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08:11 17.07.2018
Kristin Eilzer mit einer Patientin. Quelle: Saul Loubassa Bighonda
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Dresden

Menschen mit zwar gutartigen, aber riesigen Tumoren im Kopf, Entstellungen durch Lippen- und Gaumenspalten, deformierten Extremitäten, Fisteln im Genitalbereich, Verwachsungen durch schwere Verbrennungen – Kristin Eilzer war acht Wochen in Westafrika und hat viel Leid gesehen. Aber auch viel Glück erfahren.

Kristin Eilzer auf dem Hospitalschiff bei der Arbeit. Quelle: Saul Loubassa Bighonda

Komplett spendenfinanziert

Denn die 29 Jahre alte Dresdner Krankenschwester gehörte von April bis Juni zum medizinischen Team, das auf dem Hospitalschiff Africa Mercy zu 100 Prozent spendenfinanziert den Ärmsten der Armen in Westafrika kostenlos spezialchirurgische Behandlungen anbietet. Es sei für sie eine „sehr schöne Erfahrung gewesen, zu sehen, welche große Lebensveränderungen wir für die Betroffenen erreichen konnten“. Menschen, die vorher durch entstellende bzw. behindernde Krankheiten isoliert waren, seien strahlend und stolz nach Hause zurückgekehrt.

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Die Africa Mercy, der Welt größtes privates Hospitalschiff, bringt medizinische Fachleute aus der ganzen Welt nach Afrika, um zu operieren, zu trainieren und weiterzubilden. Quelle: Miguel Ottaviano

„Nie habe ich jemanden genervt erlebt“

Die große Dankbarkeit und das herzliche Miteinander hätten sie sehr berührt. Von der Mentalität der Afrikaner sei sie beeindruckt. „Sie sind immer am quasseln, singen, beten. lachen, in einem Krankenzimmer ist es laut von früh bis abends. Trotzdem habe ich nie jemanden genervt erlebt. Wer schlafen wollte, hat sich hingelegt und geschlafen. Ich glaube in einem Einzelzimmer würden die eingehen“, schildert Kristin Eilzer.

Ins Fachenglisch einfuchsen

Sich auf dem Schiff zumeist nur Englisch verständigen zu können, sei eine Herausforderung gewesen, vor allem in Bezug auf das medizinische Vokabular. „Die meisten in meinem Umfeld waren Muttersprachler“, erzählt die Krankenschwester. „Aber man hört sich relativ schnell ein.“ Und per Handy könne man offene Fragen ja schnell klären. Zudem fand sie den fachlichen Austausch mit Krankenschwestern aus anderen Ländern sehr interessant.

Einsatz in Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

In Dresden arbeitete die gebürtige Riesaerin bislang im Friedrichstädter Krankenhaus auf der Intensivstation. Auf dem Schiff, das insgesamt zehn Monate in Douala in Kamerun vor Anker lag, war die 29-Jährige in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie eingesetzt. Zum medizinischen Spektrum des Hospitalschiffes gehören außerdem Orthopädie, plastische Chirurgie, Augenchirurgie und Gynäkologie.

Kristin Eilzer verbindet eine Patientin nach der OP. Quelle: Saul Loubassa Bighonda

Beim Personal gibt es viele, die immer wieder kommen

Die Besatzung besteht aus über 400 ehrenamtlichen Mitarbeitern aus nahezu 40 Nationen. Dazu zählen nicht nur Ärzte und Krankenschwestern, sondern auch IT-Fachleute, Elektriker, Mechaniker, Schiffsingenieure, Seeleute, Küchenhilfen, Verwaltungskräfte und Buchhalter. „Es gibt viele, die jedes Jahr zu festen Zeiten kommen. Andere machen das mehrere Jahre lang, leben sogar mit ihrer Familie auf dem Schiff“, hat Kristin Eilzer festgestellt.

Drei Jahre beworben

Sie erfuhr von einer Bekannten vom HospitalschiffAfrica Mercy“ und der ehrenamtlichen Tätigkeit. „Ich fand das eine gute Sache und habe mich auch beworben.“ Drei Jahre dauerte es, bis es endlich klappte. „Man muss ein richtiges Bewerbungsverfahren durchlaufen“, so Eilzer. Sie sieht es als „großes Geschenk“ ihres Arbeitgebers in Dresden, dass sie für dieses Vorhaben unbezahlten Urlaub nehmen durfte. „Meine Kollegen haben mich sehr unterstützt.“

Aufenthalt auf dem Schiff musste Krankenschwester selbst finanzieren

Auch Familie und Freunde standen hinter Kristin, gaben Geld dazu. Denn die Krankenschwester musste 700 Dollar pro Monat für ihren Aufenthalt auf dem Hospitalschiff, auf dem sie im Drei-Schicht-System ohne Bezahlung arbeitete, beisteuern.

 Hope-Center vor Ort ergänzt Arbeit auf dem Schiff

Jeder Einsatz werde langfristig vorbereitet – in Zusammenarbeit mit der Regierung des jeweiligen Landes, weiß Kristin Eilzer. Schon zwei bis drei Monate bevor das Schiff für zehn Monate vor Anker geht, treffe ein Organisationsteam im Land ein. Denn in der jeweiligen Hafenstadt werde ein Hope-Center eingerichtet.

An diesem gut erreichbaren Ort in Schiffsnähe erfolgt die Versorgung der Patienten vor der OP. „Manchmal müssen sie auch erst aufgepäppelt werden, damit sie einen Eingriff überhaupt überstehen“, so Eilzer. Zudem könne in dem Center die Nachsorge erfolgen, denn nicht immer sei die ständige Betreuung in der Krankenstation auf dem Schiff erforderlich.

Viele Tausende Bewerber für Behandlung

Doch wie werden die Menschen, die auf dem Schiff behandelt werden, ausgewählt? „Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Es gibt mehrere Termine für Voruntersuchungen, die im Land durch Plakate, durchs Radio und durch die Regierung bekannt gemacht werden“, erklärt Lydia Schnizer, Stellvertretende Geschäftsführerin von Mercy Ships Deutschland e.V. gegenüber DNN. „In Kamerun konnten wir einheimische Ärzte gewinnen, die im Land herumgereist sind, nach potenziellen Patienten gesucht und deren Daten mittels einer Handy-App erfasst haben.“ Dann gelte es verantwortungsbewusst auszuwählen – wem kann man mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten helfen? Und reicht die Zeit, in der die Africa Mercy vor Anger liegt? erzählt Kristin Eilzer.

Stichwort Africa Mercy

Die Africa Mercy ist ein Hospitalschiff der christlichen Hilfsorganisation Mercy Ships. Mercy Ships wurde 1978 von Don Stephens in Lausanne gegründet, bringt seitdem dringend benötigte medizinische Hilfe in die ärmsten Länder der Erde und widmet sich der langfristigen Entwicklungshilfe. Die Africa Mercy ist derzeit das weltweit größte Hospitalschiff in nichtstaatlichem Auftrag. Im Juni und Juli wird Africa Mercy im Trockendock von Las Palmas gewartet. Ungefähr ab Mitte August beginnt dann der nächste Einsatz. Er führt die Helfer diesmal nach in Guinea. In Conakry wird das Schiff dann zehn Monate vor Anker liegen.

Von Catrin Steinbach

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