen“, sagt Club-Vorsitzende Heike Kadner – auch selbst im Hauptberuf Gästeführerin. Das Verhältnis zwischen Club und Berufsverband bezeichnet sie als kollegial.

Das Zertifikat ist aber nur die halbe Miete. Wer als Gästeführer in Schlössern, Ausstellungen, Museen, Galerien arbeiten will, muss für jedes einzelne Reiseziel eine Prüfung in den jeweiligen Häusern ablegen – und auch dafür zahlen. Das Schloss Moritzburg zum Beispiel verlangt jedes Jahr die Teilnahme an einer Nachschulung. Gästeführer sind darauf angewiesen, sich möglichst Stammkunden zu sichern, von denen sie gebucht werden. Hotels, Unterkünfte, Reiseunternehmen, auch die städtische Touristeninformation leiten solche Anfragen von Kunden und Gästen weiter. Aber die Konkurrenz ist da, einfach ist es nicht.

In der Hauptsaison sieben Tage die Woche auf der Straße

„Das ist ein hartes Brot“, schätzt Heike Kadner vom Gästeführer-Club ein. Jetzt in der Nebensaison „muss man kämpfen, um über die Runden zu kommen, in der Hauptsaison sind wir sieben Tage die Woche auf der Straße“. Beides schlaucht. Neben Sachverstand, Organisationstalent, Kontaktfreude und Menschenkenntnis gehört also wohl auch Begeisterung für die Arbeit zu den Qualitäten, die ein Gästeführer mitbringen sollte. „Auch wenn man nur in deutsch führt“, sagt Kadner, „hat man gut zu tun.“

Junger Nachwuchs ist allerdings Mangelware. Gebraucht wird die touristische Dienstleistung in hoher Qualität auf jeden Fall. Für den Zeitraum Januar bis November 2019 verzeichnete die auch für den Tourismus zuständige Dresdner Marketing GmbH knapp 2,5 Millionen Ankünfte für die Region Dresden/Elb­land, die Zahl der Übernachtungen stieg auf fast 5,5 Millionen.

www.dresdenguides.de, www.club-dresdner-gaestefuehrer.de

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