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Lokales Gärtnern auf dem Friedhof – im Raum Dresden gibt es dafür schon zwei Beispiele
Dresden Lokales Gärtnern auf dem Friedhof – im Raum Dresden gibt es dafür schon zwei Beispiele
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18:43 05.05.2019
Gärtner im „Annengarten" in Dresden-Löbtau in Aktion. Quelle: Catrin Steinbach
Dresden/Pirna

„Jeder Pflanzenfreund ist willkommen“ steht auf einem Schild und lässt keinen Zweifel: Spaziergänger sind im Garten von Dieter Küchler jederzeit gern gesehen. Sie können über verschlungene Pfade durch einen idyllischen Waldgarten wandeln und eine unglaubliche Vielfalt an Gehölzen bewundern.

Spaziergänger sind im privaten Garten von Dr. Dieter Küchler auf dem Friedhof in Pirna-Graupa willkommen. Quelle: Catrin Steinbach

Nahezu jede Pflanze ist beschriftet – als Anregung für Hobbygärtner

Der promovierte Gärtner hat an nahezu jeder Pflanze ein Schild aufgestellt, um was es sich handelt. Damit seine Besucher wissen, was da grünt und blüht und vielleicht sogar die eine oder andere Anregung mit nach Hause nehmen können, wenn er gerade mal nicht selbst im Garten ist und Fragen beantworten kann. Auch Nachwuchs aus der Gartenbaubranche hat schon Lehrstunden in Gehölzkunde im Garten von Dieter Küchler genommen.

Seit 32 Jahren gärtnert Dr. Dieter Küchler auf dem Graupaer Friedhof. Er hat im Laufe der Jahre einen kleinen Waldpark geschaffen mit etwa 370 Gehölzarten (darunter allein elf Fliederarten), 30 bis 40 Stauden- und etwa 20 Farn-Arten. In dem privat bewirtschafteten Garten sind Spaziergänger gern gesehen.

Seit 32 Jahren gärtnert Dieter Küchler an ungewöhnlichem Ort

Er wird in diesen Tagen 71 Jahre alt und gärtnert seit 32 Jahren an ungewöhnlichem Ort: auf dem Friedhof der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Graupa-Liebethal. Küchler bewirtschaftet eine Fläche von rund 1300 Quadratmetern am Rand des Friedhofes, auf dem nach wie vor Bestattungen stattfinden. Das abschüssige Gelände, das Küchler heute begärtnert, lag 1987 brach, war mit einer Trockenwiese und Birken bewachsen.

Ein Leben ohne Garten – für ihn nicht vorstellbar

„Ich bin damals mit meiner Familie nach Graupa gezogen und habe fast schon verzweifelt nach einem Stück Land gesucht, auf dem ich gärtnern kann. Denn ein Leben ohne Garten, das kann ich mir nicht vorstellen“, erzählt Dieter Küchler. Eine Schrebergartenparzelle war ihm zu klein. Dann bekam er das Angebot, die ungenutzte Fläche auf dem Friedhof zu bewirtschaften.

Warnung schlug er in den Wind

„Der Friedhofsverwalter hat mich damals gewarnt, hier zu gärtnern, der Boden sei schlecht und ich würde hier nicht froh werden“, erzählt der passionierte Gärtner. Er habe die Warnung in den Wind geschlagen und mit seiner Frau das Land urbar gemacht. „Mein Ziel war ein ganz normaler Garten mit Gemüse, Obst, Sommerblumen und Stauden. Im ersten Jahr hat das auch super funktioniert, weil es viel regnete.“

Böses Erwachen

Doch in den Jahren danach kam das böse Erwachen. „Trotz Gießens vertrockneten Kirschen und Stachelbeeren. Ich hab hier reinen Sandboden, kam mit dem Gießen nicht mehr hinterher. Mein Erkenntnisprozess, dass ein Obst- und Gemüsegarten keine Chance hat, hat fünf Jahre gedauert“, erzählt Küchler. Dann habe er den Entschluss gefasst, das Land parkähnlich mit Gehölzen und Stauden und unter ökologischen Gesichtspunkten zu gestalten und ein bisschen zu experimentieren, was unter den gegebenen Bedingungen wächst und was nicht.

Außergewöhnlicher Waldgarten mit 370 Gehölzarten

Entstanden ist ein außergewöhnlicher Waldgarten mit etwa 370 Gehölzarten (darunter allein elf Fliederarten), 30 bis 40 Staudenarten, etwa 20 Arten Farnen. Für Frösche und Libellen gibt es mehrere Wasserstellen, für Vögel Futterplätze und einen Nistkasten, für Insekten ein „Hotel“. Auch Igel, Eichhörnchen und Eidechsen fühlen sich in seinem Garten wohl.

Ohne Worte. Quelle: Catrin Steinbach

Sandboden ist große Herausforderung

Doch damit dort überhaupt etwas wächst, ackert Dieter Küchler unermüdlich. Er hat mit Hilfe von Trockenmauern kleine Terrassen angelegt und über die Jahrzehnte bestimmt schon Tonnen Kompost und Lehm in den Sandboden eingearbeitet. Laub bleibt als Mulch liegen, damit es hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Es verrottet und trägt zur Bodenverbesserung bei. Gehölze werden in kleine Kuhlen gepflanzt, damit sich dort Wasser sammelt. Schnell wachsende Nadelgehölze spenden den „rettenden Schatten“.

Aufgeben ist keine Option

„Die Trockenheit macht mir ganz schön zu schaffen“, seufzt Dieter Küchler, als wir ihn im April – vor dem Regen – besuchen. Er steht in seinem Waldgarten und gießt. „Es ist seit 30 Jahren das erste Mal, dass ich im April den ganzen Garten gießen muss.“ Aufgeben aber war für ihn noch nie eine Option.

Auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden entsteht Gemeinschaftsgarten

Ein Garten, der nichts mit Grabpflege zu tun hat, entsteht jetzt auch auf dem Neuen Annenfriedhof Dresden an der Kesselsdorfer Straße. Und zwar auf dem Teil, der zunächst ein eigenständiger Friedhof mit dem Namen „Friede und Hoffnung“ war, nach Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch mit dem benachbarten Annenfriedhof vereinigt wurde.

Betreffendes Areal wurde nie für Bestattungen genutzt

Das 600 Quadratmeter große Areal, auf dem jetzt ein Gemeinschaftsgarten gegründet wurde, sei nie für Bestattungen genutzt worden. „Zuletzt hatte die Fläche ein Friedhofsmitarbeiter als Privatgarten gemietet, dann lag sie mehrere Jahre brach“, betont Friedhofsverwalterin Lara Schink.

Nach Beschluss des Friedhofskonzeptes kam die Enttäuschung

Sie hat – wie andere Friedhofsverwalter auch – so ihre Not, wie sie die Flächen, die nicht (mehr) für Bestattungen genutzt werden, in einem ordentlichen Zustand hält. Denn die Kosten für deren Pflege und die Erhaltung von Denkmalsubstanz könnten nicht den Grabstätteninhabern aufgebürdet werden. Mit dem vom Stadtrat beschlossenen Friedhofskonzept gibt es zwar eine Strategie, wie die Flächen weiter genutzt werden könnten und was alles getan werden müsste. Finanziell untersetzt sei das aber im beschlossenen Haushalt nicht, ist Friedhofsverwalterin Lara Schink enttäuscht.

Kleine und große Gemeinschaftsgärtner im "Annengarten" in Dresden-Löbtau. Quelle: Catrin Steinbach

Die ersten Pläne für den Annengarten sind geschmiedet

In der Löbtauer Runde habe sie den brach liegenden Garten, der zuletzt als Lagerfläche genutzt wurde, als mögliche Fläche für einen Gemeinschaftsgarten angeboten und ein positives Echo gefunden. Partner sei der Ufer Projekte e.V.. Unter dessen Dach werde sich der „Annengarten“ selbst organisieren. „In dieser Phase sind wir gerade. Eine Planungswerkstatt hat stattgefunden“, sagt Manuela Jacobs. Sie studiert Landschaftsarchitektur und hat mit ihrer Mitstreiterin Lisa Nürnberg schon im Gemeinschaftsgarten „Wächtergarten“ gegärtnert. Der musste jedoch aufgegeben werden.

Friedhofsverwalterin Lara Schink (links) und Gemeinschaftsgärtnerin Manuela Jacobs. Quelle: Catrin Steinbach

Interesse am neuen Gemeinschaftsgarten in Löbtau ist groß

Das Interesse, im neuen „Annengarten“ mitzugärtnern, sei groß. „Ich habe bereits 40 Leute in meinem E-Mail-Verteiler“, so Manuela Jacobs. Die ersten kleinen und großen Gemeinschaftsgärtner sind schon in Aktion. zwei Apfelbäumchen sind gepflanzt, der Bambus an eine andere Stelle versetzt. Nun soll bald Gemüse wachsen und vielleicht ein Sandkasten für die Kinder entstehen.

Parkfriedhof von jeher auch Ort der Erholung und Begegnung

Friedhofsverwalterin Lara Schink sieht in der Nutzung der Friedhofsfläche als Gemeinschaftsgarten keinen Widerspruch. „Die umliegenden Abteilungen wurden bereits vor Jahrzehnten teilgeschlossen, so dass eine Beeinträchtigung Trauernder nicht zu befürchten ist.“ Zudem habe Gartenarchitekt Max Bertram die Anlage einst als „Parkfriedhof mit großzügigen Wiesen und langen Alleen bereits mit der Prämisse gestaltet, hier nicht nur einen Ort der Trauer, sondern auch der Erholung und Begegnung zu schaffen.“

Im Gemeinschaftsgarten „Annengarten" in Dresden-Löbtau wird schon fleißig geackert. Quelle: Catrin Steinbach

Bestimmte Verhaltensregeln müssen eingehalten werden

Auch heute würden hier viele Bürger Löbtaus gerne spazieren. „Leben und Tod sind dicht beieinander.“ Wenn der Friedhof als Ort der Kommunikation mehr in den Lebensalltag integriert werde, schaffe das doch auch einen positiven Bezug, findet Lara Schink. Natürlich müssten bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden. Und die Gemeinschaftsgärtner sollen auf dem Friedhof auch mal bei Arbeitseinsätzen mit anpacken.

Von Catrin Steinbach

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