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Lokales Frisches Gemüse für die Dresdner Tafel
Dresden Lokales Frisches Gemüse für die Dresdner Tafel
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11:40 19.08.2016
Feisal Achabab (26) aus Marokko, Haiiem Ecki (23) und Jamal Atoui (26) aus Tunesien bei der Bohnenernte  Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 Die Elbe hat den Kleingärtnern im Ostragehege schon übel mitgespielt. Gärten, die sich im Überschwemmungsgebiet befinden, sollen nun auf lange Sicht verschwinden. Viele Kleingärtner warfen schon das Handtuch, nahmen das Entschädigungsangebot der Stadt an und gaben ihren Garten zwischen Pieschener Allee und Messering auf. Lauben, Schuppen, Zäune, Betonplatten, Hecken usw. auf 30 der ehemals 55 Parzellen sind beräumt.

Doch auch Grünflächen und Streuobstwiesen bedürfen der Pflege. Zudem gab es Probleme mit wilden Müllablagerungen. „Auf einem Teil der ehemaligen Kleingartenfläche haben wir jetzt eine Schmetterlingswiese angelegt“, so Frank Hoffmann. 1. Vorsitzender des Stadtverbandes „Dresdner Gartenfreunde“ e.V. „Und aus einer 4000 Quadratmeter großen Brache ist seit März/April ein intensiv bewirtschafteter Gemüsegarten entstanden.“ Hier gedeihen Kräuter und Salat, Gurken, Tomaten, Zucchini, Radieschen, Bohnen, Kartoffeln Blumenkohl, Mais und Rote Beete. Auch die Früchte an den vielen Obstbäumen beginnen zu reifen und werden auf jeden Fall geerntet.

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Der Tafel-Garten im Dresdner Ostragehege

 Zugute kommt das alles der Dresdner Tafel, die die Lebensmittel an Bedürftige weitergibt. „Momentan können wir der Tafel zweimal pro Woche um die acht Kisten Gemüse und Obst übergeben“, sagt Miriam Creutzberg. Die studierte Gärtnerin und Ausbilderin sowie ihr Kollege Malte Weber betreuen als Anleiter das Gartenprojekt im Ostragehege. Beide sind bei dem Bildungsträger DPFA angestellt, der sich u.a. um Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose und auch für Flüchtlinge kümmert.

 In Rahmen von zwei verschiedenen Maßnahmen graben, pflanzen, hacken, jäten, gießen und ernten bis zum Herbst Deutsche und Asylbewerber gemeinsam, denn „hier gibt es keine Grenzen“, so Frank Hoffmann. Man verständige sich „deutsch, englisch, mit Händen, Füßen und Lächeln“, sagt Miriam Creutzberg. Sie ist als Anleiterin für die Asylbewerber zuständig, wird von einer Sozialpädagogin unterstützt.

Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge

Die Landeshauptstadt Dresden hat einer Mitteilung zufolge aktuell insgesamt 45 Maßnahmen mit zusammen 451 Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge geschaffen. „Träger der Maßnahmen sind u.a. das Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden e.V , Diakonische Werk - Stadtmission Dresden, Jugend Arbeit Bildung e.V., Gemeinnützige Gesellschaft Striesen Pentacon e.V., Arbeiterwohlfahrt Sachsen und andere Vereine. Die Tätigkeitsbereiche sind vielfältig, wie zum Beispiel Möbeldiensthelfer beim Sozialen Möbeldienst, Erhaltung und Pflege von Außenanlagen oder Reparatur und Werterhaltung an Gegenständen im öffentlichen Bereich. Außerdem übernehmen die Flüchtlinge gemeinnützige Tätigkeiten auf Friedhöfen in Dresden, unterstützende Dolmetschertätigkeiten, Umweltschutz und Umweltpflege sowie der Vor- und Nachbereitung von Ausstellungen.“

Während die deutschen Teilnehmer der jetzt von sechs auf acht Monate verlängerten Arbeitsmaßnahme immer die Gleichen sind, „ist die Zusammensetzung bei den Asylbewerbern sehr viel bewegter“, wie es Norman Reitner, Abteilungsleiter für öffentlich geförderte Arbeit in der DPFA-Weiterbildung GmbH, formuliert. Denn je nach Stand der Bearbeitung der Asylanträge ändert sich deren Status, manchmal ändert sich auch der Wohnort. Zudem seien sie beinahe jeden zweiten Tag bei diversen Behörden unterwegs und besuchen Deutschkurse. Manchmal kommen sie auch einfach nicht.

So weiß Miriam Creutzberg früh nie, mit wem sie an diesem Tag im Garten zusammenarbeiten wird. Zwölf Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber gibt es in dem Projekt. „Im Schnitt sind am Tag fünf da“, ist die Erfahrung der Anleiterin. Feisal, Jamal und Haiiem, die wir bei unserem Besuch im Garten antreffen, gehören sozusagen zum harten Kern. „Ich freue mich, über die, die da sind und aufgeschlossen uns gegenüber sind und der Arbeit“, so Creutzberg.

Die Asylbewerber, die im Tafelgarten arbeiten, sind ausschließlich Männer. Dass man sie als Chefin nicht ernst nimmt, das Problem hat Miriam Creutzberg nach eigener Aussage nicht. „Der Respekt ist da. Es geht alles über freundliche Worte. Aber sie wollen mir immer die schwere Arbeit abnehmen.“ Auch die religiöse Zugehörigkeit habe hier bislang kaum eine Rolle gespielt. „Die sind hier alle sehr zurückhaltend und tragen ihre Religiosität nicht nach außen.“ Nur einmal habe einer während des Ramadans in einer Pause im Koran gelesen. Sie habe ihn das Kapitel zu Ende lesen lassen und dann ging es weiter. „Kleine Reibereien gibt es mal, aber sie akzeptieren die Grenzen“, ergänzt Ramona Rudeck, die als Langzeitarbeitslose im Garten eine Arbeitsgelegenheit bekommen hat.

 Der Stadtverband der Dresdner Gartenfreunde unterstützt den „Tafelgarten“. „Wir haben ein Zelt aufgestellt, für Wasser und Strom gesorgt, Pflanzen zur Verfügung gestellt. Zudem gibt unser Fachberater Volker Croy Unterstützung“, erzählt Frank Hoffmann, der Chef des Stadtverbandes der Gartenfreunde. Eine Kleingärtnerin habe über 100 Tomatenpflanzen für den Tafelgarten angezogen und gespendet. Anfänglich seien die Kleingärtner, die noch im Ostragehege ansässig sind, ob des Gartenprojektes mit Asylbewerbern sehr skeptisch gewesen. „Aber das hat sich gelegt, als sie gemerkt haben, dass hier ernsthaft gearbeitet wird.“

Von Catrin Steinbach

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