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Lokales Fünf Jahre nach dem Busunglück mit elf Toten auf der A4 – kann es wieder passieren?
Dresden Lokales Fünf Jahre nach dem Busunglück mit elf Toten auf der A4 – kann es wieder passieren?
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12:32 19.07.2019
Acht der neun Insassen im Kleinbus verstarben nach der Kollision mit einem Reisebus. Quelle: Dpa
Dresden

Es ist mitten in der Nacht, als es auf der Autobahn 4 in Kaditz einen lauten Knall gibt. Kurz vor 2 Uhr am 19. Juli 2014 fährt ein polnischer Reisebus auf einen vorausfahrenden ukrainischen Bus auf, kommt ins Schleudern, durchbricht die zwei Mittelleitplanken, stößt frontal mit einem entgegenkommenden polnischen Kleinbus zusammen.

Der schwerste Unfall in Dresden seit Jahrzehnten

Der Richtung Polen fahrende Kleinbus wird bei Zusammenprall mit dem mehr als 25 Tonnen schweren Doppeldeckerbus förmlich pulverisiert, dieser durchbricht eine weitere Leitplanke, rutscht eine zehn Meter hohe Böschung hinab, überschlägt sich und kommt schließlich in einem Graben vor der Kläranlage Kaditz zum Liegen.

Den 150 herbeigerufenen Einsatzkräften bietet sich ein Bild des Grauens: Zehn Menschen sind tot, 69 verletzt, davon 39 schwer – am Ende werden elf Opfer bei dem schwersten Unfall seit Jahrzehnten in Dresden zu beklagen sein. Fünf Jahre ist das nun her.

So sah es am Unglücksort aus

2014: Elf Menschen sterben bei Busunglück auf der A 4

Unmittelbar nach dem Unfall geht es um Leib und Leben. 69 Menschen müssen mit Knochenbrüchen, Schürfwunden, Prellungen und Schocks auf Krankenhäuser in Dresden und der Region verteilt werden. Die Todesopfer, von denen acht im zerfetzten Kleinbus saßen, müssen identifiziert werden. Schnell steht fest: alle Todesopfer und fast alle Verletzten kommen aus Polen.

Waren die Leitplanken zu dünn?

Auch die Schuldfrage stellt sich. Schnell konzentrieren sich die Ermittlungen auf den damals 44-jährigen Fahrer des Reisebusses, der zuvor noch hektisch Unfallopfer aus seinem verunglückten Gefährt geborgen hatte. Er soll am Steuer eingeschlafen sein oder aus Übermüdung falsch gehandelt haben, so der Vorwurf. Der Versuch der Staatsanwaltschaft, ihn deswegen festzunehmen, scheitert jedoch. Jahre später beschäftigt sich ein Gericht in Polen mit der Frage.

In Dresden wird noch ein ganz anderer Vorwurf erhoben: Die Leitplanken seien in dem Abschnitt der Autobahn 4 zu schwachbrüstig, monierte ein Industrievertreter. Tatsächlich eine drängende Frage, hatte der Bus doch zwei Leitplanken durchschlagen, die die Fahrbahnen Richtung Chemnitz und Görlitz trennen und eine weitere, bevor er die Böschung herabrutschte. Hätte besserer Schutz den Horrorunfall verhindern oder zumindest abschwächen können?

Hier geschah der Unfall:

Das Busunglück ereignete sich auf der A4 zwischen Elbe und Flutrinne in Höhe des Kaditzer Klärwerks. Quelle: Grafik: Google Maps

Eine Frage, die sich so einfach nicht beantworten lasse, wie Isabell Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) sagt. Das hat mit der Funktionsweise von Leitplanken zu tun. Sie sollen sich bei einem Unfall verformen, um die Aufprallenergie aufzunehmen. Außerdem sollen sie ein Durchbrechen von Fahrzeugen verhindern. „Bis zu einem Anfahrwinkel von maximal 20 Grad erfüllen die Systeme diese Aufgabe sicher“, sagt Siebert.

Prallt ein schweres Fahrzeug in einem weniger spitzen Winkel auf die Leitplanke, ist das jedoch nicht mehr garantiert. „Theoretisch ist ein Durchbrechen eines Lastkraftwagens oder Busses nur mit meterhohen und dicken Stahlbetonmauern zu verhindern“, sagt Siebert. Die würden dann aber bei einem entsprechend heftigen Aufprall Lebensgefahr für alle Insassen im Unfallfahrzeug bedeuten – wie das eben so ist, wenn man mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Mauer fährt. Deshalb stehen keine meterhohen Mauern an der A 4.

„Es gibt hier keinen hundertprozentigen Schutz“

Was nicht bedeutet, dass der Freistaat in Sachen Sicherheit an der Autobahn nicht nachgelegt hätte. In den vergangenen Jahren habe das Land jährlich rund acht Millionen in bessere Schutzsysteme investiert, und das vorrangig an der A 4, teilt Siebert mit. Die Autobahn hat vor allem im Raum Dresden eine hohe Verkehrsbelastung mit hohem Schwerlastanteil – deshalb konzentrieren sich die Bemühungen um mehr Sicherheit auf sie. Insgesamt 50 Millionen Euro stecken im Nachrüstprogramm.

An der Unfallstelle zwischen den Abfahrten Dresden-Neustadt und -Altstadt wurden mit dem Geld etwa 40 Zentimeter höhere Leitplanken verbaut, bei denen zudem die Pfosten in geringeren Abständen gesetzt sind. Statt einer haben die neuen Systeme zwei seitliche Planken.

„Die Schutzeinrichtungen, welche heute unter anderem auf der A 4 im Mittelstreifen verbaut werden, weisen die höchste am Markt verfügbare Aufhaltestufe auf“, versichert Siebert. Sie sollen auch das Durchbrechen eines 38 Tonnen schweren Gefährts bei 65 Stundenkilometern verhindern können – das wird allerdings nur bis zu einem spitzen Anprallwinkel von 20 Grad garantiert. „Es gibt hier keinen hundertprozentigen Schutz“, sagt Lasuv-Sprecherin Siebert.

Von Uwe Hofmann

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