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Lokales Fünf Jahre nach dem Verkauf: So geht es Dr. Quendt heute
Dresden Lokales Fünf Jahre nach dem Verkauf: So geht es Dr. Quendt heute
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23:08 08.07.2019
Seit Jahrzehnten ein Renner: Russisch Brot aus dem Hause Dr. Quendt. Im Bild richtet Arleta Gorlab die süßen Buchstaben.
Seit Jahrzehnten ein Renner: Russisch Brot aus dem Hause Dr. Quendt. Im Bild richtet Arleta Gorlab die süßen Buchstaben. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Fünf Jahre nach dem Beinnahe-Aus und der Übernahme durch Lambertz hat sich Dr. Quendt stabilisiert: Die Backfabrik im Dresdner Süden schreibt Gewinne und verkauft immer mehr Süßigkeiten – Stollen, Russisch Brot, Dominosteine, Dinkelchen und Bemmchen vor allem. „Der Umsatz ist in den letzten vier Jahren um insgesamt über 30 Prozent gestiegen und liegt derzeit bei 27 Millionen Euro“, erklärte Lambertz-Sprecher Martin Heinen auf DNN-Anfrage.

Bereits ein Jahr nach dem Verkauf durch die Quendt-Familie an die Aachener Printenfabrik sei Dr. Quendt aus den Verlusten herausgekommen, betonte Heinen. Die Belegschaftsgröße schwanke zwar abhängig vom Saisongeschäft. Die Stammmannschaft umfasse aber weiter reichlich 100 Festangestellte. Geplant seien auch neue Investitionen am Standort, zum Beispiel in Mehlsilos, Belüftungsanlagen und weitere Anlagen.

Standort wird weiter autark geführt

„Die Marke Dr. Quendt soll als regionale Marke auf jeden Fall beibehalten und weiter gestärkt werden“, kündigte Heinen an. „Das erfordert viel Fingerspitzengefühl.“ Insofern werde Lambertz viele Entscheidungen den Kollegen vor Ort überlassen, „die neben Erfahrung vor allem Herzblut in die Marke und Produkte stecken“, betonte der Sprecher. „Aus heutiger Sicht wird der Standort auch weitestgehend autark geführt werden.“

Bereits ausgebaut hat der neue Eigentümer die Confiserie, also die Produktion der legendären Dominosteine, von Kirschharmonien und anderen Konfekten. Und die Lambertz-Manager denken darüber nach, die Sortimente in Dresden auszuweiten und mit neuen Produkten auf die sich wandelnden Märkte zu reagieren. Das Motto: weniger Zucker, mehr Öko-Anspruch. „Im Fokus der Produktentwicklungen bei Dr. Quendt stehen Trends wie Zuckerreduzierung – wobei die Produkte in erster Linie schmecken müssen, der Einsatz pflanzlicher Proteine, aber auch die Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen.“

Café, Werksverkauf und Quendteria

Vorerst festhalten wollen die Planer auch am betriebseigenen Café „Weitblick“ in Coschütz-Gittersee, am Werksverkauf sowie an der Quendteria in der Altmarkt-Galerie – alles Projekte, die sich seinerzeit noch die Quendts ausgedacht hatten. „Mit dem Markenshop wollen wir Touristen und Dresdner von den Produkten der gesamten Gruppe überzeugen“, erklärte Heinen. Beim Werksverkauf in Gittersee spekuliert Lambertz-Quendt hingegen vor allem auf Schnäppchenjäger und Tagesausflugs-Gruppen. Motto: Wer dort mit einem weiten Blick hinab ins Elbtal die Stadt zum Beispiel per Bus verlässt, soll sich noch ein paar Dominosteine oder Dinkelchen als Andenken an Dresden mitnehmen.

Denn Dresden und die Quendt-Süßigkeiten gehören aus sächsischer Sicht untrennbar zusammen. Die Wurzeln des Unternehmens reichen schließlich bis zu einer Waffelfabrik an der Kaitzer Straße zurück, die Wenzel Hromadka und Heinrich Vollmann 1876 gegründet hatten. Zu DDR-Zeiten entwickelte das – inzwischen verstaatlichte – Unternehmen legendäre Leckereien wie „Russisch Brot“. 1991 übernahm der vormalige Kombinats-Angestellte Dr. Hartmut Quendt die selbstentwickelte Russisch-Brot-Anlage samt 13 Mitarbeitern. Dies wurde zum Nukleus seiner Dr. Quendt Backwaren GmbH, die lange Zeit als Erfolgsgeschichte galt.

Dr. Quendt wächst bis zur Jahrtausendwende

Als der Konsum seine Stollenproduktion einstampfte, stieg Quendt dort ein. Auch reanimierte er die Dominosteine, die der Dresdner Chocolatier Herbert Wendler bereits 1936 entwickelt hatte. Dabei verfolgte er immer einen recht hohen Qualitätsanspruch. Bis zur Jahrtausendwende war das Unternehmen stark gewachsen und zog ins Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee um.

2006 übernahm Matthias Quendt das süße Geschäft von seinem Vater. Ab 2013 hatte er allerdings wachsende Probleme, die Einkäufe für das Weihnachtsgeschäft vorzufinanzieren. Die Fabrik warf nicht genug ab, um dafür Rücklagen zu bilden, zuletzt schrieb der Betrieb sogar Verluste. Im Sommer 2014 musste Quendt Junior das Unternehmen schließlich an das Lambertz’sche Printenimperium aus Aachen verkaufen.

Von Heiko Weckbrodt